Prostata-OP mit KI: Unfold AI erreicht laut Avenda Health 92 Prozent Genauigkeit
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie operative Behandlung von Prostatakrebs durchläuft einen spürbaren Wandel, der zunehmend von datengestützten Assistenzsystemen und robotergestützter Chirurgie geprägt wird. Um die Präzision bei Eingriffen zu erhöhen, führt das Medizintechnikunternehmen Avenda Health den sogenannten Surgery Mode für seine KI-Plattform Unfold AI ein.
Die Software zielt darauf ab, Operateure während des Eingriffs mit detaillierten visuellen Orientierungshilfen zu unterstützen und das operative Vorgehen millimetergenau abzustimmen.
Dreidimensionale Visualisierung und Risikobewertung in Echtzeit
Bei chirurgischen Eingriffen an der Prostata stellt die Abwägung zwischen der vollständigen Entfernung des Tumors und der Schonung empfindlicher Nervenbahnen eine zentrale Herausforderung dar. Die Plattform von Avenda Health erstellt dreidimensionale Tumorkarten, die Chirurgen direkt während der Operation als visuelle Orientierung dienen.
Durch die Zusammenführung multimodaler Patientendaten – darunter Magnetresonanztomografien (MRT) und Biopsieergebnisse – erzielt das System laut Unternehmensangaben eine Vorhersagegenauigkeit von 92 %. Auf dieser Datenbasis erhalten Operateure in Echtzeit vergrößerte 3D-Ansichten sowie spezifische Risikobewertungen.
Diese Einblicke sollen nervenschonende Entscheidungen erleichtern. Das übergeordnete Ziel dieser Technologie liegt in besseren chirurgischen Ergebnissen und dem langfristigen Erhalt der Lebensqualität von Patienten.
Technologische Transformation in der Uro-Chirurgie
Die Entwicklung fügt sich in einen breiteren Trend der Digitalisierung im Operationssaal ein. Auf dem Fachkongress IURES 2026 verwies Kongresspräsident Prof. Dr. Murat Binbay auf drei wesentliche Achsen des aktuellen Wandels: die Telechirurgie, die Single-Port-Robotik sowie KI-gestützte Entscheidungstechnologien.
Telechirurgische Verfahren eröffnen erfahrenen Operateuren die Möglichkeit, über Konsolen Eingriffe bei Patienten in anderen Städten oder Ländern durchzuführen.
Die Single-Port-Robotik wiederum erlaubt Eingriffe bei Nieren- und Prostatakrebs über einen einzigen Zugangsweg. Dies mindert das Gewebetrauma und verringert Schmerzen, was den Heilungsverlauf beschleunigt und in bestimmten Fällen eine Entlassung noch am selben Tag ermöglicht.
Wer sich mit modernen Behandlungsansätzen bei Prostatabeschwerden befasst, sollte auch präventive Möglichkeiten kennen. Dieser kostenlose Spezialreport erläutert, wie gezielte Ernährung dazu beitragen kann, die Prostatagesundheit zu fördern und operative Eingriffe zu vermeiden. 7 einfache Ernährungstipps zur Prostatagesundheit jetzt kostenlos herunterladen
Prof. Dr. Burak Turna wies im Rahmen der Fachtagung darauf hin, dass Plattformen der 5. Generation moderne Bildgebung, hohe Präzision, taktiles Feedback und umfassende Datennutzung miteinander verknüpfen.
Ergänzt wird dies durch fortschrittliche Diagnostik. Prof. Dr. Fatih Atu? hob die Relevanz der multiparametrischen Prostata-MRT und der MR-Ultraschall-Fusionsbiopsie hervor, um gezielte Gewebeproben zu entnehmen.
Organerhalt und digitale Zwillinge in der Operationsplanung
Auch die präoperative Planung gewinnt durch digitale Werkzeuge an Tiefe. IURES-Vizepräsident Prof. Dr. Emre Huri erklärte, dass eine KI-gestützte 3D-Organmodellierung aus CT- und MRT-Daten individualisierte Operationsplanungen ermöglicht. Das Zusammenspiel aus digitalem Zwilling, Virtual Reality und 3D-Druck mache chirurgische Eingriffe zu einer präzise berechenbaren Maßnahme.
Mithilfe spezieller Harze und Silikone können physische Modelle gefertigt werden, die Gewebekonsistenz, Gefäßelastizität und Tumorhärte realistisch nachbilden.
Neben dem häufigen Einsatz bei organerhaltenden Nierenkrebsoperationen hilft die 3D-Modellierung bei der radikalen Prostatektomie, die extrakapsuläre Ausbreitung von Tumoren sowie den Verlauf neurovaskulärer Bündel zu kartieren. Dies dient insbesondere dem Erhalt der erektilen Funktion. Als klinische Vorteile nannte Huri verkürzte Operationszeiten, geringeren Blutverlust, negative chirurgische Ränder sowie minimale Ischämiezeiten.
Neben der technologischen Transformation rücken oft auch alltägliche Gewohnheiten in den Fokus der Gesundheitsvorsorge. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, welche Lebensmittel die Prostata belasten können und wie Sie Ihre Vitalität langfristig erhalten. Gratis-PDF: Die 7 größten Prostata-Killer entdecken
Roboterassistierte Praxis und klinische Ergebnisse
Dass roboterassistierte Verfahren bereits feste Bestandteile der klinischen Routine sind, zeigen internationale Praxiserfahrungen. Am Universitätskrankenhaus Krakau gehören robotische Eingriffe in der Urologie bereits zum Standard.
Ein Team der dortigen Abteilung für Urologie und Uro-Onkologie um Prof. Piotr Ch?osta nahm kürzlich an einer zweitägigen Schulungshospitation in Stuttgart bei Prof. Christian Schwentner teil, um spezifische Fertigkeiten am System weiter zu vertiefen.
Über den Einsatz der Robotik bei komplexen Tumoren berichtete zudem der israelische Rambam Health Care Campus im Zusammenhang mit einer Fachtagung am 8. Oktober 2026. Dort demonstrierten Spezialisten die Entfernung einer Harnblase (Zystektomie) mittels des da Vinci Surgical Systems unter Erhalt von Uterus und Ovarien.
Zum Kontext: In Israel werden jährlich etwa 300 bis 350 neue Fälle von Blasenkrebs bei Frauen registriert, während die Inzidenz bei Männern mehr als viermal so hoch liegt.
Auf funktionelle Resultate nach radikalen Eingriffen weist eine Studie von Prof. Adil Ouzzane und der AKDITAL Group im Journal of Robotic Surgery hin. Bei 132 roboterassistierten Prostatektomien erreichten über 90 % der Patienten nach drei Monaten eine zufriedenstellende Harnkontinenz; neuere Daten deuten nach sechs Monaten auf Werte von 97 bis 98 % hin.
Ouzzane, der seit 2008 über 1.500 derartige Eingriffe vorgenommen hat, ordnet die Technologie als wesentliche Ergänzung ein: Roboterassistierte Systeme ersetzen weder offene noch herkömmliche laparoskopische Verfahren vollständig, sondern erweitern das Spektrum je nach individueller Anatomie, Krankheitsstadium und Patientengeschichte.
