PMOS statt PCOS: Neue Bezeichnung rückt Diabetes- und Herzrisiken in den Fokus
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS), früher vor allem als Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bekannt, rückt in der medizinischen Fachwelt zunehmend als komplexe Multisystemerkrankung in den Fokus. Fachmediziner weisen darauf hin, dass betroffene Frauen ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen tragen können.
Wie der Gynäkologe Dr. Emem Jay vom M and M Fertility Centre in Abuja darlegt, weisen viele Patientinnen Merkmale wie eine Insulinresistenz, abnorme Cholesterinwerte, vermehrtes Bauchfett oder Bluthochdruck auf, deren Zusammenspiel ein metabolisches Syndrom bildet.
Stoffwechselrisiken und systemische Auswirkungen
Die metabolischen Belastungen betreffen keineswegs nur übergewichtige Patientinnen. Dr. Emem Jay betont, dass eine Insulinresistenz ebenso bei nicht übergewichtigen Frauen auftreten kann. Laut Associate Professor Magdalena Simonis zeigt sich eine Hyperinsulinämie bei rund 70 bis 90 Prozent der übergewichtigen und bei 30 bis 70 Prozent der schlanken Betroffenen.
Bleibt das Syndrom unbehandelt, steigen die gesundheitlichen Gefahren deutlich. Neben kardiovaskulären Leiden und Bluthochdruck drohen Schwangerschaftskomplikationen sowie ein erhöhtes Risiko für Endometriumhyperplasie und Endometriumkrebs. Berichte verweisen zudem auf Begleiterkrankungen wie Schlafapnoe, Angstzustände und Depressionen.
Die Dimension der metabolischen Folgen belegt unter anderem eine Untersuchung von Riti Chakraborty am Dr D Y Patil Medical College in Pune (Indien) an 480 Patientinnen im Alter von 15 bis 40 Jahren, die nach den Rotterdam-Kriterien diagnostiziert wurden. In dieser Querschnittsstudie erfüllten 43,8 Prozent (95%-KI 39,4–48,3 Prozent) die Kriterien für ein metabolisches Syndrom nach NCEP ATP III.
Wer sich mit Stoffwechselrisiken befasst, sollte seine Laborwerte präzise deuten können, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos sichern
Zu den am häufigsten festgestellten Werten zählten ein niedriges HDL bei 81,3 Prozent, zentrale Adipositas bei 58,3 Prozent sowie Hypertriglyceridämie bei 41,7 Prozent. Die Häufigkeit stieg signifikant mit dem Alter und dem Body-Mass-Index; in der Gruppe der 30- bis 34-Jährigen lag der Höchstwert bei 58,8 Prozent, bei Vorliegen von Adipositas bei 84,6 Prozent.
Auf zellulärer Ebene stellten Qianqian Yin und Yaru Yang am Xuzhou Central Hospital der Southeast University in China bei der Analyse von 20 Patientinnen und 10 Kontrollpersonen 33 differentiell exprimierte Proteine in der Follikelflüssigkeit fest. Validierungen bestätigten erhöhte Werte von LDHA, S100A9 und SAA1, was auf immunometabolische Veränderungen und lokale Hypoxie hinweist.
Diagnose und die Neuausrichtung des Krankheitsbildes
Das Syndrom zeichnet sich durch ein breites Spektrum an Symptomen aus: Unregelmäßige oder ausbleibende Zyklen, Störungen des Eisprungs, Akne, übermäßiger Haarwuchs, Haarausfall, Gewichtszunahme und dunkle Hautfalten zählen dazu.
Nach den etablierten Rotterdam-Kriterien erfordert die Diagnose das Vorliegen von mindestens zwei von drei Kriterien: Zyklusstörungen, Androgenüberschuss oder eine polyzystische Ovarialmorphologie (mindestens 20 Follikel von 2 bis 9 Millimetern Größe oder ein Ovarvolumen von mehr als 10 Millilitern).
Liegen die ersten beiden Kriterien bei erwachsenen Frauen vor, ist ein Ultraschall nicht zwingend; bei Jugendlichen wird er nicht zur Diagnose empfohlen.
Um der Tragweite der Erkrankung gerecht zu werden, initiierte die Monash University gemeinsam mit 56 Fachorganisationen – darunter die Endocrine Society – unter der Leitung von Professor Helena Teede im Jahr 2026 eine internationale Umbenennung von PCOS zu PMOS.
Ein Beschluss im Fachjournal The Lancet begründete dies damit, dass der Begriff die breitere Systemwirkung auf Gewicht, Stoffwechsel, psychische Gesundheit und Reproduktion besser abbilde und keine erhöhten pathologischen Ovarialzysten vorlägen.
Der Schutz der eigenen Gesundheit beginnt mit dem Verständnis der inneren Prozesse des Körpers. Vitalstoffexperte Dr. Fricke gibt in seinem 25-seitigen Guide praxisnahe Tipps zum Verständnis wichtiger Blutwerte, die sogar Ärzte überraschen. Kostenlosen 25-Seiten-Report hier herunterladen
Der Übergangsprozess ist auf drei Jahre angelegt; ein Update der internationalen Leitlinie soll den Namen 2028 offiziell übernehmen. Internationale Erhebungen zeigen, dass bis zu 70 Prozent der Fälle bislang undiagnostiziert bleiben.
Therapieansätze und Lebensstilinterventionen
Fachärzte stellen klar, dass PMOS keineswegs automatisch zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führt. Dr. Emem Jay betont, dass das Syndrom die Ovulation beeinträchtigt, eine Schwangerschaft jedoch nicht ausschließt. Viele Frauen können spontan oder mit gezielter medizinischer Unterstützung konzipieren.
Als zentraler Hebel im Therapiemanagement gelten Lebensstilmaßnahmen. Eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 Prozent innerhalb von 3 bis 6 Monaten kann Zyklus und Insulinresistenz spürbar verbessern.
Neben gesunder Ernährung und Schlaf wird regelmäßige Bewegung empfohlen. Strukturierte Interventionen liefern messbare Resultate: Eine Studie am Shanghai Municipal Hospital of Traditional Chinese Medicine verzeichnete Verbesserungen bei Nüchternglukose, Nüchterninsulin, Triglyceriden, LDL und Körperfett sowie einen Anstieg der Lebensqualität.
Untersuchungen unter Leitung von Dr. Rima Dada am AIIMS New Delhi an über 100 Frauen wiesen zudem nach, dass bis zu 12 Wochen Yoga signifikante Reduktionen von Hormonwerten wie Testosteron und LH bewirkten sowie Stoffwechselparameter und Depressionssymptome verbesserten. Fachleute betonen, dass gezielte Bewegungsprogramme und metabolische Vorsorgeuntersuchungen die Grundlage einer individualisierten Betreuung bilden.
