Prevotella, Zungenbakterium

Prevotella histicola: Zungenbakterium hängt mit schnelleren Reaktionen zusammen

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 00:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung mit 60 Erwachsenen verknüpft bestimmte Zungenkeime mit kognitiven Messwerten, belegt aber keine Ursache-Wirkung.
Ein steriles Laborumfeld mit einer Petrischale auf einem weißen Untergrund, das wissenschaftliche Forschung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft im menschlichen Körper steht seit Jahren im Fokus neurologischer und gerontologischer Fragestellungen.

Eine im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von Joanna E. L'Heureux von der University of Exeter liefert nun differenzierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen spezifischen Zungenbakterien und kognitiven Funktionen.

Gemeinsam mit Forschungspartnern der Vrije Universiteit Brussel und der Université libre de Bruxelles analysierte das Team Daten von insgesamt 60 gesunden Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich und Belgien. Die Kohorte umfasste pro Land jeweils 15 jüngere Probanden im Alter von rund 20 Jahren sowie 15 ältere Personen zwischen 60 und 70 Jahren.

Testverfahren und mikrobiologische Auffälligkeiten

Um mögliche Zusammenhänge zwischen Mundflora und Gehirnleistung zu erfassen, wurden Zungenabstriche, Blut- und Speichelproben sowie Blutdruckmessungen ausgewertet. Zudem absolvierten die Probanden standardisierte kognitive Tests, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Emotionserkennung und Verarbeitungsgeschwindigkeit prüften.

Zur Vermeidung von Verzerrungen schlossen die Wissenschaftler Personen mit Mundkrankheiten, Raucher sowie Teilnehmende mit kürzlicher Einnahme von Antibiotika von der Studie aus.

Die Auswertungen zeigten bei einzelnen Bakterienarten charakteristische Muster. Eine höhere Abundanz des Bakteriums Prevotella histicola ging in beiden Ländern mit schnelleren Reaktionszeiten in ausgewählten kognitiven Aufgaben einher.

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Bei Haemophilus parainfluenzae traten hingegen länderspezifische Unterschiede auf: In Belgien war ein höheres Vorkommen mit schnelleren Reaktionen bei der Emotionserkennung und beim visuellen Lernen sowie einer höheren Genauigkeit im Arbeitsgedächtnis assoziiert.

In der britischen Gruppe verhielten sich die Probanden bei der Emotionserkennung dagegen langsamer, erzielten jedoch schnellere Resultate beim abstrakten Zuordnen, beim logischen Schlussfolgern, in der Raumwahrnehmung und bei der Linienorientierung.

Altersbedingte Verschiebungen und physiologische Mechanismen

Insgesamt unterschieden sich 17 Bakterienarten zwischen den beiden Altersgruppen signifikant voneinander. Bakterien der Gattungen Treponema und Tannerella, die mit Parodontalerkrankungen in Verbindung gebracht werden, traten bei den älteren Teilnehmenden beider Länder häufiger auf. Das nitratreduzierende Bakterium Neisseria flavescens fand sich hingegen verstärkt bei den jüngeren Probanden.

Gleichzeitig wies das Alter den stabilsten Zusammenhang mit der geistigen Leistung auf. Ältere Teilnehmende erreichten sowohl im Vereinigten Königreich als auch in Belgien geringere Werte und zeigten langsamere Reaktionen bei der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit sowie in Gedächtnistests.

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Als biologischen Wirkmechanismus führt das Studienteam den Stoffwechsel von Nahrungskomponenten an. Zungenbakterien sind in der Lage, über die Ernährung aufgenommenes Nitrat in Nitrit umzuwandeln, aus dem im Körper Stickstoffmonoxid entsteht. Dieses Molekül wirkt gefäßerweiternd und kann die Hirndurchblutung regulieren, was sich auf kognitive Abläufe auswirken könnte.

Grenzen der bisherigen Befunde

Die Autoren betonen den explorativen Charakter der Ergebnisse. Mit 60 Teilnehmern bewegt sich die Stichprobe auf einem vergleichsweise geringen Niveau. Zudem wurden Einflussfaktoren wie die individuelle Ernährung, Schlafgewohnheiten und körperliche Aktivität in der Untersuchung nicht kontrolliert.

Die statistischen Zusammenhänge belegen daher Korrelationen, erlauben jedoch keine Rückschlüsse auf ursächliche Wirkungszusammenhänge zwischen einzelnen Mundkeimen und der kognitiven Leistungsfähigkeit.

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de | wissenschaft | 70351808 |