Projekt Flare: CERN und Mistral AI trainieren KI mit Milliarden Kollisionen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 15:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Europäische Kernforschungszentrum CERN und das KI-Unternehmen Mistral AI bündeln ihre Kräfte in der Grundlagenforschung. Beide Partner haben am 15. Oktober 2026 eine Absichtserklärung für eine langfristige strategische Partnerschaft unterzeichnet. Im Zentrum der Kooperation steht die Entwicklung eines sogenannten Large Physics Model. Nach Angaben des CERN soll damit das erste Foundation Model für die Kollisionsphysik entstehen.
Die strategische Allianz verfolgt das Ziel, generative KI-Modelle tief in die Hochenergiephysik zu integrieren. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit zwischen der europäischen Großforschungseinrichtung und dem französischen Technologieunternehmen die technologische Souveränität Europas stärken.
Projekt Flare nutzt Kollisionsdaten statt Texte
Das geplante Basismodell trägt den Projektnamen Flare. Während gängige Sprachmodelle auf riesigen Textmengen aufbauen, unterscheidet sich die Datengrundlage des neuen Modells grundlegend: Flare ist zwar ähnlich aufgebaut wie ein Large Language Model, wird jedoch mit Daten aus Teilchenkollisionen trainiert. Als Trainingsmaterial dienen Milliarden simulierter Proton-Proton-Kollisionen des Large Hadron Collider (LHC).
In der praktischen Anwendung soll das Modell aus den Detektorsignalen am CERN relevante Ereignisse herausfiltern. Die KI ist darauf ausgelegt, physikalische Kollisionen zu rekonstruieren, Teilchen präzise zu identifizieren, unerwartete Signale zu markieren und künftige Detektordesigns zu bewerten. Zudem soll Flare einige spezialisierte Algorithmen ersetzen, die bislang für die Rekonstruktion und Identifikation von Teilchen eingesetzt werden.
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Bewältigung wachsender Datenmengen am LHC
Für die Forschungsinfrastruktur am CERN ist der Einsatz neuartiger Softwaremodelle von strategischer Bedeutung. Das Forschungszentrum hält derzeit rund 1 Exabyte – umgerechnet 1 Million Terabyte – an LHC-Daten. Diese Datenmenge wird in absehbarer Zeit noch drastisch anwachsen: Mit der Inbetriebnahme des High-Luminosity Large Hadron Collider (HL-LHC) um das Jahr 2030 soll sich das Kollisionsvolumen um das Zehnfache erhöhen.
Enrica Porcari, IT-Chefin des CERN, erklärte mit Blick auf die Kooperation, dass die Hochenergiephysik eine einzigartige Umgebung für die KI-Entwicklung biete, die von außergewöhnlicher Strenge geprägt sei. Johannes Brandstetter, bei Mistral als Vice President für den Bereich künstliche Intelligenz im Engineering verantwortlich, betonte wiederum die Chance, mithilfe des Modells die bestehenden Grenzen der Hochenergiephysik zu verschieben.
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Das Vorhaben ist als reines Forschungsprogramm konzipiert und stellt kein marktreifes Produkt dar. Für das Projekt wurden bislang weder ein finanzielles Budget noch ein konkreter Liefertermin genannt.
