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Project Agorá: 28 Banken wickeln Millionen in 80 Sekunden ab

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 12:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Stablecoins bieten im Privatkundengeschäft kaum Vorteile gegenüber klassischen Überweisungen. Institutionelle Settlement-Lösungen wie Project Agorá zeigen jedoch großes Potenzial.

Stablecoins im Check: Notenbank-Studie zeigt kaum Vorteile bei Überweisungen
Ein digitales Finanz-Dashboard, das globale Blockchain-Transaktionsströme und grenzüberschreitende Zahlungsinfrastruktur darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Hoffnungen auf günstigere und schnellere Überweisungen durch Stablecoins erhalten einen Dämpfer: Neue Studien der italienischen Zentralbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) zeichnen ein differenziertes Bild. Während die Blockchain-Technologie bei institutionellen Settlements glänzt, bleiben klassische Überweisungswege im Privatkundengeschäft oft konkurrenzfähig.

Italienische Notenbank: Kaum Vorteile bei Überweisungen

Die Bank von Italien hat am 31. Juli 2026 eine Studie veröffentlicht, die Stablecoin-Überweisungen mit herkömmlichen Zahlungswegen vergleicht. Das Ergebnis: Digitale Dollar wie USDC bieten aktuell keinen systematischen Vorteil bei Kosten oder Geschwindigkeit. Getestet wurden 200 Transaktionen über zehn Korridore zwischen Italien und Ländern wie Argentinien, Brasilien, Südafrika, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Gesamtkosten schwankten dabei erheblich – von günstigen 0,3 Prozent bis zu fast 9 Prozent. Interessant: Der reine Blockchain-Anteil der Gebühren war mit durchschnittlich 0,4 Prozent verschwindend gering. Der Löwenanteil entfiel auf die Umwandlung in Fiat-Währungen – also den Umtausch von Euro in Stablecoins und zurück. Genau diese Ein- und Ausstiegspunkte erweisen sich als Kostentreiber.

Immerhin: In den meisten Korridoren waren Stablecoin-Transfers günstiger als der globale Durchschnitt von 6,65 Prozent für Überweisungen, den die Weltbank ermittelt. Doch im direkten Vergleich mit dem digitalen Anbieter Wise schnitten die Kryptowährungen in vier von sieben Fällen schlechter ab. Auch bei der Geschwindigkeit gibt es keine Garantien: Während Überweisungen über Echtzeitsysteme wie TIPS oder Pix in unter 20 Minuten durchliefen, dauerten Transaktionen über ältere Infrastruktur ein bis zwei Werktage.

Die Botschaft der Studie ist klar: Die Effizienz von Stablecoins hängt maßgeblich von der Qualität der nationalen Zahlungssysteme und der Regulierung ab.

Projekt Agorá: Institutionelle Wunderwaffe?

Ganz anders sieht die Lage bei Großtransaktionen aus. Die BIS hat am 31. Juli 2026 den Abschluss eines Pilotprojekts für Project Agorá vermeldet – ein Test mit 28 Geschäftsbanken, darunter JPMorgan, Citi, UBS, Deutsche Bank und Standard Chartered.

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rund eine Million Dollar wurden in 30 Transaktionen über sechs Währungen bewegt – US-Dollar, Euro, britisches Pfund, japanischer Yen, Schweizer Franken und südkoreanischer Won. Durch die Nutzung eines gemeinsamen Registers für tokenisierte Zentralbankreserven und Geschäftsbankeinlagen gelang die Abwicklung in etwa 80 Sekunden. Der gleichzeitige Devisenhandel auf einer einheitlichen Plattform könnte Risiken reduzieren und die Transparenz erhöhen – ein klarer Vorteil gegenüber dem traditionellen Korrespondenzbankensystem.

Auch die Bank von Korea war beteiligt, mit fünf heimischen Instituten wie KB Kookmin und Shinhan. In einem Szenario wurde eine Überweisung von 20 Millionen Won zwischen NongHyup und Shinhan über tokenisierte Reserven abgewickelt, während KB Kookmin eine Yen-basierte Abwicklung mit MUFG durchführte.

Visa treibt Stablecoin-Strategie voran

Während die Forschung noch debattiert, bauen große Finanzdienstleister ihre Infrastruktur aus. Der Visa-CEO kündigte am 28. Juli 2026 in einem Earnings Call eine Multi-Chain-Strategie für Stablecoins an. Bereits am 16. Juli startete die Beta-Version der Visa Stablecoin Platform, die neun Blockchains unterstützt – darunter Ethereum, Solana und Avalanche.

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Die Zahlen sind beeindruckend: Das Settlement-Programm von Visa wickelt ein jährliches Volumen von sieben Milliarden Dollar ab, und über 160 Kartenprogramme mit Stablecoin-Anbindung sind entweder live oder in Entwicklung. Zudem testet Visa derzeit private Stablecoin-Abwicklungen über das Canton Network, ein genehmigungspflichtiges Register mit Partnern wie Goldman Sachs und BNP Paribas.

Neue Partnerschaften und wachsender Markt

Auch andere Akteure sind aktiv: OpenAssets und Partior schlossen am 30. Juli 2026 einen Proof of Concept für atomare Delivery-versus-Payment-Transaktionen (DvP) ab. Der Test zeigte den gleichzeitigen Austausch digitaler Vermögenswerte und tokenisierter Einlagen – gedacht für mehr Liquiditätsflexibilität bei institutionellen Nutzern. Am selben Tag kündigte das afrikanische Zahlungsnetzwerk Onafriq eine Partnerschaft mit dem Infrastrukturanbieter Privy an, um Stablecoin-Lösungen für Treasury und Settlement in regionalen Märkten einzuführen.

Der Gesamtmarkt für Stablecoins hat Ende Juli 2026 ein Volumen von rund 307 Milliarden Dollar erreicht – ein Plus von 16 Prozent im Jahresvergleich. Doch die Erkenntnisse der Bank von Italien mahnen zur Vorsicht: Damit Stablecoins im globalen Überweisungsmarkt wirklich konkurrenzfähig werden, braucht es mehr als nur eine digitale Währung. Entscheidend sind die direkte Nutzbarkeit von Stablecoins im Alltag und die Modernisierung der klassischen Fiat-Infrastruktur.

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