Prävention, BMG

Prävention: BMG startet Gesundheitsoffensive mit Check-up 60+

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das BMG startet eine Präventionsoffensive mit neuem Digitalgesetz, um Vorsorge und ePA zu stärken und das System zu entlasten.

BMG-Offensive: Prävention und Digitalisierung im Gesundheitswesen
Ein stilisiertes, leuchtendes neuronales Netzwerk überlagert Silhouetten von Menschen, die Sport treiben, mit deutschen Flaggenfarben. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Gesundheitspolitik in Deutschland wird neu ausgerichtet: Prävention und Digitalisierung sollen künftig enger zusammenwachsen. Mitte Juli 2026 präsentierte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eine Initiative, die Krankheitsvorbeugung zur tragenden Säule des Systems machen will. Flankiert wird das Ganze von einem neuen Digitalgesetz.

Vorsorge für alle Altersgruppen

Am 16. Juli 2026 startete die große Präventionsoffensive des BMG. Ziel: die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken und Krankheiten früher erkennen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nannte Prävention eine „zentrale Zukunftsaufgabe“. Der Hintergrund: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt trotz hoher Gesundheitsausgaben unter dem EU-Durchschnitt.

Die geplanten Maßnahmen sehen Änderungen im Fünften und Elften Sozialgesetzbuch vor. Konkret geht es um verbindliche Einladungen zu Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche – etwa die U10 (7 bis 8 Jahre) und die J1 (12 bis 14 Jahre). Dazu kommt ein „Check-up 60+“ im Rahmen der Pflegereform.

Unterstützung kommt von der Bundesärztekammer. Präsident Klaus Reinhardt sprach von einem „notwendigen Paradigmenwechsel“. Auch der GKV-Spitzenverband sieht Vorsorge als gesamtgesellschaftliche Aufgabe – mahnte aber, dass die Beitragszahler bereits erhebliche Mittel aufwenden.

Elektronische Patientenakte als Drehscheibe

Ein zentraler Baustein ist das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). Das Bundeskabinett beschloss es am 15. Juli 2026. Ziel: digitale Anwendungen zum selbstverständlichen Teil der Versorgung machen und Bürokratie abbauen.

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Die elektronische Patientenakte (ePA) wird zur zentralen Plattform ausgebaut. Sie soll künftig kassenindividuelle Präventionshinweise, digitale Erinnerungen an Vorsorgetermine und eine KI-gestützte Aufbereitung von Befunden liefern. Auch eine digitale Impfübersicht und eine Terminplattform sind geplant.

Für die elektronische Überweisung gilt eine Frist bis zum 1. September 2029. Die Gematik bekommt zudem erweiterte Befugnisse, um die Stabilität der Telematikinfrastruktur zu sichern.

Milliarden-Entlastung und Kritik aus der Praxis

Die gesetzlichen Krankenkassen geben derzeit rund 734 Millionen Euro für Präventionsleistungen aus. Oliver Blatt vom GKV-Spitzenverband warnte, die finanziellen Grenzen der Versichertengemeinschaft seien erreicht. Er forderte mehr Verbindlichkeit bei der Beteiligung von Bund, Ländern und Kommunen.

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Das GeDIG soll das System hingegen entlasten: Schätzungen gehen von einer jährlichen Ersparnis von 445 Millionen Euro aus. Das Gesetz ist Teil eines breiteren Entlastungspakets der Bundesregierung, das am 15. Juli 2026 verabschiedet wurde – mit einem Volumen von 10,4 Milliarden Euro.

Doch nicht alle sind zufrieden. Der Hausärzteverband übte Mitte Juli 2026 scharfe Kritik an Ministerin Warken. Die niedergelassenen Praxen würden bei den Reformplänen nicht ausreichend berücksichtigt. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung und einzelne Krankenkassen äußerten Vorbehalte gegen Teile des Digitalgesetzes.

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