Produktivität, Rettung

Produktivität: Deutsche Wirtschaft wächst nur 0,4% – KI soll Rettung sein

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 21:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Experten setzen auf Multifokus statt Multitasking. KI-Assistenten und psychologische Modelle sollen die Effizienz steigern.

Multifokus und KI: Neue Strategien für mehr Produktivität
Produktivität: Deutsche Wirtschaft wächst nur 0,4% – KI soll Rettung sein Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Ineffizienz von Multitasking ist eine der Hauptursachen für gescheiterte Projekte. Das Beratungshaus VISTEM macht dafür vor allem unklare Prioritäten und mangelhafte Steuerung verantwortlich. Experte Uwe Techt empfiehlt Methoden wie das Critical Chain Projektmanagement und die Theory of Constraints. Sie sollen Abläufe beschleunigen und den Fokus auf kritische Aufgaben lenken.

Multifokus statt Multitasking

Parallel dazu diskutiert die Fachwelt das Konzept des „Multifokus“. Statt mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, wechseln Anwender bewusst zwischen verschiedenen Themenbereichen. Das Ziel: Prioritäten klar definieren und die Qualität der Ergebnisse sichern.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Der Neurowissenschaftler Henning Beck beschreibt das „Shiny Object Syndrome“ – die menschliche Tendenz, neue Projekte enthusiastisch zu starten, aber selten abzuschließen. Sein Gegenmittel: das Rubikonmodell. Ein neuer Arbeitsschritt ist erst erlaubt, wenn ein definierter Meilenstein des vorherigen Projekts erreicht wurde.

Die Kunst des Aufhörens

Dr. Johanna Dahm geht in ihrem Buch „Aufhören – Die schwerste Entscheidung überhaupt“ noch einen Schritt weiter. Sie betont: Bewusstes Beenden ist keine Schwäche. Es erfordert Mut, unproduktive Pfade zu verlassen und Kapazitäten für Wesentliches freizusetzen.

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KI als Produktivitätstreiber

Die deutsche Produktivität wuchs laut Institut der deutschen Wirtschaft in fünf Jahren nur um durchschnittlich 0,4 Prozent pro Jahr. Trotzdem setzen Unternehmen große Hoffnungen in Künstliche Intelligenz. In Umfragen von DIHK und Bitkom aus dem Jahr 2026 bezeichnen über 80 Prozent der Befragten KI als wichtigste Technologie und zentralen Produktivitätstreiber.

Konkrete Beispiele gibt es bereits. Der Anbieter Anthropic weitete Anfang Juli den Zugang zu Claude Cowork auf Web und Mobilgeräte aus. Interne Nutzungsdaten zeigen: Rund 90 Prozent der Sitzungen entfallen auf allgemeine Wissensarbeit, nur 8,7 Prozent auf Programmierung. Siemens plant ehrgeizig, die Produktivität innerhalb von drei Jahren um 20 Prozent zu steigern. Gartner prognostiziert: Ab 2028 müssen weltweit täglich 150.000 Arbeitsplätze neu definiert werden.

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Demografischer Wandel als Treiber

Die Diskussion um Fokus und Effizienz findet vor einem tiefgreifenden Wandel statt. Beim „Meeting Mittelstand“ im Juli 2026 in Bielefeld diskutierten Experten wie Nico Lüdemann und Dr. Inga Knoche über die Herausforderungen durch das Ausscheiden der Babyboomer. Ihre Lösung: digitale Organisationsmodelle und kontinuierliche Kompetenzentwicklung.

Ein weiterer Faktor ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Der Rücktritt der Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Sabrina Hoffmann, im Juli 2026 machte die Problematik mangelnder Unterstützungssysteme für Führungskräfte mit familiären Verpflichtungen deutlich. Ohne strukturelle Unterstützung, so die Experten, können individuelle Fokus-Strategien nicht nachhaltig wirken.

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