Prävention: Kontrollierte Risiken senken Herzinfarkte um 40%
Veröffentlicht am: 03.07.2026 um 04:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Initiative zielt darauf ab, Prävention schwerer Erkrankungen bereits im Kindesalter zu verankern.
Prävention gegen Herzinfarkt und Schlaganfall
Ein zentrales Argument: Die gezielte Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Rauchen könnte kardiovaskuläre Todesfälle um 30 bis 40 Prozent senken. Das erklärte Uwe Janssens, Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am gestrigen Donnerstag.
Die Forderung sieht vor, das Fach bereits ab der Grundschule verpflichtend einzuführen. Das passt zu den Plänen der Bundesregierung für eine gesetzliche Infarktvorsorge.
Dr. Jan K. Hennigs vom YEARS Medical Center Berlin verwies Anfang Juli darauf, dass eine konsequente Prävention – fokussiert auf die „Big Five“ Übergewicht, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Cholesterin – mehr als zehn gesunde Lebensjahre ermöglichen könnte. Auch die Aufklärung über Lipoprotein(a) spiele eine wesentliche Rolle.
Riesige Lücke zwischen Vorsorge und Behandlung
Die wirtschaftliche Diskrepanz ist enorm. Auf dem Hauptstadtkongress in Berlin am 24. Juni wurde deutlich: 2023 flossen lediglich 8,49 Euro pro Patient in die Vorsorge. Die durchschnittlichen Behandlungskosten lagen bei 4.126 Euro.
Laut Dr. Gerd Wirtz verlieren Männer statistisch 18 und Frauen 15 Lebensjahre durch vermeidbare gesundheitliche Defizite. Andrea Galle mahnte auf dem Kongress, den Begriff Longevity nicht rein marktstrategisch zu nutzen. Dr. Ellis E. Huber betonte die Bedeutung stabiler sozialer Rahmenbedingungen für erfolgreiche Gesundheitsförderung.
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Schulen machen es vor
Dass Gesundheitswissen im Schulalltag funktioniert, zeigen Pilotprojekte. Am 1. Juli organisierte das Katholische Klinikum Bochum mit einem Gymnasium den Aktionstag „Gesunde Schule“. Über 120 Fünftklässler erhielten praktische Einblicke in Ernährung und Bewegung.
Bereits Mitte Juni fanden am Gymnasium Große Schule in Wolfenbüttel die fünften „Mental Health Days“ statt. In über 30 Workshops beschäftigten sich Zehntklässler mit Stressbewältigung, Fitness und psychischer Gesundheit. Finanziert wurde die Initiative durch regionale Unterstützer und eine Elternhilfskasse.
Politische Hürden und Streit um Krankschreibungen
Trotz breiter Zustimmung für mehr Prävention warnen Branchenvertreter vor gesetzlichen Hindernissen. Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) appellierte am 1. Juli an den Koalitionsausschuss, geplante Budgetierungen von Vorsorgeleistungen im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu überdenken. Solche Kürzungen könnten Screenings zur Krebsfrüherkennung oder Neugeborenen-Untersuchungen gefährden, warnte VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger.
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Zusätzliche Belastungen befürchten Ärztevertreter durch Reformen bei den Krankmeldungen. Der Hausärzteverband und der Virchowbund kritisierten am 2. Juli die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Einführung einer Nachweispflicht ab dem ersten Krankheitstag. Dr. Dirk Heinrich vom Virchowbund warnte vor Millionen medizinisch unnötiger Arztbesuche – der Anteil der telefonischen AU-Bescheinigungen liegt lediglich bei 0,8 bis 1,2 Prozent aller Krankschreibungen.
Das acatech Themennetzwerk Gesundheitstechnologien forderte Anfang Juli einen Paradigmenwechsel: Medizintechnik müsse verstärkt als Hebel für systemische Veränderungen genutzt werden, um Innovationen schneller in die Versorgung zu bringen und strukturelle Engpässe zu überwinden.
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