Project Solara: Microsoft stellt KI-Agenten-Plattform vor
16.06.2026 - 14:36:14 | boerse-global.de
Der Softwarekonzern kündigt mit Project Solara eine neue Plattform an, die auf autonome KI-Assistenten setzt – und stellt das klassische App-Modell infrage.
Microsoft hat mit Project Solara eine neue Plattform vorgestellt, die speziell für Geräte mit KI-Agenten entwickelt wurde. Die Systeme nutzen eine angepasste Android-Version namens Microsoft Device Ecosystem Platform (MDEP). Darauf laufen autonome Assistenten, die Aufgaben über verschiedene Dienste hinweg erledigen können.
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Der Schritt markiert einen strategischen Wandel in der Benutzeroberflächen-Gestaltung. Microsofts Führung sieht in KI-Agenten den Nachfolger des App-basierten Modells, das die Computerwelt seit über einem Jahrzehnt dominiert. Statt die Hardware selbst zu verkaufen, verlässt sich Microsoft auf Referenzdesigns für Dritthersteller.
Zwei Referenzgeräte und leistungsstarke KI-Modelle
Das Project-Solara-Ökosystem umfasst derzeit zwei Haupt-Referenzgeräte. Das erste ist ein tragbares Badge mit Kamera, Fingerabdruckscanner und Qualcomm-Prozessor. Das zweite ist ein Desktop-Gerät ähnlich einem Smart Display, das Gesichtserkennung bietet und auf MediaTek-Hardware läuft.
Auf der Softwareseite wird die Plattform von neuen KI-Modellen unterstützt. Dazu gehört MAI-Thinking-1, ein Modell mit rund 35 Milliarden aktiven Parametern und einem Kontextfenster von 256.000 Tokens. Microsoft integriert zudem Agenten-Funktionen in bestehende Entwickler-Tools, darunter das experimentelle Intelligent Terminal 0.1 und einen speziellen „Autopilot"-Agenten für Microsoft 365 namens Microsoft Scout.
Große Unternehmen steigen ein
Mehrere Großkonzerne haben sich bereits zu Pilotprogrammen für die Solara-Plattform verpflichtet. Dazu gehören Einzelhandels- und Dienstleistungsriesen wie Best Buy, CVS Health, Levi's und Target sowie der Wetterdienst AccuWeather. Diese Partner untersuchen, wie spezielle Agenten-Hardware Abläufe oder Kundeninteraktionen optimieren kann.
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Der Trend wird von anderen Branchengrößen bestätigt. Qualcomm-CEO Cristiano Amon erklärte in einem Interview, dass KI-Agenten irgendwann Apps, App-Stores und klassische Betriebssysteme als primäre Nutzerschnittstelle ersetzen könnten. Qualcomm arbeitet derzeit an rund 40 verschiedenen KI-gestützten Geräten – von Smartphones und PCs bis zu Smart Glasses und Wearables.
Nadella warnt vor Machtkonzentration
Microsoft-CEO Satya Nadella warnte in einer Rede vor der Machtkonzentration bei wenigen KI-Anbietern. Er forderte Organisationen auf, eigene „Lernschleifen" zu entwickeln, um institutionelles Wissen in KI-Systemen zu verankern – statt sich nur auf externe Basismodelle zu verlassen.
Nadella betonte die Bedeutung des Aufbaus von „Token-Kapital", also internen KI-Fähigkeiten, neben dem traditionellen Humankapital. Dieser Ansatz soll ein breiteres Ökosystem von KI-Spitzentechnologien fördern, statt eines, das von einem einzigen Modell dominiert wird.
Wann die ersten Consumer-Geräte auf Basis der Referenzdesigns auf den Markt kommen und was sie kosten werden, ließ Microsoft offen. In einer weiteren Ankündigung teilte der Konzern mit, dass der Microsoft Planner Agent ab Mitte Juni 2026 für Microsoft 365 Copilot-Nutzer allgemein verfügbar sein wird – mit einem Modus, der KI-generierte Pläne bis zur Finalisierung privat hält.
