Polymarket-Skandal, Millionen

Polymarket-Skandal: 2,5 Millionen Euro über Privatkonten an Influencer

06.06.2026 - 10:03:46 | boerse-global.de

Recherchen enthüllen undurchsichtige Zahlungen der Vorhersageplattform an Content-Creator ohne Werbekennzeichnung. US-Politiker fordern Untersuchung.

Polymarket: 2,5 Mio. Euro an Influencer über Privatkonto gezahlt
Polymarket-Skandal - A shadowy figure's hands discreetly transferring digital currency on a smartphone, with a blurred social media feed in the background. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehr als 2,5 Millionen Euro flossen über ein privates PayPal-Konto an Hunderte Empfänger – darunter Social-Media-Influencer, die Wetten auf der Plattform bewarben, ohne ihre Bezahlung offenzulegen.

Undurchsichtige Zahlungen über private Kanäle

Zwischen Januar 2025 und Februar 2026 überwies Matthew Modabber, Chief Marketing Officer der Vorhersageplattform Polymarket, über 2,5 Millionen Euro an mehr als 800 Personen. Das berichten Recherchen vom 5. Juni 2026. Das genutzte PayPal-Konto war mit einer E-Mail-Adresse verknüpft, die zu einem Salatgeschäft gehört, das der Manager einst mitgründete.

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Mindestens 350.000 Euro davon flossen nachweislich an Content-Creator auf der Plattform X. Der genaue Verwendungszweck der gesamten Summe bleibt unklar. Marktbeobachter kritisieren: Werde ein privates Konto für Firmenzahlungen genutzt, umgehe das Unternehmen interne Kontrollen und erschwere Prüfungen erheblich.

Polymarket-Sprecher bezeichneten die Zusammenarbeit mit Influencern als übliche Geschäftspraxis. Zur Nutzung eines Privatkontos oder zur steuerlichen Behandlung der Überweisungen wollten sie sich nicht äußern.

Influencer posteten ohne Werbekennzeichnung

Die Untersuchung identifizierte rund zwei Dutzend Influencer, die nach Zahlungseingang mehr als 490 Beiträge über Polymarket auf X veröffentlichten – oft ohne die erforderliche Werbekennzeichnung. Zu den Empfängern zählten bekannte Accounts wie Brian Krassenstein, Alex LoRusso und Riley Gaines.

Etwa ein Drittel der bezahlten Inhalte stellte Veränderungen der Wettquoten als „BREAKING News" dar. Ein anonymer Creator behauptete, die Plattform habe konkrete Textvorlagen geliefert und den Zeitpunkt der Posts vorgegeben. Juristen, darunter ein früherer Anwalt der US-Handelsbehörde FTC, betonten: Solche Werbeaktionen erforderten eine klare Offenlegung der finanziellen Interessen.

Regulierungsdruck und Konkurrenzkampf nehmen zu

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Die Enthüllung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Am 4. Juni 2026 forderten die US-Abgeordneten Kevin Mullin und Gabe Vasquez die FTC offiziell auf, sowohl Polymarket als auch den Konkurrenten Kalshi wegen möglicher irreführender Geschäftspraktiken zu untersuchen. Die Politiker argumentieren: Gegenüber den Behörden präsentierten sich die Plattformen als Finanzinstrumente, vermarktet würden sie aber als Sportwetten.

Intern brodelt es ebenfalls. Polymarket-CEO Shayne Coplan soll eine Akte zusammengetragen haben, die Kalshi Industriespionage vorwirft – das Kopieren von Produkteinführungen und Marketingstrategien. Modabber selbst äußerte sich besorgt über mögliche Maulwürfe im eigenen Haus. Die geografische Nähe heizt die Spannungen an: Kalshi-Investor Paradigm hat Büros direkt gegenüber dem Polymarket-Hauptquartier in Soho. Polymarket ließ daraufhin getönte Fenster einbauen.

Die Bewertungen beider Firmen sind enorm: Kalshi wird auf umgerechnet rund 20 Milliarden Euro geschätzt, Polymarket auf etwa 14 Milliarden Euro. Doch die Gewinne im Vorhersagemarkt sind extrem ungleich verteilt. Eine Analyse zeigt: Gerade einmal 0,1 Prozent der Konten auf Polymarket erwirtschafteten 67 Prozent aller Gewinne.

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