Prophysio-Tarif, Physioswiss

Prophysio-Tarif vs. Physioswiss: Zwei Modelle konkurrieren ab 2027

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der neue Verband Prophysio will den geplanten Physioswiss-Tarif ab 2027 verhindern und setzt beim BAG auf ein dreistufiges Vergütungsmodell.

Prophysio fordert neues Vergütungsmodell für Physiotherapie
Ein heller, moderner Physiotherapieraum mit Blick auf eine Schweizer Berglandschaft. Illustration mit AI erstellt.

Die physiotherapeutische Versorgung in der Schweiz steht vor strukturellen Veränderungen. Mit der Gründung des Verbands Prophysio im Juli 2026 hat sich eine neue Interessenvertretung formiert, die vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) innerhalb der Branche repräsentiert.

Schätzungen zufolge machen diese Betriebe etwa 80 % der Mitglieder des neuen Verbands aus. Im Zentrum der Verbandsarbeit steht eine grundlegende Kritik an der aktuellen Vergütungsstruktur und der Entwurf eines eigenen Tarifmodells, das Effizienz und Behandlungsqualität stärker gewichten soll als die reine Präsenzzeit.

Personelle Neuausrichtung und politische Vernetzung

Für die kommenden Monate bereitet der Verband einen personellen Wechsel an der Spitze vor. Im November 2026 wird Christa Markwalder das Präsidium von Nina Zosso übernehmen. Mit Markwalder gewinnt Prophysio eine politisch erfahrene Führungspersönlichkeit, die von 2003 bis 2023 für die FDP im Nationalrat tätig war.

Diese Neubesetzung unterstreicht die Ambition des Verbands, stärkeren Einfluss auf die gesundheitspolitische Debatte zu nehmen. Ein wesentlicher Fokus liegt dabei auf der Kritik an den bestehenden Anreizsystemen innerhalb der Physiotherapie. Markwalder verwies bereits darauf, dass der aktuelle Zeittarif zu Fehlanreizen führe und damit ein wesentlicher Treiber für die steigenden Gesundheitskosten sei.

Vorstoß gegen das bestehende Tarifgefüge

Ein zentrales Ziel der Verbandsstrategie ist die Beeinflussung der künftigen Vergütungsregeln. Prophysio hat eine eigene Tarifstruktur beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eingereicht. Dieser Schritt dient explizit dazu, die Einführung des sogenannten Physioswiss-Tarifs zu verhindern, der planmäßig zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll.

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Das von Prophysio vorgeschlagene Modell für das Krankenversicherungsgesetz (KVG) sieht eine Abkehr von der reinen Zeitvergütung vor. Stattdessen basiert der Entwurf auf einem dreistufigen System:
* Eine Fallpauschale für standardisierte Behandlungsabläufe.
* Eine Leistungspauschale für spezifische therapeutische Interventionen.
* Eine Zeitvergütung, die ausschließlich dann zur Anwendung kommen soll, wenn ein medizinisch relevanter Zeitaufwand explizit nachgewiesen werden kann.

Die Leitidee hinter diesem Vorschlag ist die Prämisse, dass der Behandlungserfolg stärker gewichtet werden müsse als die für die Behandlung aufgewendete Zeit. Damit möchte der Verband einen Paradigmenwechsel in der Branche einleiten.

Wirtschaftliche Evidenz und geplante Pilotphasen

Die Forderungen des Verbands stützen sich unter anderem auf externe Analysen. Eine Studie des Forschungsinstituts Polynomics aus Olten kam zu dem Ergebnis, dass das heutige Tarifsystem längere Behandlungen finanziell stärker vergütet, unabhängig von der medizinischen Notwendigkeit oder dem erzielten Erfolg. Diese Erkenntnisse dienen Prophysio als Argumentationsgrundlage für die geforderte Reform.

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Für die praktische Erprobung des neuen Modells sind bereits Pilotprojekte in Planung. Der Verband betont dabei, dass die Umstellung unter der Bedingung der Kostenneutralität erfolgen müsse.

Ziel sei es nicht, das Gesamtbudget zu erhöhen, sondern die vorhandenen Mittel effizienter einzusetzen und Anreize für eine qualitativ hochwertige sowie ökonomisch sinnvolle Versorgung zu schaffen. Ob das BAG dem Vorschlag von Prophysio folgt und damit den für Anfang 2027 geplanten Tarif der Konkurrenz blockiert, bleibt abzuwarten.

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