Preiskampf im Einzelhandel: Aldi senkt ab 24. Juni Wurstwaren
22.06.2026 - 13:53:13 | boerse-global.de
Die Lage ist angespannt: 74 Prozent der Kaufentscheidungen hängen laut einer aktuellen Befragung vom Preis ab. Jeder sechste Händler sieht seine Existenz bedroht.
Discounter senken die Preise
Aldi reagiert als Erster: Ab dem 24. Juni senkt der Discounter die Preise für Wurstwaren dauerhaft. Es ist bereits die neunte Preissenkungsrunde in diesem Jahr. Der Marktanteil des Unternehmens im Lebensmitteleinzelhandel liegt in der ersten Jahreshälfte 2026 bei über 12 Prozent.
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Lidl zieht nach: Seit dem 20. Juni sind verschiedene Markenkaffees um bis zu 10 Prozent günstiger.
Doch nicht nur der Markt macht Druck. Auch die Gerichte verschärfen die Regeln für Rabattwerbung. Das Landgericht Heilbronn entschied Anfang Juni: Preisnachlässe dürfen nicht als Aktion beworben werden, wenn der Referenzpreis nur eine unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers ist, die der Händler nie selbst verlangt hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – könnte aber die Werbestrategien der Branche nachhaltig verändern.
Steuerreform: Entlastung für Bürger und Unternehmen?
Auf politischer Ebene zeichnen sich weitreichende Pläne ab. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plant ein Paket unter den Titeln „Bürgernahe Einkommensteuer“ und „Vereinfachte Unternehmensteuer“. Vorgesehen ist unter anderem die Zusammenlegung verschiedener Pauschalen – etwa für Fahrtkosten und Homeoffice – zu einer einheitlichen Arbeitstagspauschale. Ziel: eine Entlastung zwischen 10 und 20 Milliarden Euro. Ein konkretes Reformpaket soll bis zum 1. Juli geschnürt werden.
Mehrwertsteuer: Rürup sorgt für Diskussionen
Der Ökonom Prof. Bert Rürup bringt eine grundlegende Umgestaltung der Mehrwertsteuer ins Spiel. Sein Vorschlag: Der Regelsatz steigt von 19 auf 22 Prozent, der ermäßigte Satz sinkt von 7 auf 5 Prozent. Die Mehreinnahmen von geschätzt 40 Milliarden Euro sollen niedrigere Einkommen- und Körperschaftsteuern finanzieren.
Kanzler Merz zeigt sich offen für solche Überlegungen. Die CSU hingegen lehnt eine Mehrwertsteuererhöhung klar ab.
Gastronomie und Tabak: Neue Belastungen?
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer fordert die Rücknahme der reduzierten Mehrwertsteuer von 7 Prozent in der Gastronomie. Die Maßnahme koste den Staat jährlich rund 3,4 Milliarden Euro – und profitierten würden vor allem große Fast-Food-Ketten. Das Gastgewerbe steckt ohnehin in der Krise: Im April 2026 lag der reale Umsatz 7,1 Prozent unter dem Vorjahr, die Insolvenzen erreichten einen Höchststand.
Zur Stabilisierung des Bundeshaushalts plant die Regierung zudem eine stufenweise Erhöhung der Tabaksteuer ab dem 1. Januar 2027. Bis 2030 sollen die jährlichen Mehreinnahmen auf 3,6 Milliarden Euro steigen. Prognosen zufolge könnte eine Packung Zigaretten dann rund 11,40 Euro kosten.
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Minijobs: Zündstoff für die Arbeitsmarktpolitik
Ein weiterer Streitpunkt: Die Rentenkommission schlägt vor, Minijobs abzuschaffen – künftig sollen nur noch Schüler geringfügig beschäftigt sein dürfen. Ziel ist die Vermeidung von Altersarmut. Die Gewerkschaften unterstützen den Vorschlag.
Der Handelsverband HDE warnt hingegen vor dem Wegfall Hunderttausender Stellen. Allein im Einzelhandel arbeiten rund 800.000 Minijobber. CSU-Chef Markus Söder spricht sich gegen die Abschaffung aus – und fordert stattdessen eine Kürzung der Bürgergeld-Regelsätze auf das verfassungsrechtliche Minimum.
