Polizei, Standortdaten

Polizei kauft Standortdaten: Zwei LKAs nutzen Werbenetzwerke

02.06.2026 - 09:11:24 | boerse-global.de

Landeskriminalämter nutzen kommerzielle Bewegungsprofile aus Apps. Datenschützer und Rechtsexperten sehen keine gesetzliche Grundlage.

Polizei kauft Standortdaten: Zwei LKAs nutzen Werbenetzwerke - Bild: über boerse-global.de
Polizei kauft Standortdaten: Zwei LKAs nutzen Werbenetzwerke - Bild: über boerse-global.de

Das belegen Recherchen von Bayerischem Rundfunk und netzpolitik.org.

Mindestens zwei Landeskriminalämter greifen auf Datenbestände zurück, die ursprünglich für die Werbeindustrie erhoben wurden. Datenhändler vertreiben diese Bewegungsprofile – und die Polizei kauft sie.

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LKA Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bestätigen Praxis

Das LKA Mecklenburg-Vorpommern hat gezielt Standortinformationen aus der Werbewirtschaft genutzt. Auch Brandenburgs LKA nimmt die Dienste von Datenhändlern in Anspruch.

Die Daten entstehen im Alltag durch zahlreiche Apps. Sie erfassen im Hintergrund Standortinformationen und geben sie über Werbenetzwerke weiter.

Während zwei Behörden den Einsatz bestätigten, schweigen neun weitere Landeskriminalämter. Sie verweigerten unter Verweis auf den Geheimschutz jede Auskunft.

Der Landesdatenschutzbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern hat bereits ein Prüfverfahren eingeleitet. Er untersucht die Rechtmäßigkeit der Datenverarbeitung.

Experten: Keine gesetzliche Grundlage

Rechtsexperten kritisieren das Vorgehen scharf. Mark Zöller, Strafrechtsprofessor an der LMU München, bezeichnet die Nutzung als rechtswidrigen Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung.

Sein Argument: Für eine derart tiefgreifende Überwachung fehle die gesetzliche Grundlage. Die EU verbietet zudem den Verkauf solcher Daten ohne explizite Einwilligung.

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Die behördliche Nutzung steht damit im Widerspruch zu geltenden Datenschutzstandards.

Sicherheitsrisiko auch fürs Militär

Das Problem betrifft nicht nur den Datenschutz. In den USA bestätigte das Pentagon Mitte April: Auch gegnerische Akteure nutzen kommerzielle Daten, um Truppenbewegungen nachzuverfolgen.

Militärangehörige dürfen private Smartphones mitführen – einfache Kontrollen der Geolokalisierung reichen laut US-Behörden nicht aus.

Die Defense Information Systems Agency testet daher Maßnahmen zur Deaktivierung von Werbe-Targeting. Eine neue Plattform für mobiles Gerätemanagement soll Standortdienste auf Dienstgeräten vollständig unterbinden.

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