PISA-Kompetenzen, Tiefstwerte

PISA-Kompetenzen: Deutsche 15-Jährige erreichen Tiefstwerte seit dem Jahr 2000

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 23:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Belastungen und schwache Kompetenzen prägen den Schulalltag; alternative Bewertungs- und Lernmodelle zeigen mögliche Wege.

Schulstress und Lernrückstände: Neue Ansätze für Schüler im Fokus
Ein leerer, modern gestalteter Klassenraum mit Holztischen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Analysen untersuchen eingehend, wie Schulstress, Leistungsdruck und bildungspolitische Programme die Lernmotivation sowie die kognitive Entwicklung von Schülern beeinflussen. Die Erhebungen zeichnen das Bild eines Bildungssystems, in dem psychische Belastungen, sinkende Basiskompetenzen und veränderte digitale Rahmenbedingungen das Lernumfeld von Kindern und Jugendlichen prägen, während neue pädagogische Ansätze nach Auswegen suchen.

Wachsender Leistungsdruck und psychische Belastungen

Die Befunde zur psychosozialen Lage an Schulen verdeutlichen erhebliche Spannungsfelder im Unterrichtsalltag. Laut dem Deutschen Schulbarometer 2026 sehen 46% der Lehrkräfte problematisches Schülerverhalten als große Herausforderung an, während 13% der Lehrkräfte durch eine mangelnde Lernmotivation der Schüler stark belastet sind.

Parallel dazu verweisen Daten des Schulbarometers 2025/26 auf deutliche Belastungen bei den Lernenden: Etwa jedes vierte Kind weist demnach psychische Auffälligkeiten auf. Zudem geben 26% der Kinder eine geringe Lebensqualität an, und 16% fühlen sich in der Schule wenig wohl.

Zugleich besteht ein ausgeprägtes Bedürfnis nach mehr Mitsprache: Drei Viertel der Kinder wünschen sich mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen und Prüfungsformen, während vier von fünf Schülern angeben, derzeit kaum mitentscheiden zu können.

Kognitive Kompetenzen und digitale Einflussfaktoren

Die motivationalen Schwierigkeiten spiegeln sich auch im Leistungsstand wider. Auswertungen der PISA-Erhebungen zeigen, dass deutsche 15-Jährige in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000 verzeichnen, mit Punktwerten von 465 im Lesen, 464 in Mathematik und 486 in den Naturwissenschaften.

Ein Drittel der 15-Jährigen erreicht im Lesen kein ausreichendes Niveau. Samuel Greiff, wissenschaftlicher Leiter von PISA in Deutschland, stellte fest, dass Jugendliche heute im Alter von 15 Jahren den Leistungsstand aufweisen, den Gleichaltrige vor zehn Jahren bereits mit 13 Jahren erreichten.

Anzeige

Deutsche 15-Jährige erreichen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebungen — und ein Drittel liest nicht auf ausreichendem Niveau. Wie Eltern ihr Kind zu Hause stärken, ohne neuen Druck aufzubauen, zeigt dieser kostenlose Ratgeber mit fünf konkreten Übungen. Jetzt kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern

Der Bildungsbericht 2026 hebt hervor, dass im Jahr 2024 knapp ein Viertel der Jugendlichen mit angestrebtem Mittleren Schulabschluss den Mindeststandard in Mathematik verfehlte, was einem Anstieg um 9 Prozentpunkte gegenüber 2018 entspricht. Über 40% der Achtklässler gelten demnach bei computer- und informationsbezogenen Kompetenzen als schwach.

Gleichzeitig verändern digitale Medien die Aufmerksamkeit im Unterricht. Laut PISA 2022 sind 28% der Jugendlichen in Deutschland in den meisten oder allen Mathematikstunden durch eigene digitale Endgeräte abgelenkt, 27% durch die Geräte ihrer Mitschüler.

Während die JIM-Studie 2025 zeigt, dass 74% der 12- bis 19-Jährigen generative Künstliche Intelligenz für Hausaufgaben oder das Lernen einsetzen, weist eine Bitkom-Erhebung darauf hin, dass mehr als ein Viertel der Jugendlichen angibt, an ihrer Schule gebe es überhaupt keine Regeln für den Umgang mit KI.

Alternative Bewertungsmodelle und Lernorte

Vor diesem Hintergrund gewinnen Modelle an Bedeutung, die den Leistungsdruck mindern und Lernprozesse anders strukturieren sollen. Das Ohio State University College of Medicine setzt in den ersten zwei Jahren des Medizinstudiums auf eine Bewertung nach einem Pass/Fail-Prinzip ohne numerische Noten, gekoppelt an feste Kompetenzstandards.

Dr. Mark Katz, Vize-Dekan für Bildung, erläuterte, dass das System den Fokus auf das eigentliche Lernen und klinische Fertigkeiten lenke, Stress reduziere und das Lernumfeld verbessere, wenngleich es die Fortschrittsmessung erschwere und Motivationsprobleme bergen könne.

Anzeige

Ein Viertel der Kinder zeigt psychische Auffälligkeiten, viele fühlen sich in der Schule wenig wohl — und wünschen sich mehr Mitsprache. Dieser Leitfaden zeigt Eltern, wie sie Lernmotivation fördern, Medienzeiten sinnvoll regeln und das Selbstvertrauen ihres Kindes stärken. Lernmotivation-Leitfaden für Eltern jetzt sichern

Einen anderen Weg zur Steigerung der Selbstwirksamkeit verfolgt das 2022 gestartete Projekt „Lernen neu denken“ in Dortmund, an dem sechs Grundschulen und eine Förderschule teilnehmen. Klassen werden wöchentlich geteilt, sodass eine Gruppe regulären Unterricht erhält, während die andere Lernbauernhöfe sowie Natur- und Kulturangebote nutzt.

Die wissenschaftliche Begleitung durch die Fachhochschule Dortmund unter Leitung von Prof. Dr. Michael Boecker beobachtet dabei positive Auswirkungen auf soziale Kompetenzen, Teamfähigkeit und Selbstwirksamkeit der beteiligten Kinder.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70306401 |