PMOS, PCOS

PMOS statt PCOS: Neue Diagnose für eine Million Frauen

05.06.2026 - 17:31:08 | boerse-global.de

Die Umbenennung von PCOS in PMOS soll Fehldiagnosen reduzieren und den Fokus auf systemische Stoffwechselstörungen lenken.

PCOS wird zu PMOS: Neue Definition verändert Diagnose und Therapie
PMOS - Abstrakte Darstellung von medizinischen Daten oder genetischem Code, die einen diagnostischen Durchbruch andeutet. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aus dem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) wird das Polyendokrine metabolische Ovarsyndrom (PMOS). Die Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte die Neudefinition am 12. Mai 2026.

Systemische Ursachen statt irreführender Bezeichnungen

Der alte Name führte in die Irre. Er lenkte den Fokus auf Zysten an den Eierstöcken – die bei vielen Patientinnen gar nicht existieren. Was im Ultraschall sichtbar wird, sind meist unreife Follikel. Die Folge: Fehldiagnosen und verzögerte Erkennung der Erkrankung.

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Bereits in den 1930er Jahren beschrieb man die Störung als Stein-Leventhal-Syndrom. Die neue Nomenklatur PMOS macht deutlich: Betroffen sind nicht nur die Eierstöcke, sondern das gesamte Hormonsystem und der Stoffwechsel.

Etwa jede achte Frau im gebärfähigen Alter leidet unter der Störung. Allein in Deutschland sind das rund eine Million Frauen. Doch die Dunkelziffer bleibt hoch: Rund 70 Prozent der Betroffenen erhalten bislang keine gesicherte Diagnose.

Neue Diagnosekriterien: Was sich ändert

Mit der Umbenennung schärfen Mediziner auch die Diagnosekriterien. Für die Diagnose PMOS müssen weiterhin zwei von drei Merkmalen zutreffen:

  • Ein seltener oder fehlender Eisprung, oft erkennbar an unregelmäßigen Menstruationszyklen
  • Ein Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen), der Symptome wie Akne oder verstärkten Haarwuchs auslöst
  • Der Nachweis unreifer Follikel im Ultraschall oder ein erhöhter AMH-Wert

Die neue Bezeichnung spiegelt die Komplexität wider. Die Erkrankung geht weit über Zyklusstörungen hinaus. Patientinnen leiden häufig unter Insulinresistenz, chronischen Entzündungsprozessen und einem erhöhten kardiometabolischen Risiko. Auch psychische Belastungen werden regelmäßig beobachtet.

Multimodale Behandlung: Was jetzt anders läuft

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Die Therapie folgt einem multimodalen Ansatz. Zu den etablierten Säulen gehören Metformin zur Verbesserung des Stoffwechsels, orale Kontrazeptiva und Antiandrogene. Lebensstilinterventionen wie Gewichtsabnahme und Krafttraining gelten als wirksame Maßnahmen zur Regulierung des Hormonhaushalts.

Die Fachwelt erwartet durch die begriffliche Neuausrichtung mehr Forschungsgelder und Investitionen in klinische Studien. Besonderes Interesse gilt GLP-1-basierten Medikamenten. Die Diabetes-Medikamente werden nun verstärkt im Kontext von PMOS evaluiert.

Ziel der medizinischen Fachgesellschaften: Die präzisere Namensgebung soll die Stigmatisierung verringern und die Diagnoseraten deutlich erhöhen.

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