Postinfektiöse, Erkrankungen

Postinfektiöse Erkrankungen: Leopoldina fordert mehr als 30 Maßnahmen

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Leopoldina legt über 30 Vorschläge vor; Österreich baut regionale Angebote für postinfektiöse Erkrankungen aus.

Leopoldina fordert Reformen bei Long Covid und ME/CFS
Ein minimalistisches, modernes medizinisches Labor mit analytischen Geräten und Glasgefäßen in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Postinfektiöse Erkrankungen stellen Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften vor erhebliche Herausforderungen. Nach Infektionen auftretende chronische Beschwerdebilder wie Long-Covid oder ME/CFS sind für Betroffene oft mit massiven Einschränkungen verbunden, während eine zielgerichtete Versorgung vielerorts lückenhaft bleibt.

Eine Arbeitsgruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat eine umfassende Stellungnahme vorgelegt, die mehr als 30 Handlungsoptionen zur Verbesserung der Lage formuliert und strukturelle Reformen in Forschung, Diagnostik sowie Patientenbetreuung anmahnt.

Strukturelle Diagnosedefizite und wirtschaftliche Folgen

Die Analyse der Leopoldina verdeutlicht gravierende Mängel im bestehenden Versorgungsalltag. Häufig kommt es zu Unter-, Über- oder Fehldiagnosen bei postinfektiösen Erkrankungen. Wesentliche Reibungsverluste entstehen an den Schnittstellen zwischen ambulanter, hausärztlicher und spezialisierter Betreuung sowie beim Übergang zu Akutkliniken, Rehabilitationszentren und dem Sozialleistungssystem.

Die gesundheitspolitische Bedeutung spiegelt sich auch in ökonomischen Kennzahlen wider. Die Vizepräsidentin und Co-Sprecherin der Leopoldina-Arbeitsgruppe, Regina Riphahn, beziffert die langfristigen wirtschaftlichen Kosten postinfektiöser Erkrankungen auf schätzungsweise 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Zugleich verdeutlichte der Co-Sprecher Norbert Suttorp, dass kleinere Korrekturen im System nicht ausreichen werden. Auch die bloße Umnutzung bereits existierender Medikamente greife zu kurz. Um den Versorgungsdefiziten wirksam zu begegnen, müsse die medizinische Forschung echtes wissenschaftliches Neuland betreten.

Datenintegration, Biomarker und Präventionsstrategien

Als zentrale Handlungsansätze schlägt das Expertengremium ein Bündel diagnostischer und digitaler Maßnahmen vor. Dazu gehören:

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Die Leopoldina mahnt strukturelle Reformen in Forschung, Diagnostik und Patientenbetreuung an — und legt mehr als 30 Handlungsoptionen vor. Wer heute Versorgungsstrukturen verantwortet, braucht den Überblick, bevor die nächsten Entscheidungen anstehen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

  • die Etablierung einheitlicher Krankheitsdefinitionen sowie strukturierter Verlaufskontrollen,
  • die beschleunigte Identifikation valider Biomarker für eine verlässlichere Diagnostik,
  • die Verbesserung der Datenlage durch elektronische Patientenakten, basierend auf einer breiten Einwilligung der Erkrankten und Opt-Out-Mechanismen,
  • die systematische Verknüpfung klinischer Verlaufsdaten mit Abrechnungsdaten der Kostenträger.

Darüber hinaus plädiert die Arbeitsgruppe dafür, die vorgeschlagene Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen explizit als Präventionsdekade auszugestalten. In diesem Zusammenhang betonen die Experten auch den vorbeugenden Nutzen von Impfungen, die nachweislich vor postinfektiösen Krankheitsverläufen schützen können.

Versorgungsinitiativen auf regionaler Ebene

Die Notwendigkeit neuer Versorgungsstrukturen zeigt sich parallel auch im deutschsprachigen Ausland. In Österreich wurde Ende Juni 2026 ein nationaler Versorgungsplan für postakute Infektionssyndrome (PAIS), Long Covid und ME/CFS verabschiedet.

Während die Erstellung einer S2k-Leitlinie am Referenzzentrum der Medizinischen Universität Wien läuft und die Österreichische Gesundheitskasse an einem Basisdiagnostik-Tool arbeitet, formieren sich regionale Versorgungsangebote:

Im Burgenland starten im Oktober 2026 eine spezialisierte Ambulanz an der Klinik Oberwart sowie ein sechswöchiges stationäres Therapieprogramm in Bad Tatzmannsdorf. In der Steiermark soll spätestens im November oder Dezember 2026 eine Ambulanz zur PAIS-Versorgung an der Universitätsklinik Graz eröffnen.

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Unter-, Über- und Fehldiagnosen an den Schnittstellen zwischen Hausarzt, Spezialist und Reha kosten Vertrauen und Geld — geschätzt 0,1 bis 0,2 Prozent des BIP. Dieser Leitfaden zeigt, welche Diagnostik- und Biomarker-Ansätze die Leopoldina für belastbare Versorgungspfade empfiehlt. Diagnostik-Checkliste jetzt sichern

Für Oberösterreich ist für 2027 eine Ambulanz am Klinikum Wels-Grieskirchen geplant, deren Kosten bis 2028 auf rund 1,2 Millionen Euro geschätzt und hälftig von Land und Sozialversicherung getragen werden.

In Wien entsteht für Anfang 2027 eine Anlaufstelle im dritten Bezirk, ausgelegt auf rund 5.000 Behandlungen pro Jahr, während in Tirol die Koordinationsstelle noch mit personellen Hürden konfrontiert ist.

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