PISA, Basiskompetenzen

PISA 2025: Ein Drittel der 15-Jährigen verfehlt Basiskompetenzen

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die OECD meldet sinkende Leistungen in Mathematik und Lesen. Deutschland verzeichnet in allen drei PISA-Bereichen die niedrigsten Werte seit Beginn.

PISA 2025: Deutschlands Schüler erreichen Tiefstwerte in allen Fächern
Ein leerer, minimalistisch gestalteter Klassenraum mit Holzmöbeln in natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 durch die OECD am 8. September 2026 liefert eine umfassende Bestandsaufnahme der kognitiven Grundkompetenzen von Jugendlichen weltweit.

Mit einem Testumfang von 760.000 Schülern aus 91 Ländern bietet das Datenmaterial eine fundierte Basis, um die Entwicklung in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften über das letzte Jahrzehnt zu bewerten.

Während die Leistungen in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt stabil blieben, verzeichnet die Organisation in der Mathematik einen Rückgang um 22 Punkte und beim Lesen um 28 Punkte im Vergleich zum Zeitraum von 2015 bis 2025.

Historischer Tiefstand bei den Kernkompetenzen

Für das deutsche Bildungssystem markieren die im September 2026 vorgestellten Daten einen historischen Tiefpunkt. Die getesteten 6.659 Schüler an 245 Schulen in Deutschland erreichten in allen drei Kernbereichen die schlechtesten Ergebnisse seit Beginn der PISA-Erhebungen.

Mit 486 Punkten in den Naturwissenschaften, 465 Punkten im Lesen und 464 Punkten in der Mathematik liegen die Werte teils deutlich unter den Ergebnissen früherer Jahre. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 erzielten deutsche Schüler noch 524 Punkte in den Naturwissenschaften, 514 Punkte in der Mathematik und 508 Punkte im Lesen.

Besonders kritisch bewerten Experten die Zunahme leistungsschwacher Schüler. Rund ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland erreicht in den Bereichen Lesen und Mathematik nicht die notwendigen Basiskompetenzen, in den Naturwissenschaften trifft dies auf ein Viertel zu.

Seit 2015 ist der Anteil leistungsschwacher Schüler in der Mathematik um 17 Prozentpunkte gestiegen, im Lesen um 15 und in den Naturwissenschaften um 10 Prozentpunkte. Gleichzeitig wird beobachtet, dass die Leistungsspitze schrumpft.

Digitalisierung und die Herausforderungen der Konzentration

In der neuen Kategorie „Lernen in der digitalen Welt“ erreichte Deutschland eine Punktzahl von 498 und liegt damit annähernd im OECD-Durchschnitt von 500 Punkten. Die Daten zeigen eine hohe Durchdringung digitaler Werkzeuge im Alltag: 50 Prozent der Schüler nutzen wöchentlich KI-Chatbots.

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Jedoch scheint die digitale Präsenz auch negative Effekte auf die Lernkonzentration zu haben. Ein Drittel der deutschen Schüler berichtete von Ablenkungen durch digitale Geräte, was über dem OECD-Schnitt von 28 Prozent liegt. Ein globaler Trend zeigt zudem, dass sich das flüchtige Lesen im Zeitraum von 2018 bis 2025 verdoppelt hat.

Strukturelle Defizite und ökonomische Langzeitfolgen

Die Analyse identifiziert mehrere Ursachen für die negative Entwicklung, darunter die Auswirkungen der Corona-Pandemie, Zuwanderung, soziale Ungleichheit sowie eine unzureichende frühe Sprachförderung. Ein wesentlicher struktureller Faktor ist der Lehrermangel.

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In Deutschland sind 52 Prozent der Schüler hiervon betroffen, während der OECD-Durchschnitt bei 39 Prozent liegt. Zudem bleibt die soziale Herkunft in Deutschland ein stark leistungsbestimmender Faktor; die soziale Ungleichheit im Bildungswesen ist ausgeprägter als im Schnitt der OECD-Länder.

Das Ifo-Institut warnt vor den langfristigen ökonomischen Konsequenzen dieser Bildungsdefizite. Berechnungen zufolge ergeben sich daraus Einkommensverluste, die für den Zeitraum seit 2022 auf 3 bis 4 Prozent und für den Zeitraum seit 2018 auf 9 bis 10 Prozent beziffert werden.

Studienleiter Greiff bezeichnete den Lernverlust als dramatisch und betonte, dass zusätzliche finanzielle Mittel allein nicht ausreichten. Er forderte eine datenbasierte Unterrichtsentwicklung sowie eine gezielte Förderung an Brennpunktschulen.

Bildungspolitische Reaktionen und Lösungsansätze

Die Politik reagiert mit verschiedenen Ansätzen auf die Ergebnisse. Bildungsministerin Prien bezeichnete die Befunde als besorgniserregend, verwies jedoch auf bereits bestehende Pläne. In Hessen wurde ein Bildungschancenpaket angekündigt, das ab dem Schuljahr 2027/28 einen Medienführerschein und ab 2028/29 eine zusätzliche Deutschstunde sowie tägliche Lesezeiten und Mathematikförderung vorsieht.

Überregionale Forderungen umfassen einen nationalen Bildungsgipfel, für den sich unter anderem Politiker wie Hose (CDU), Schmidt (SPD) und Reichardt (AfD) aussprachen. Bildungsexperten wie Silke Müller plädieren zudem für einen Staatsvertrag für Bildung und eine verpflichtende Medienbildung bereits ab der ersten Klasse, um den Bildungsföderalismus in seiner jetzigen Form zu überwinden und der wahrgenommenen Bildungskatastrophe entgegenzuwirken.

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