Prostata-OP, Vinci

Prostata-OP mit Da Vinci: 2,5-Zentimeter-Schnitt durch die Blase

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kliniken erweitern robotische Eingriffe, während Fachleute über Prostatakrebs-Screening diskutieren; Intuitive Surgical steigert den Quartalsumsatz.

Robotische Urologie wächst: Kliniken investieren, Früherkennung bleibt umstritten
Moderner, steriler Operationssaal mit medizinischen Beleuchtungssystemen und technischer Ausstattung in einem Krankenhaus. Illustration mit AI erstellt.

Minimalinvasive Operationstechniken gewinnen in der Urologie zunehmend an Bedeutung. Kliniken in mehreren europäischen Ländern erweitern derzeit ihre Kapazitäten für roboterassistierte Eingriffe, während innerhalb der Fachgesellschaften parallel eine Debatte über die Grenzen der Früherkennung geführt wird.

Neue Zugangswege bei der Prostatachirurgie

Bei einer Live-Chirurgie-Veranstaltung am Liv Hospital Vadistanbul wurde einem 57-jährigen Patienten eine gutartige Prostatavergrößerung mittels Da-Vinci-Single-Port-System entfernt, wobei ein Schnitt von lediglich 2,5 Zentimetern in der Blase genügte.

Der behandelnde Urologe Volkan Tu?cu erklärte, dieser Zugang vermeide den Weg durch die Harnröhre und senke dadurch das Risiko einer Harnröhrenverengung.

Der Patient berichtete laut Klinikangaben, schmerzfrei gewesen zu sein und bereits innerhalb eines Tages entlassen worden zu sein. Bei der Veranstaltung wurden zudem weitere Verfahren wie HoLEP, ThuFLEP, die laparoskopische Adenomentfernung und Rezum vorgestellt.

Robotische Hilfe auch bei Inkontinenz

Am Universitätsspital CHUV wurde erstmals in dessen Angebot Frauen ein künstlicher Harnschließmuskel robotisch assistiert implantiert. Das Verfahren richtet sich vor allem an Patientinnen mit schwerer Belastungsinkontinenz, bei denen konventionelle Behandlungen ohne Erfolg blieben. Das vollständig unter der Haut implantierte System besteht aus einer Manschette am Blasenhals, einer Pumpe unter der Haut einer Schamlippe und einem Flüssigkeitsreservoir. Laut CHUV ist diese Technik in der Schweiz bislang noch wenig verbreitet.

Investitionen in Hybrid-Operationssäle

Das Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda hat einen Hybrid-Operationssaal mit Angiographie zur Echtzeit-Bildgebung eröffnet, in dem nun der seit 2024 genutzte DaVinci Xi steht.

Geplant ist vor allem der Einsatz minimalinvasiver Verfahren in der Gefäßchirurgie; in der Urologie wird der Roboter bereits für Eingriffe an Prostata, Niere, Harnleiter und Hoden genutzt, betreut von fünf zertifizierten Operateuren. Für den Umbau, bei dem aus drei Operationssälen zwei wurden, investierte das Klinikum rund 7,1 Millionen Euro.

Davon kamen Fördermittel in Höhe von 6,56 Millionen Euro, aufgeteilt in rund 5,91 Millionen Euro vom Bund und 656.000 Euro vom Land Sachsen. Der Eigenanteil des Klinikums lag bei rund 532.000 Euro beziehungsweise 7,5 Prozent der Gesamtinvestition.

Anzeige

Wer sich mit modernen Verfahren der Urologie beschäftigt, sollte auch die Möglichkeiten der natürlichen Prävention kennen. Dieser kostenlose Spezialreport zeigt Ihnen, wie Sie mit gezielter Ernährung Ihre Prostatagesundheit fördern und operative Eingriffe idealerweise vermeiden können. Kostenlosen Report mit 7 Ernährungs-Tipps jetzt herunterladen

Auch andere Häuser bauen ihre robotischen Kapazitäten aus. Das Klinikum Lüdenscheid hat ein da-Vinci-System angeschafft, das nach Installation, technischen Prüfungen und Schulungen schrittweise in der Urologie, der Allgemein- und Viszeralchirurgie, der Frauenklinik sowie der Thoraxchirurgie zum Einsatz kommen soll.

Geplant sind unter anderem Eingriffe an Prostata, Niere und Blase sowie Tumor- und Magen-Darm-Operationen. Die Vorbereitung dauerte laut Klinikum mehr als zehn Monate und band über 15 interne Fachabteilungen ein. Das System liefert dabei eine bis zu zehnfach vergrößerte 3D-Darstellung des Operationsfelds.

Am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien sind zwei Systeme im Einsatz, die von Urologie, Gynäkologie, Chirurgie und HNO genutzt werden. Nach Angaben des Krankenhauses verzeichnet die dortige Urologie österreichweit die meisten roboterassistierten Operationen und fungiert als Lehrabteilung.

Ähnliches berichtet die Klinik Landstraße in Wien, wo zwei Operationssysteme vorhanden sind und vier Abteilungen robotergestützte Chirurgie einsetzen. Beide Häuser nennen als mögliche Vorteile geringeren Blutverlust, weniger Schmerzen sowie eine frühere Entlassung.

Anzeige

Während die chirurgische Technik enorme Fortschritte macht, unterschätzen viele Männer den Einfluss alltäglicher Gewohnheiten auf die Organfunktion. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, welche Lebensmittel die Prostata belasten und wie Sie Ihr Wohlbefinden langfristig und natürlich erhalten. 7 schützende Lebensmittel für die Prostata hier entdecken

Am Universitätsklinikum Münster wird seit dem Amtsantritt von Klinikdirektor Lars Hanker vor zwei Jahren Da Vinci auch in der Frauenklinik eingesetzt, mittlerweile operieren dort vier Ärzte mit dem System.

Bei einer Patientin mit Endometriose an Becken, Darm und Harnwegen kam das Verfahren mit 3,5-facher Vergrößerung des Operationsfelds zum Einsatz; ein solcher interdisziplinärer Eingriff kann bis zu vier Stunden dauern. Für den 12. Oktober 2026 kündigt das UKM eine Informationsveranstaltung mit kostenlosem Livestream an.

Personelle Weichenstellung in Braunschweig

Ab dem 1. Oktober 2026 übernimmt Tobias Klatte die Leitung der urologischen und robotischen Chirurgie am Städtischen Klinikum Braunschweig. Er wechselt vom Helios-Klinikum Bad Saarow und soll ein Zentrum für robotisch assistierte Chirurgie aufbauen.

Zugleich wird er stellvertretender Chefarzt und vertritt Peter Hammerer. Klatte war zuvor unter anderem an der University of California, Los Angeles, der Medizinischen Universität Wien und der Charité tätig.

Neue Strukturen in der Krebsversorgung

Das Klinikum Osnabrück verfügt seit Mitte 2026 über ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Uroonkologisches Zentrum, dessen Zertifizierungsbereich Prostata-, Blasen- und Nierenkrebs umfasst. Behandlungsentscheidungen werden dort interdisziplinär in Tumorkonferenzen abgestimmt; je nach Tumorausbreitung kommen medikamentöse Therapie, Operation oder Bestrahlung infrage.

Debatte um Prostatakrebs-Früherkennung

Parallel zu den technischen Fortschritten wird innerhalb der Fachwelt über die Zukunft der Prostatakrebs-Früherkennung diskutiert. Beim 78. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) im September 2026 in Düsseldorf äußerte sich DGU-Präsident Maurice Stephan Michel skeptisch zu einem organisierten, von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten Screening-Programm.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) prüft derzeit die entsprechende Leistung; das IQWiG bewertete den PSA-MRT-Biopsie-Algorithmus in einem Vorbericht ohne ein positives Nutzen-Schaden-Verhältnis. Michel zufolge fehlt die Evidenz, die PSA-Screening und risikoadaptierte MRT-Diagnostik miteinander verknüpft. Er appellierte an Urologen, das Screening in ihren Praxen eigenständig umzusetzen.

Die DGU verweist dabei auf vier Ären der Früherkennung: die digital-rektale Untersuchung von 1971 bis 2016, die erste, negativ ausgefallene G-BA-Bewertung des PSA-Tests zwischen 2018 und 2021, die Kombination aus PSA und MRT von 2022 bis 2025 sowie eine seit 2025 laufende Neubewertung.

Marktentwicklung eines zentralen Anbieters

Die Verbreitung robotischer Systeme spiegelt sich auch in den Geschäftszahlen des Herstellers Intuitive Surgical wider, der weltweit rund 13.000 Systeme installiert und mehr als 15.000 Chirurgen ausgebildet hat.

Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,89 Milliarden US-Dollar, wovon 2,47 Milliarden US-Dollar beziehungsweise rund 85 Prozent auf wiederkehrende Erlöse entfielen.

Der Umsatz wuchs im Quartalsvergleich um 19 Prozent, die Zahl der durchgeführten Prozeduren stieg um 16 Prozent, wobei sich das US-Prozedurwachstum von 14 auf 12 Prozent verlangsamte. Die Nachfrage nach neuen Systemen legte im selben Zeitraum um 18 Prozent zu.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70203976 |