Project Glasswing: 10.000 Sicherheitslücken in kritischer Infrastruktur entdeckt
03.06.2026 - 17:46:34 | boerse-global.de
Das KI-Unternehmen Anthropic weitet sein Sicherheitsprogramm Project Glasswing massiv aus – und bereitet parallel den Börsengang vor.
Rund 150 neue Organisationen aus über 15 Ländern erhalten ab sofort Zugang zum Claude Mythos-Modell, wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab. Die Ausweitung kommt nur zwei Tage, nachdem Anthropic am 1. Juni 2026 vertraulich einen Börsenantrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hatte. Insidern zufolge wird das Unternehmen dabei mit über einer Billion Euro bewertet.
Kritische Infrastruktur im Fokus
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Mit der Expansion steigt die Zahl der teilnehmenden Organisationen auf rund 200. Die neuen Partner kommen überwiegend aus kritischen Infrastrukturbereichen: Energieversorgung, Wassersysteme, Gesundheitswesen, Telekommunikation und Hardwareproduktion.
Geografisch erstreckt sich die Initiative nun über Indien, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Südkorea und Neuseeland. In Südkorea bestätigte das Ministerium für Wissenschaft und IKT die Teilnahme der Korea Internet & Security Agency (KISA). Auch die NATO und die EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) sind mit an Bord.
Auf Unternehmensseite stoßen unter anderem Samsung, SK Hynix, SK Telecom, Okta sowie die Finanzinstitute JPMorganChase, Euroclear, Swift und die Intercontinental Exchange hinzu.
Zehntausende Schwachstellen entdeckt
Die ersten Partner des Programms – darunter Amazon, Google, Nvidia, Apple, Microsoft, CrowdStrike und Palo Alto Networks – haben eigenen Angaben zufolge bis Ende Mai bereits über 10.000 hoch- oder kritisch schwere Sicherheitslücken identifiziert. Anthropic nutzt diese Partnerschaften, um Schwachstellen in sensiblen Systemen zu finden, bevor die Technologie breiter verfügbar wird.
Das Unternehmen betont, dass die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen für eine vollständige öffentliche Freigabe des Mythos-Modells noch nicht entwickelt seien. Ein erfolgreicher Großangriff auf kritische Infrastruktur könnte nach Schätzung von Anthropic mehr als 100 Millionen Menschen betreffen.
Trotz der aktuellen Beschränkungen rechnet das Unternehmen damit, dass andere KI-Entwickler innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate vergleichbare Modelle auf den Markt bringen werden.
Wettbewerb und Auslassungen
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Die Ausweitung von Project Glasswing zeigt auch die Wettbewerbsdynamik im Bereich spezialisierter KI-Sicherheit. Während mehrere indische Organisationen aus Cybersicherheit und Finanzdienstleistungen Zugang erhielten, bleiben einige prominente Akteure außen vor.
Auffällig: Mehrere große britische Banken wie HSBC und Lloyds wurden in dieser Phase nicht berücksichtigt. Ihnen wurde stattdessen Zugang zu einem konkurrierenden Cybersicherheitsmodell angeboten – GPT-5.5 Cyber von OpenAI.
Und während die europäische ENISA dem Programm beigetreten ist, fehlt die US-Behörde für Cybersicherheit und Infrastruktursicherheit (CISA) bislang als Partner. Die Gründe dafür sind unklar.
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