Prognosemärkte: US-Gericht ordnet Kalshi unter Glücksspiel-Regulierung
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 28. August 2026 fällte der 9th Circuit Court of Appeals eine richtungsweisende Entscheidung für den Markt der digitalen Prognosemärkte. Das Gericht urteilte, dass Verträge über Sportereignisse auf solchen Plattformen rechtlich als Sportwetten und nicht als Swaps einzustufen sind.
Diese Entscheidung ermöglicht es dem Nevada Gaming Control Board, nationale Glücksspielregulierungen gegen Anbieter wie Kalshi, Crypto.com und Robinhood durchzusetzen.
Rechtliche Differenzen zwischen den US-Berufungsgerichten
Mit dem einstimmigen 3:0-Urteil bestätigten die von der damaligen US-Regierung ernannten Richter eine Entscheidung der Vorinstanz. Damit wurde eine zuvor bestehende einstweilige Verfügung aufgehoben, die Nevada daran gehindert hatte, regulatorische Maßnahmen gegen Kalshi zu ergreifen.
Das Gericht legte dar, dass Kalshi voraussichtlich nicht nachweisen könne, dass der Commodity Exchange Act (CEA) die Glücksspielvorschriften des Bundesstaates Nevada für Sportverträge außer Kraft setze.
Diese Entscheidung steht im direkten Widerspruch zu einem Urteil des 3. Berufungsgerichts aus dem April des laufenden Jahres. Diese juristische Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Bezirksgerichten macht eine Überprüfung durch den Supreme Court der Vereinigten Staaten wahrscheinlich.
Ein Sprecher der Handelsaufsicht CFTC (Commodity Futures Trading Commission) erklärte bereits, dass der Fall nun für eine Entscheidung durch das höchste US-Gericht vorbereitet sei. Kalshi kündigte an, eine weitere Überprüfung des Urteils des 9th Circuit anzustreben.
Massive Strafzahlungen und Ausweitung der Rechtsstreitigkeiten
Infolge des Urteils sieht sich Kalshi in Nevada mit erheblichen finanziellen Forderungen konfrontiert. Der Bundesstaat fordert eine tägliche Strafe in Höhe von 120.000 US-Dollar aufgrund der Nichteinhaltung von Glücksspielvorschriften.
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Die juristische Situation für den Anbieter bleibt landesweit komplex: Während Gerichte in Maryland, Ohio, New York und Wisconsin ebenfalls gegen Kalshi entschieden, stellten sich Gerichte in New Jersey, Tennessee, Arizona und Minnesota in verwandten Verfahren auf die Seite des Unternehmens. Für New Jersey läuft eine Frist bis zum 3. September, um eine Petition beim Supreme Court einzureichen.
Zusätzlich zu den Verfahren in Nevada verstärkt sich der Druck aus anderen Bundesstaaten. Der Generalstaatsanwalt von Connecticut, William Tong, reichte am 27. August 2026 Klage gegen Kalshi ein, um Sportwetten auf der Plattform zu blockieren.
In der Klage wird der Vorwurf des nicht lizenzierten Sportwettens erhoben. Bereits im Februar wurde seitens der Behörden in Connecticut angeführt, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Angebote von Kalshi Sportergebnisse betreffen würden. Ähnliche Klagen wurden zudem in Washington und New York eingereicht.
Marktstimmung und regulatorische Durchsetzung
Die American Gaming Association (AGA) begrüßte das Urteil des Berufungsgerichts ausdrücklich. An den Aktienmärkten löste die Entscheidung positive Reaktionen bei den etablierten Glücksspielkonzernen aus. Die Papiere von DraftKings verzeichneten ein Plus von 7 Prozent, während die Anteile von Flutter um 6 Prozent stiegen.
Parallel zur grundsätzlichen Einordnung der Verträge geht die CFTC verstärkt gegen Manipulationen und Insiderhandel auf Prognosemärkten vor. Am 28. August 2026 verhängte die Behörde eine Geldstrafe gegen Gabriel Perez, einen ehemaligen Teleprompter-Bediener des Weißen Hauses.
Ihm wird vorgeworfen, durch den vorzeitigen Zugang zu Reden des früheren Präsidenten Handelsvorteile auf Kalshi erlangt zu haben. Die Strafe beläuft sich auf insgesamt 172.539 US-Dollar, bestehend aus der Rückzahlung von Gewinnen in Höhe von 107.539,02 US-Dollar und einer zivilrechtlichen Strafe von 65.000 US-Dollar.
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Zudem wurde ein dreijähriges Handelsverbot für Transaktionen verhängt, die zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 stattfanden. Die Handelsaktivitäten waren zuvor durch die Überwachungssysteme von Kalshi entdeckt worden.
Bereits am 31. Juli 2026 hatte die CFTC eine erste Anordnung wegen Marktmanipulation gegen George Santos erlassen. In diesem Fall ging es um den Handel mit Verträgen zur Anwesenheit bei der State of the Union Rede im Februar 2026. Santos wurde zur Rückzahlung von 17.569,98 US-Dollar sowie einer Strafe von 17.500 US-Dollar verpflichtet und mit einem dreijährigen Handelsverbot belegt.
