Pontes-Plattform, EZB

Pontes-Plattform: EZB startet Handel mit tokenisierten Wertpapieren

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EZB-Plattform Pontes verbindet DLT-Netzwerke mit TARGET und ermöglicht 13 Instituten die Abwicklung tokenisierter Geschäfte in Zentralbankgeld.

EZB startet Pontes für tokenisierte Finanztransaktionen
Minimalistische, moderne Architektur mit klaren Linien und natürlichem Lichteinfall in einem leeren Atrium. Illustration mit AI erstellt.

Die Europäische Zentralbank und die Zentralbanken des Eurosystems haben die Plattform Pontes gestartet. Bei dem neuen System handelt es sich um eine Distributed-Ledger-Technologie-Lösung, mit der berechtigte Finanzinstitute tokenisierte Wholesale-Finanztransaktionen direkt in risikofreiem Zentralbankgeld abwickeln können.

Pontes verknüpft dabei externe DLT-Netzwerke mit den bestehenden TARGET-Diensten des Eurosystems. Die Initiative markiert den ersten operativen Schritt innerhalb der Eurosystem-Strategie für tokenisierte Finanzmärkte und baut auf den DLT-Testläufen des Jahres 2024 auf.

Alternative zu privaten Abwicklungslösungen

Wie Medien am 21. September 2026 berichteten, reagiert das Eurosystem mit Pontes auf den Bedarf des Marktes nach einer sicheren Abwicklungsform für tokenisierte Vermögenswerte.

Die Plattform dient als Alternative zu privaten Instrumenten wie Stablecoins oder tokenisierten Einlagen von Geschäftsbanken. Marktteilnehmer hatten den Zugriff auf risikofreies Zentralbankgeld im Vorfeld als entscheidende Voraussetzung für eine breitere Akzeptanz tokenisierter Wertpapiere bewertet.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die das Projekt zuvor bei einem Treffen der Eurogruppe vorgestellt hatte, betonte anlässlich eines Fachgesprächs in Frankfurt, dass das Eurosystem darauf hinarbeite, einen integrierteren, innovativeren und widerstandsfähigeren europäischen Finanzmarkt im digitalen Zeitalter zu ermöglichen.

EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone hob hervor, dass Zentralbankgeld den notwendigen Skalierungsvorteil biete sowie für unverzichtbare Stabilität und Vertrauen sorge.

Breites Teilnehmerfeld und schrittweiser Ausbau

Zum Betriebsstart haben 13 Finanzinstitute den Onboarding-Prozess abgeschlossen. Neben internationalen Instituten wie ABANCA, Cecabank, Memo Bank, Santander und Société Générale sowie supranationalen Förderbanken wie der Europäischen Investitionsbank und der französischen Caisse des Dépôts et Consignations sind mehrere deutsche Häuser beteiligt.

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Mit dem Start der Pontes-Plattform können berechtigte Institute tokenisierte Wholesale-Transaktionen erstmals direkt in risikofreiem Zentralbankgeld abwickeln — eine Alternative zu Stablecoins und tokenisierten Einlagen. Wer die Abwicklung künftig über die Eurosystem-Infrastruktur abbilden will, findet hier die wichtigsten Schritte und Fristen im Überblick. Kostenlosen Leitfaden zur Pontes-Abwicklung anfordern

Dazu zählen die BayernLB, die Deutsche Bank, die Deka Bank, die DZ Bank, die KfW und die NRW.BANK. Zudem nimmt die Deutsche Bundesbank als Marktteilnehmer an Pontes teil.

Auf technologischer Seite wurden vier DLT-Betreiber angebunden: Axiology, Cashlink, Clearstream und SWIAT, darunter drei deutsche Plattformen. Hinsichtlich des Preismodells setzt die Notenbank auf einmalige Onboarding-Gebühren; gesonderte Entgelte pro Transaktion werden nicht erhoben.

Der Betrieb beschränkt sich zunächst auf die regulären TARGET-Geschäftszeiten an Bankarbeitstagen. Geplant ist eine schrittweise Ausweitung der Betriebszeiten auf rund 22,5 Stunden pro Tag im Jahr 2027 sowie auf einen durchgehenden 24/7-Betrieb bis Mitte 2028. Bis 2028 soll die Plattform schrittweise mit weiteren Services und zusätzlichen Teilnehmern voll ausgebaut werden.

Eigenmittel-Investitionen und langfristige Architektur

Flankierend bereitet die EZB vor, einen kleinen Teil ihrer eigenen Mittel über Pontes in tokenisierte Wertpapiere zu investieren. Der Fokus liegt hierbei auf auf Euro lautenden Anleihen von Zentral- und Regionalregierungen, Förderagenturen sowie supranationalen Institutionen des Euroraums.

Dieses Eigenmittelportfolio dient der Finanzierung der allgemeinen Betriebskosten der Notenbank abseits der Bankenaufsicht und belief sich Ende 2025 auf 23,1 Milliarden Euro, wovon 73 Prozent auf Staatsanleihen entfielen. Über den genauen Umfang und den Zeitpunkt der Allokation entscheidet das EZB-Direktorium nach Abschluss der Vorarbeiten.

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Der Betrieb von Pontes läuft zunächst nur zu den regulären TARGET-Geschäftszeiten an Bankarbeitstagen; längere Zeiten und der 24/7-Betrieb sind erst für 2027 und Mitte 2028 vorgesehen. Für Institute, die ihre DLT-Abwicklung planen, lohnt der Blick auf die Roadmap und die Frage, wann welcher Ausbauschritt greift. Roadmap 2027/2028 jetzt als Leitfaden sichern

Pontes fungiert dabei als Übergangslösung: Für das Jahr 2028 wird das sogenannte Appia-Konzept erwartet, das als dauerhafte europäische Zielarchitektur für ein integriertes DLT-Ökosystem dienen und Pontes langfristig ablösen soll. Das Großkundenprojekt ist organisatorisch und technisch strikt vom geplanten digitalen Euro für Verbraucher getrennt.

Für den Retail-Euro ist ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ein zwölfmonatiger Pilotversuch mit 36 Zahlungsdienstleistern, Händlern und Notenbankmitarbeitern vorgesehen; eine erste Ausgabe wird, vorbehaltlich der gesetzlichen Grundlagen, für 2029 angestrebt.

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