Postbiotika, MASLD

Postbiotika bei MASLD: Studie mit 52 Patienten zeigt nur kurzen Effekt

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 16:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschungsprojekte untersuchen Mikrobiom, Naturstoffe und RNA-Editierung als Ansätze gegen Fettleber und Leberentzündungen.
Eine wissenschaftliche Laborumgebung mit einer Petrischale und biologischen Proben auf einem beleuchteten Labortisch. Illustration mit AI erstellt.

Die Wechselwirkungen zwischen dem Magen-Darm-Trakt und Lebererkrankungen rücken zunehmend in den Mittelpunkt der biomedizinischen Forschung. Eine Fehlbesiedlung des Dünndarms sowie entzündliche Prozesse stehen im Verdacht, das Fortschreiten von Fettlebererkrankungen maßgeblich zu beeinflussen. Ein interdisziplinäres Team widmet sich diesem Schwerpunkt nun im Rahmen eines regionalen Kooperationsprojekts.

Die MASBIO-Pilotstudie an der Universität Bayreuth

Im Zentrum der MASBIO-Pilotstudie der Universität Bayreuth steht die Frage, wie eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms und entzündliche Vorgänge den Verlauf von Fettlebererkrankungen prägen. Das Vorhaben verknüpft universitäre Grundlagenforschung mit medizinischer und industrieller Expertise.

Beteiligt sind Prof. Janin Henkel-Oberländer von der Universität Bayreuth, Markus Hirschmann vom Klinikum Kulmbach sowie Prof. Wieland Voigt von dem Unternehmen VOC Advanced Breath Diagnostics. Das Projekt analysiert die Mechanismen, über welche veränderte bakterielle Milieus im Dünndarm auf Lebergewebe einwirken.

Mikrobielle Lipide und mitochondriale Prozesse

Die metabolische Dysfunktions-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) betrifft schätzungsweise 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Untersuchungen der University of Connecticut und der University of Pittsburgh, veröffentlicht in Fachjournalen wie Gastro Hep Advances und dem Journal of Physiology, beleuchten die biochemische Rolle mikrobieller Stoffwechselprodukte.

Demnach zirkulieren mikrobielle Glycin-Lipide aus der Bakteriengruppe Bacteroidota systemisch im Körper, verbessern die Mitochondrienfunktion und können eine MASLD mildern.

Im Tiermodell mit einer achtwöchigen Verabreichung einer westlichen Ernährungsform senkten die Lipide L654 und L1256 bei einer Gabe von 1 µg alle zwei Tage über acht Wochen die Krankheitsschwere. Zugleich förderten sie die Mitochondrien-Biogenese und die Fettoxidation.

L1256 verbesserte zudem die Sauerstoffverbrennung in den Mitochondrien der Skelettmuskulatur. Eine Ernährung mit Erbsen- und Zitrusfasern erhöhte die körpereigenen Glycin-Lipid-Spiegel. Zudem wurden entsprechende Glycin-Lipide über die Gewebebank der UConn Health auch in menschlichem Lebergewebe nachgewiesen.

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Naturstoffe und postbiotische Modulatoren

Ergänzend untersuchen Übersichtsarbeiten pflanzliche und bakterielle Wirkstoffe. Ein im Journal Food & Function erschienener Review ordnet Curcumin als Modulator der Darm-Leber-Achse ein, der die Barriereintegrität stärken, das Mikrobiom modulieren und Entzündungen sowie Fibrose in der Leber verringern könne. Relevanz besitzt dies auch für altersbedingte Dysfunktionen.

In einer weiteren Studie in Food & Function minderten hitzebehandelte Postbiotika aus Latilactobacillus curvatus in zwei Mausmodellen alkoholbedingte Leberschäden, indem sie Zellschäden und Entzündungen verringerten sowie das mikrobielle Gleichgewicht stabilisierten.

Eine chinesische Forschungsgruppe berichtete in Phytotherapy Research über den Pflanzenstoff Magnoflorin, der bei Mäusen über eine Aktivierung von AMPK? und die Anregung des Fettabbaus in Leberzellen wirkte. Eine Überprüfung beim Menschen steht hierbei noch aus.

Grenzen postbiotischer Gaben verdeutlichte eine 2026 publizierte randomisierte Doppelblindstudie in der Fachzeitschrift Medicina: Bei 52 MASLD-Patienten bewirkte ein Lysat aus Lactobacillus rhamnosus über zwölf Wochen zwar eine grenzwertige temporäre Absenkung des Fatty Liver Index nach drei Monaten, nach sechs Monaten zeigten sich jedoch keine signifikanten Gruppenunterschiede mehr, weshalb die Studienautoren keine klinische Empfehlung ableiteten.

Mikrobiom-Veränderungen und molekulare Ansätze

Dass Umweltfaktoren die Darmflora verändern, belegen parallele Studien der CAU Kiel und des UKSH in Kooperation mit internationalen Partnern: Ein industrialisierter Lebensstil führe zu artenärmeren, einheitlicheren Mikrobiomen und erhöhten Entzündungsmarkern. Ein Berner Forschungsteam zeigte zudem an Mäusen, dass der Nutzen bestimmter Bakterienmischungen stark von der bereits vorhandenen Darmflora abhängt.

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Parallel zu mikrobiellen Ansätzen werden neuartige therapeutische Verfahren entwickelt: Das Projekt HepaModulatoR der Universität Tübingen und der Bar-Ilan-Universität erhält für den Zeitraum von 2026 bis 2032 rund 10 Millionen Euro durch den Europäischen Forschungsrat, um Therapien auf Basis von RNA-Editierung gegen Fettleber, chronische Entzündungen und Leberkrebs zu erforschen.

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