Projekt, Pontes

Projekt Pontes startet September: EZB verbindet Zahlungssystem mit DLT

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 18:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Isabel Schnabel wirbt für digitales Zentralbankgeld und DLT-Anbindungen, während die EZB weiter Modelle prüft und konkrete Einführungspläne fehlen.

EZB fordert Zentralbankgeld auf der Blockchain
Ein abstraktes, leuchtendes Datenknoten-Objekt in einer modernen, minimalistischen Architektur als Symbol für digitale Währungen. Illustration mit AI erstellt.

In einer Grundsatzrede beim Notenbank-Symposium in Jackson Hole hat Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), eine tiefgreifende technologische Modernisierung des europäischen Finanzsystems angemahnt.

Nach Ansicht der Notenbankerin müsse Zentralbankgeld künftig direkt auf der Blockchain verfügbar sein, um die technologische Überlegenheit gegenüber privaten Stablecoins zu behaupten und die Integrität des Geldwesens im digitalen Zeitalter zu sichern.

Zentralbankreserven sollen „onchain“ gehen

Schnabel betonte am 28. August 2026 die Notwendigkeit, Zentralbankreserven künftig in einer „Onchain“-Umgebung abzubilden. Dieser Schritt sei essenziell, da blockchain-basierte Finanzsysteme die Zentralbanken vor neue Herausforderungen stellten.

Durch die Nutzung von Distributed-Ledger-Technologien (DLT) könne die Geldstabilität verbessert werden, sofern die Zentralbanken die Kontrolle über das sicherste Zahlungsmittel – das Zentralbankgeld – auch in dezentralen Netzwerken behielten.

In diesem Zusammenhang schlug das Direktoriumsmitglied vor, Zentralbankgeld mittels Smart Contracts steuerbar zu machen. Dies solle insbesondere die automatisierte Abwicklung von Zinssätzen, die Verwaltung von Sicherheiten und die präzise Steuerung des Marktzugangs ermöglichen. Private Stablecoins sieht Schnabel dabei lediglich als Ergänzung, nicht jedoch als vollwertigen Ersatz für staatlich garantiertes Geld.

Meilenstein bei DLT-basierten Sicherheiten

Die Forderung nach einer engeren Verzahnung mit der Blockchain-Technologie folgt auf eine Reihe strategischer Weichenstellungen innerhalb des Eurosystems.

Ein wesentlicher Fortschritt wurde dabei bereits im Frühjahr erzielt: Seit dem 1. März 2026 sind DLT-basierte Vermögenswerte als Sicherheiten bei der EZB zugelassen. Diese Regelung markiert einen Wendepunkt in der Anerkennung digitaler Assets innerhalb des institutionellen Rahmens und schafft die Voraussetzung für die von Schnabel skizzierte Zukunftsvision.

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Bereits seit Anfang 2024 führt die EZB umfassende Tests mit DLT im Großhandelsbereich durch. Die bisherige Bilanz dieser Experimente beläuft sich auf ein verarbeitetes Volumen von 1,6 Milliarden Euro, an dem 64 Marktteilnehmer beteiligt waren. Seit dem Jahr 2021 wurden zudem bereits DLT-basierte Instrumente im Gesamtwert von 4 Milliarden Euro emittiert.

Projektstart für Pontes im September 2026

Um die technische Verbindung zwischen den bestehenden Zahlungssystemen und neuen DLT-Plattformen zu institutionalisieren, steht die EZB unmittelbar vor dem Start eines neuen Vorhabens. Das sogenannte Projekt Pontes soll am 1. September 2026 offiziell beginnen.

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Ziel des Projekts ist die Synchronisation des europäischen Zahlungssystems TARGET mit externen DLT-Plattformen, um eine reibungslose Abwicklung von Transaktionen in einer hybriden Infrastruktur zu gewährleisten.

Hinsichtlich der langfristigen Architektur stehen laut Schnabel derzeit zwei Modelle zur Diskussion. Einerseits werde die Schaffung eines einheitlichen europäischen Ledgers geprüft, andererseits die Verknüpfung mehrerer spezialisierter Ledger-Systeme. Ein detaillierter Blueprint für einen vollständig tokenisierten Markt soll unter dem Projektnamen Appia bis zum Jahr 2028 vorliegen.

Forschungsphase und Ausblick

Trotz der klaren strategischen Ausrichtung betonte Isabel Schnabel am 30. August 2026, dass es derzeit noch keine konkreten Implementierungsdaten oder finalen Zeitpläne für eine flächendeckende Einführung gebe. Die EZB befinde sich weiterhin in einer intensiven Explorationsphase.

Parallel dazu werde die Forschung an einem digitalen Euro für Endverbraucher unabhängig von den Großhandels-DLT-Projekten fortgeführt. Die kommenden Monate sollen dazu dienen, die technischen Anforderungen und die Auswirkungen auf die Geldpolitik weiter zu evaluieren, bevor verbindliche Entscheidungen über die künftige Marktstruktur getroffen werden.

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