Produktivität, Firmen

Produktivität: Nur 0,2% der Firmen treiben Wachstum voran

16.06.2026 - 08:49:23 | boerse-global.de

98 Prozent der Firmen haben KI-Strategien, doch die Umsetzung scheitert oft. Nur 39 Prozent steuern Projekte aktiv durch das Top-Management.

KI-Strategien in Deutschland: Zwischen Planung und Praxis
Produktivität - Geschäftsleute in einem modernen Büro, die nachdenklich auf eine holografische Anzeige mit komplexen Daten schauen und die Herausforderungen der Strategieumsetzung symbolisieren. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

98 Prozent der deutschen Unternehmen haben inzwischen eine KI-Strategie — vor zwei Jahren waren es nur 31 Prozent. Auch die Relevanz von KI sehen heute fast alle Befragten (98 Prozent), wie eine KPMG-Analyse zeigt. Doch die praktische Integration hinkt hinterher.

Wenn Strategien in der Schublade bleiben

Nur 39 Prozent der Unternehmen steuern ihre KI-Vorhaben aktiv durch das Top-Management. In der Pharma- und Life-Sciences-Branche fehlt bei fast 60 Prozent der KI-Strategien eine klare Zuständigkeit. Die Folge: 76,5 Prozent der Projekte bleiben zwischen Machbarkeitsnachweis und skalierbarer Produktion stecken. Über 64 Prozent der Befragten gaben an, dass KI noch nicht fest in den Arbeitsalltag eingebettet ist. Als technisches Hindernis nennen 67,3 Prozent fragmentierte Datenbestände.

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Die Brücke zur Praxis

Wie schließen Unternehmen die Lücke zwischen Planung und Ausführung? Der Berater Robert Bodenstein empfiehlt für KMU ein vierstufiges Verfahren: Strategielandkarte erstellen, mit der betrieblichen Realität abgleichen, in Software übertragen und durch Kennzahlen laufend pflegen.

Auch in der Cybersicherheit reicht Dokumentation allein nicht. Analysen zu Informationssicherheits-Managementsystemen zeigen: Weniger als die Hälfte der Betreiber kritischer Infrastrukturen erreicht einen Reifegrad, bei dem die Effektivität der Maßnahmen geprüft wird. Fachleute raten, den Fokus von reiner Compliance auf messbare Leistungsindikatoren zu verschieben — etwa die durchschnittliche Zeit bis zur Erkennung eines Vorfalls.

Produktivität: Eine Frage der Konzentration

Die Dringlichkeit wird durch makroökonomische Daten untermauert. Eine McKinsey-Untersuchung unter mehr als 16.000 Unternehmen zeigt eine extreme Konzentration des Fortschritts: Nur 29 Firmen — 0,2 Prozent der Gesamtzahl — treiben fast die Hälfte des deutschen Produktivitätswachstums voran. Der DIHK-Stimmungsindex fiel von 95,9 auf 88,1 Punkte. Während 34 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen kürzen wollen, planen nur 23 Prozent eine Erhöhung.

Im Maschinenbau ist der Druck besonders hoch. Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen rechnet damit, die Technologieführerschaft an das Ausland zu verlieren. Fast alle Befragten nehmen starken Wettbewerbsdruck durch China auf dem europäischen Markt wahr. Die Reaktion: 86 Prozent investieren verstärkt in Software und IT, 73 Prozent versuchen, ihre Innovationszyklen zu beschleunigen.

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Chemie und Energie: Umbau unter Druck

Großkonzerne reagieren mit strukturellen Veränderungen. Evonik bündelt seine Forschungsprogramme für die Marktreife in einer sogenannten Innovation Factory. Ziel: bis 2032 einen Zusatzumsatz von 1,5 Milliarden Euro. Künftig arbeiten zwei Drittel der Forscher direkt in den operativen Geschäftsbereichen, um die Marktnähe zu erhöhen.

In der Energiewirtschaft ist der Wille da — 90 Prozent der Unternehmen streben eine Elektrifizierung bis 2035 an. Doch der?? Rahmen wird kritisch gesehen. 78 Prozent der deutschen Firmen bemängeln das Tempo der Regierung unter Kanzler Merz. 70 Prozent warnen vor einem Rückstand bei den Investitionen in die Netzinfrastruktur.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies kritisierte Mitte Juni, dass der Bundesregierung ein klares Zielbild für ihre Reformen fehle. Er forderte einen engeren Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft, um die notwendige Aufbruchstimmung für das angestrebte Wirtschaftswachstum zu erzeugen.

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