Prävention, Krebsneuerkrankungen

Prävention: 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen sind vermeidbar

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wissenschaftsorganisationen verlangen mehr Prävention, kommunale Vernetzung und klare Zuständigkeiten, während Fachleute Finanzierungslücken kritisieren.

Gesundheitspolitik: Experten fordern neue Präventionsstrategie
Heller, moderner Innenraum eines öffentlichen Gebäudes mit klaren Linien und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In der deutschen Gesundheitspolitik mehren sich die Forderungen nach einer grundlegenden Neuausrichtung der Präventionsstrategie. Führende Wissenschaftsorganisationen, darunter die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Wissenschaftsrat, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebshilfe, mahnen eine ressortübergreifende Zusammenarbeit an.

In einer gemeinsamen Stellungnahme plädieren sie dafür, dass künftig alle Ministerien die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die öffentliche Gesundheit berücksichtigen müssen.

Hohe Behandlungskosten und vermeidbare Neuerkrankungen

Das deutsche Gesundheitssystem verursacht laut Angaben der beteiligten Organisationen jährliche Kosten in Höhe von 500 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil dieser Ausgaben könnte durch gezielte Präventionsmaßnahmen reduziert werden. So verwies der DKFZ-Vorstand Baumann darauf, dass rund 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen vermeidbar seien.

Auf einem parlamentarischen Abend unter dem Titel „Prävention im Mittelpunkt“, der am 8. September 2026 in Berlin stattfand, wurde die Notwendigkeit unterstrichen, Gesundheitsförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.

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Unter dem Leitbild „Health in all Policies“ wurde zudem auf einem Fachkongress in Berlin dargelegt, dass derzeit Milliardenbeträge in die Behandlung von Krankheiten fließen, die durch frühzeitige Interventionen verhindert werden könnten.

Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang, dass die finanziellen Folgen unterlassener Prävention bislang kaum statistisch erfasst oder bilanziert würden. Ein gesünderes Land erfordere demnach mehr als lediglich ein leistungsfähiges Reparatursystem.

Kommunale Vernetzung als Erfolgsfaktor

Ein weiterer Fokus der aktuellen BdEbatte liegt auf der praktischen Umsetzung vor Ort. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) und die TU Dresden untersuchten in der Studie „Neue Gesundheitsnetze“ zehn kommunale Präventionsprojekte, die sich speziell an ältere Menschen richten. Als wesentliche Erfolgsfaktoren identifizierten die Autoren die persönliche Ansprache, lokale Vernetzung sowie wohnortnahe Angebote.

Allerdings zeigt der zweite Teil dieser Studie auch strukturelle Hürden auf. Problematisch seien demnach oft befristete Förderzeiträume und unklare Zuständigkeiten zwischen den beteiligten Akteuren.

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PKV-Verband und TU Dresden fordern daher eine nationale Gesamtstrategie sowie längere Förderlaufzeiten. Zudem müsse die geplante Novelle des Präventionsgesetzes klare Verantwortlichkeiten schaffen, um die Wirksamkeit kommunaler Gesundheitsnetze dauerhaft zu sichern.

Herausforderungen bei der Suizidprävention und Früherkennung

Neben chronischen Erkrankungen steht die psychische Gesundheit verstärkt im Fokus. Anlässlich des Welttages der Suizidprävention wiesen Fachkreise auf die stabil hohen Fallzahlen hin. In Deutschland wurden für das Jahr 2024 rund 10.370 Suizide verzeichnet, was einen Anstieg um fast 70 Fälle gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Die Bundesärztekammer bezeichnete die Suizidprävention als ärztliche Kernaufgabe und bezog sich auf einen Referentenentwurf für ein Suizidpräventionsgesetz aus dem Juli 2026. Dieser sieht eine Bundesfachstelle sowie eine einheitliche Krisenrufnummer vor.

Kritik äußerten Mediziner, Psychologen und die Deutsche Stiftung Patientenschutz an der geplanten Finanzierung. Die im Entwurf vorgesehenen 1,4 Millionen Euro jährlich seien unzureichend, um eine flächendeckende Infrastruktur aufzubauen. Die Caritas ergänzte, dass Suizide die häufigste Todesursache bei Menschen unter 25 Jahren seien und drei von vier betroffenen Personen Männer seien.

Lebensstilrisiken und Grenzen der Früherkennung

Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) aus einer Erhebung zwischen dem Frühjahr 2021 und dem Frühjahr 2023 verdeutlichen den Handlungsbedarf bei älteren Bevölkerungsgruppen. Demnach bewegen sich 78 Prozent der Menschen ab 65 Jahren zu wenig, und 72 Prozent konsumieren nicht ausreichend Obst und Gemüse. Im Durchschnitt vereinen Personen dieser Altersgruppe 2,4 gesundheitliche Risikofaktoren.

Während die allgemeine Prävention gestärkt werden soll, gibt es bei spezifischen Früherkennungsprogrammen fachliche Abgrenzungen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss Ende August 2026, das organisierte Programm zur Darmkrebs-Früherkennung nicht auf Personen unter 50 Jahren mit familiärem Risiko auszuweiten, da die Evidenz hierfür als nicht ausreichend bewertet wurde.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) fordert hingegen einen risikoadaptierten Start der Vorsorge bereits zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des jüngsten betroffenen Familienmitglieds.

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