PPI-Dauertherapie: 44% höheres Demenzrisiko, 25% mehr Asthma-Anfälle
Veröffentlicht: 02.07.2026 um 10:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Doch eine Langzeiteinnahme könnte für Millionen Patienten mit Asthma oder COPD gefährlich werden.
Eine aktuelle belgische Studie in der Fachzeitschrift Chest liefert alarmierende Daten. Die Forscher werteten die Krankenakten von rund 932.000 Erwachsenen aus den Jahren 2017 bis 2021 aus. Ihr Ergebnis: Wer über längere Zeit Protonenpumpenhemmer (PPI) einnimmt, hat ein um durchschnittlich 18 Prozent höheres Risiko für akute Verschlechterungen der Atemwegserkrankung.
Höhere Dosis, höheres Risiko
Der Zusammenhang ist dosisabhängig. Patienten mit der höchsten PPI-Dosis hatten sogar ein 25 Prozent höheres Exazerbationsrisiko. Besonders betroffen: Menschen unter 50 Jahren und Asthmatiker ohne begleitende Refluxkrankheit.
Die gute Nachricht: Eine kurzzeitige Therapie gegen Sodbrennen scheint die Lungenfunktion nicht zu beeinträchtigen.
Was hinter den Risiken steckt
Die Forschung diskutiert mehrere Mechanismen. Veränderungen im Darmmikrobiom und Vitaminmangel durch die unterdrückte Magensäureproduktion könnten eine Rolle spielen. Aktuelle Studien aus dem Frühjahr 2026 zeigen zudem, dass der Darmpilz Malassezia mit allergischen Entzündungen und Asthma zusammenhängt – ein weiteres Puzzleteil in der sogenannten Darm-Lungen-Achse.
Doch die Risiken gehen über die Atemwege hinaus. Eine im Juni 2026 in Nature Metabolism veröffentlichte Analyse bringt die dauerhafte PPI-Einnahme mit einem um 44 Prozent erhöhten Demenzrisiko in Verbindung. Die Fachwelt diskutiert deshalb zunehmend eine strengere Indikationsstellung.
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Schutz durch Ernährung
Parallel zu den Risikofaktoren identifiziert die Forschung auch Schutzfaktoren. Eine Analyse der UK-Biobank mit über 179.000 Teilnehmern, erschienen im Juni 2026 im American Journal of Clinical Nutrition, zeigt: Eine vitamin-K1-reiche Ernährung senkt die COPD-Rate um 16 Prozent und verbessert die Lungenfunktion. Für Vitamin K2 ließ sich dieser Effekt nicht nachweisen.
Auch die Vitamine A und D spielen eine Rolle. Höhere Vitamin-A-Spiegel korrelieren mit besseren Lungenfunktionswerten. Und ein Vitamin-D-Spiegel von mindestens 30 ng/ml wird mit einer langsameren epigenetischen Alterung der Lunge in Verbindung gebracht.
Veraltete Behandlungsansätze als Problem
Neben der Medikation selbst bereitet die Behandlungspraxis Sorgen. Die brasilianische CuidAR-Studie zeigte im Frühjahr 2026: Bei 60 Prozent der erwachsenen Patienten führt eine alleinige Gabe von kurzwirksamen Beta-2-Agonisten (SABA) zu einer reduzierten Lungenfunktion. Internationale Leitlinien wie die der Global Initiative for Asthma (GINA) empfehlen seit 2025 den Verzicht auf diese Monotherapie.
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Stattdessen setzen Experten auf eine Kombination aus inhalativen Kortikosteroiden (ICS) und Formoterol – sowohl zur Erhaltung als auch bei Bedarf.
Infektionen als unterschätzter Auslöser
Ein weiterer Faktor bleibt die Anfälligkeit für Infektionen. Die BenRex-Studie, veröffentlicht im Mai 2026 im Lancet Respiratory Medicine, untersuchte Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma unter Biologika-Therapie. Ergebnis: Über 56 Prozent der Verschlechterungen gingen auf respiratorische Viren zurück – nicht auf eosinophile Entzündungen.
Das unterstreicht: Neben der medikamentösen Einstellung müssen Infektionsschutz und Umweltfaktoren wie die Luftqualität stärker in den Fokus rücken. Ein breites Bündnis aus Umwelt- und Ärzteorganisationen fordert deshalb unter dem Titel „Saubere Luft 2030“ strengere Grenzwerte nach WHO-Empfehlungen.
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