Project Kilby: Microsoft sichert sich 20 Jahre Strom aus Gaskraftwerk
22.06.2026 - 23:48:59 | boerse-global.de
Für 20 Jahre sichert sich Microsoft Strom aus einem eigenen Gaskraftwerk – ein Milliardendeal mit Chevron.
Der Technologieriese und der Ölkonzern haben einen langfristigen Stromabnahmevertrag für ein gewaltiges KI-Rechenzentrum in West-Texas geschlossen. Das Projekt trägt den Codenamen „Project Kilby" und umfasst den Bau eines eigenen Erdgaskraftwerks, um den enormen Energiehunger der künstlichen Intelligenz zu stillen.
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Gigantische Dimensionen im Permian Basin
Die Anlage soll eine Kapazität von rund 2,67 Gigawatt bereitstellen – das ist eine der größten Einzelstandort-Erweiterungen in der Geschichte Microsofts. Standort ist das Permian Basin nahe der Stadt Pecos, eine Region, die für ihre reichen Erdgasvorkommen bekannt ist.
Das Kraftwerk wird als sogenannte „Behind-the-Meter"-Anlage betrieben, also unabhängig vom öffentlichen Stromnetz. Eine spätere Anbindung an das regionale Netz ist jedoch möglich. Zum Einsatz kommen Turbinen von GE Vernova und Solar Turbines, einer Tochter des Baumaschinenkonzerns Caterpillar.
Umwelttechnik als Zugeständnis
Um Umweltauflagen zu erfüllen, setzt das Projekt auf Selektive Katalytische Reduktion (SCR) zur Minderung von Stickoxid-Emissionen. Zudem kommen geschlossene Kühlsysteme zum Einsatz, die mit Brackwasser oder nicht trinkbarem Wasser betrieben werden – eine wichtige Maßnahme in der wasserarmen Region.
Zeitplan und finanzielle Dimensionen
Die endgültige Investitionsentscheidung soll bis Ende 2026 fallen, die erste Stromlieferung ist für 2028 geplant. Der Bau des Kraftwerks wird auf rund 7 Milliarden Euro geschätzt. Microsoft selbst investiert über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren einen Milliardenbetrag in den Rechenzentrums-Campus in Pecos.
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Chevron entwickelt das Projekt über seine Tochter Energy Forge One LLC zusammen mit Engine No. 1, die eine option auf 50 Prozent der Anteile hält. Die Renditeerwartungen liegen laut Chevron-Führung im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich.
Strategischer Wandel: Tech-Konzerne setzen auf fossile Energie
Der Deal unterstreicht einen wachsenden Trend: Technologieunternehmen sichern sich zunehmend fossile Energiequellen, um die Zuverlässigkeit ihrer KI-Operationen zu gewährleisten. Microsoft betont die Notwendigkeit schnell skalierbarer Energieinfrastruktur für die nächste KI-Entwicklungswelle. Chevron wiederum nutzt seine traditionellen Stärken im Permian Basin, um die neue Nachfrage aus der Hightech-Branche zu bedienen.
Wirtschaftliche Effekte für Texas
Das Projekt wird die texanische Wirtschaft massiv beflügeln. Prognosen gehen von mehr als 10 Milliarden Euro Steuereinnahmen über die gesamte Laufzeit aus. Rund 2.000 Arbeitsplätze sollen direkt entstehen, beim Bau des Rechenzentrums-Campus werden über 6.000 temporäre Stellen und Hunderte Dauerpositionen erwartet.
Der Deal fällt in eine Phase massiv steigender Investitionen bei Microsoft. Allein im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 gab der Konzern umgerechnet rund 28 Milliarden Euro für Investitionen aus – ein Anstieg von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die gesamten geplanten Investitionsausgaben für 2026 belaufen sich auf schätzungsweise 175 Milliarden Euro.
