PISA 2025: Lesekompetenz fällt um 28 Punkte – Krise in OECD-Ländern
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 16:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der im September 2026 veröffentlichten PISA-Studie 2025 (Band I) hat die OECD die Kompetenzen von rund 760.000 Schülern aus 91 Ländern untersucht. Die Ergebnisse verdeutlichen einen weitreichenden Wandel in der globalen Bildungslandschaft und weisen auf erhebliche Herausforderungen bei der Vermittlung kognitiver Kernkompetenzen hin.
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher betonte im Zuge der Veröffentlichung, dass effektives Lernen sowohl geistige Anstrengung als auch Reibung benötige. Er mahnte an, dass Schulen verstärkt kritisches Denken fördern müssten, anstatt sich primär auf die Vermittlung von Fertigwissen zu konzentrieren.
Abwärtstrends in mathematischen und leserlichen Kompetenzen
Die Daten der OECD zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Leistungsentwicklung über die letzten zehn Jahre. Während die Leistungen in den Naturwissenschaften global weitgehend stabil blieben, verzeichnete die Studie in der Mathematik einen Rückgang um 22 Punkte im Zeitraum von 2015 bis 2025. Im Bereich Lesekompetenz sank das Niveau in den OECD-Staaten um 28 Punkte, während in Nicht-OECD-Ländern ein Rückgang von 16 Punkten gemessen wurde.
Weltweit werden rund 20 Prozent der Schüler als leistungsschwach eingestuft, was eine Verschlechterung gegenüber dem Jahr 2022 darstellt, in dem dieser Anteil noch bei 16 Prozent lag.
An der Spitze der internationalen Rangliste stehen Estland, Japan, Korea und Singapur. Insbesondere China, repräsentiert durch die Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, dominiert den naturwissenschaftlichen Bereich; dort finden sich 27 Prozent der leistungsfähigsten Naturwissenschaftler aller untersuchten Länder. Positive Entwicklungen wurden zudem in Costa Rica und der Türkei registriert.
Ergebnisse für Deutschland und die Schweiz im Detail
Für Deutschland dokumentieren Berichte vom 8. September 2026 die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Erhebungen. In den Naturwissenschaften erreichte das Land 486 Punkte (ein Minus von 7 Punkten gegenüber 2022), beim Lesen 465 Punkte (-15) und in der Mathematik 464 Punkte (-11).
Besonders deutlich zeigt sich die Krise bei der Lesekompetenz: 32 Prozent der deutschen Schüler erreichen nicht die Kompetenzstufe 2. Zudem gelten 20,7 Prozent der Jugendlichen in Deutschland in allen untersuchten Bereichen als leistungsschwach.
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Fachleute weisen darauf hin, dass hohe Bildungsausgaben allein keine Erfolgsgarantie bieten und der Bildungserfolg hierzulande weiterhin stark vom Elternhaus abhängt.
Die Schweiz hingegen liegt mit 501 Punkten in den Naturwissenschaften, 470 Punkten im Lesen und 499 Punkten in der Mathematik über dem OECD-Durchschnitt (482/461/463).
Besonders im modellbasierten Problemlösen erzielten die 7.600 getesteten Schweizer Jugendlichen mit 520 Punkten ein Ergebnis deutlich über dem Schnitt von 500 Punkten. Dennoch wird auch in der Schweiz der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Resultate als Faktor genannt.
Die Rolle digitaler Medien und künstlicher Intelligenz
Ein zentraler Aspekt der aktuellen Analyse ist der Einfluss der Digitalisierung. Laut OECD hat sich das flüchtige Lesen zwischen 2018 und 2025 global verdoppelt. Zudem gaben 28 Prozent der Schüler an, durch digitale Geräte abgelenkt zu werden; in Deutschland liegt dieser Wert bei rund 33 Prozent.
Die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) ist bereits weit verbreitet: 46 Prozent der OECD-Schüler nutzen KI-Tools wöchentlich, in Deutschland sind es 50 Prozent.
Andreas Schleicher wies jedoch darauf hin, dass eine KI-Nutzung speziell für schulische Aufgaben oft mit schlechteren Ergebnissen korreliere. In Österreich wurde beobachtet, dass mehr als 60 Prozent der Schüler bei der Entscheidungsfindung eher ihrem Bauchgefühl als faktischer Evidenz vertrauen.
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Strukturelle Defizite und Forderungen nach Systemreformen
Bildungsforscher sehen die Ursachen für die rückläufigen Trends nicht allein in den Folgen der Corona-Pandemie. Wie aus Analysen vom September 2026 hervorgeht, spielen soziale Ungleichheit, mangelnde Sprachförderung und ein allgemeiner Reformstau eine entscheidende Rolle. Der Psychologe und Bildungsforscher Greiff identifizierte zudem den hohen Smartphone-Konsum als einen weltweiten Einflussfaktor.
Expertinnen wie Silke Müller fordern angesichts der Datenlage eine grundlegende Transformation des Bildungssystems. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören ein Staatsvertrag für Bildung, verpflichtende Fortbildungen und eine umfassende Medienbildung bereits ab der ersten Grundschulklasse.
Auch die Einführung eines adaptiven Unterrichts, wie von der Bildungswissenschaftlerin Hanna Dumont empfohlen, wird als Lösung für den Umgang mit heterogenen Klassenverbänden diskutiert. Lehrerverbände plädieren zudem für längeres gemeinsames Lernen und eine verstärkte Teamarbeit nach Vorbildern wie Estland oder Singapur.
