Prävention, Milliarden

Prävention spart Milliarden: 60 Mrd. Euro durch Bewegung adressierbar

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 15:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Gesundheitsausgaben und Fehlzeiten erhöhen den Reformdruck, während Studien die biologischen Effekte regelmäßiger Bewegung belegen.

Prävention und Bewegung: Milliardenpotenzial für Kassen und Unternehmen
Ein sonnendurchfluteter Waldweg in einem dichten Nadelwald, der für Bewegung und präventive Gesundheit steht. Illustration mit AI erstellt.

Regelmäßige körperliche Aktivität und gezielte Prävention rücken zunehmend in den Fokus wirtschaftlicher und gesundheitspolitischer Debatten. Angesichts steigender Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung und wachsender Fehlzeiten in Unternehmen verweisen Fachleute darauf, dass präventives Training erhebliche Summen einsparen und chronischen Erkrankungen wirksam vorbeugen könnte.

Finanzierungsdruck bei den Kassen und teure Ausfalltage

Die wirtschaftlichen Belastungen im Gesundheitssystem nehmen spürbar zu. Die Leistungsausgaben der Krankenkassen stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 7,4 Prozent. Bereits im Jahr 2024 verzeichnete die gesetzliche Krankenversicherung ein Defizit von über 10 Milliarden Euro.

Ohne Gegenmaßnahmen droht nach Berechnungen einer Expertenkommission der Bundesregierung ein Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro im Jahr 2027 sowie rund 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Dieselbe Kommission legte ein Paket von 66 Maßnahmen vor, mit dem im kommenden Jahr Einsparungen von rund 42 Milliarden Euro möglich seien, und empfahl höhere Steuern auf Tabak, Alkohol sowie zuckerhaltige Getränke.

Auch für die Gesamtwirtschaft entstehen hohe Belastungen: Laut Daten der DAK stiegen die Fehlzeiten im Jahr 2024 um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei ein einzelner Ausfalltag Unternehmen zwischen 300 und 600 Euro kostet.

Reformbedarf bei Prävention und Rehabilitation

Der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, bezifferte das Volumen der jährlichen Krankheitskosten, die durch gezielte Prävention adressierbar sind, auf 60 Milliarden Euro und mahnte Korrekturen bei Reformvorhaben an. Zudem ist ab 2028 eine Steuer auf zuckerhaltige Softdrinks geplant.

Im Bereich der Rehabilitation sieht das Bundesministerium für Gesundheit erhebliche Reserven. Dr. Martin Schölkopf aus dem Ministerium erklärte am 16. September 2026, das Rehabilitationspotenzial liege bei mindestens 10 Prozent, während die tatsächliche Quote lediglich 2 Prozent betrage.

Aus diesem Grund solle die Beweislast bei der Rehabilitation umgekehrt und die Beratung nach Paragraph 37 Absatz 3 des elften Sozialgesetzbuches präventiver ausgerichtet werden.

Molekulare Effekte von Ausdauer- und Krafttraining

Dass sportliche Betätigung tiefgreifende biologische Schutzmechanismen auslöst, belegen wissenschaftliche Untersuchungen. Eine im August 2026 im Fachjournal Cell Reports Medicine erschienene Studie der Rockefeller University verglich zehn Männer nach Intervallsprints mit neun Männern nach einer moderaten 90-minütigen Radfahrt.

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Nach den kurzen Sprints veränderten sich 714 von 2.884 untersuchten Proteinen sowie 203 Metaboliten, während nach der moderaten Einheit nur sieben Proteine und 31 Metaboliten reagierten. Von 33 gesundheitsrelevanten Proteinen, die anhand von 53.026 Teilnehmenden der UK Biobank definiert wurden, veränderten sich 32 nach den Sprints.

Eine internationale Studie unter Beteiligung der Universität Gießen zeigte zudem, dass regelmäßiges Ausdauertraining die Aktivität natürlicher Killerzellen bei älteren Erwachsenen stärkt. Diese Zellen weisen eine höhere Stoffwechselaktivität auf, bleiben auch bei gestörten Signalwegen funktionsfähig und können den Prozess der Immunoseneszenz verlangsamen.

Bewegungsempfehlungen gegen sitzende Lebensweisen

Der Bedarf an Bewegung steht im Kontrast zum Alltag vieler Beschäftigter. Laut dem DKV Report arbeiteten 46 Prozent der Menschen hauptsächlich im Sitzen, im Schnitt elf Stunden am Tag. Fachleute raten als Faustregel zu einer kurzen Bewegungsrunde alle 70 bis 90 Minuten.

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Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV, betont, dass bereits 150 Minuten körperliche Aktivität pro Woche genügen, um Krankheiten wie Diabetes, Osteoporose, Alzheimer, Depressionen und Knochenbrüchen vorzubeugen.

Sportwissenschaftler Ludwig Rappelt von der Deutschen Sporthochschule Köln verweist auf die Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation: Mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche kombiniert mit zwei Einheiten Krafttraining sichern die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben kraftvoll und ohne übermäßige Erschöpfung zu bewältigen. Die Personal Trainerin Jana Glanninger hebt zudem hervor, dass ein sichtbares Sixpack keineswegs als Maßstab für einen fitten Körper herhalten könne.

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