Pisa 2025: Ein Drittel der 15-Jährigen scheitert an Grundkompetenzen
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 05:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte über kognitive Förderung und die Leistungsfähigkeit des Schulsystems gewinnt durch neue technologiebasierte Ansätze an Dynamik. Vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen über schulische Leistungen haben die Stadt Stuttgart und die Universität Tübingen eine auf drei Jahre angelegte Kooperation geschlossen.
Im Zentrum dieses Pilotprojekts steht der Einsatz künstlicher Intelligenz direkt im Unterricht, um Lernprozesse individueller und zielgerichteter zu gestalten.
Adaptive Lernsysteme für individuelle Förderung
Kern der dreijährigen Zusammenarbeit sind adaptive Lernsysteme des Tübinger Zentrums für Digitale Bildung (TüCeDE). Diese Systeme zielen darauf ab, Lerninhalte dynamisch an die Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler anzupassen. Aufgabenstellungen sowie das individuelle Lerntempo werden durch die Software kontinuierlich analysiert und entsprechend nachjustiert.
Das Vorhaben dient als direkte Reaktion auf die Ergebnisse der Pisa-Studie. Bildungsbürgermeisterin Fezer (FDP) erklärte dazu, dass niemand so schnell auf die Befunde der Pisa-Erhebungen reagiere wie die Stadt Stuttgart.
Durch den Einsatz im Klassenzimmer soll erforscht werden, inwiefern softwaregestützte Methoden dazu beitragen können, kognitive Basiskompetenzen gezielter zu stärken und Lehrkräfte bei der Differenzierung im Unterricht zu unterstützen.
Der Kontext der bundesweiten Leistungsdaten
Die Notwendigkeit neuer Förderansätze wird durch Leistungsvergleiche unterstrichen. Daten der Pisa-Erhebung 2025 vom 14. September 2026 zeigen deutliche Defizite im Bildungssystem: Demnach verfehlt rund ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland die Grundkompetenzstufe.
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Lediglich 8 Prozent erreichen die höchste mathematische Kompetenzstufe, während dieser Wert im internationalen Vergleich, etwa in Singapur, bei 37 Prozent liegt. Zudem gaben 33 Prozent der deutschen Schüler an, häufig durch die digitale Nutzung von Mitschülern abgelenkt zu werden, obwohl 64 Prozent eine Schule mit Handyverbot besuchen.
Auf nationaler Ebene ordnet auch der Bildungsmonitor 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die Ausgangslage ein. In der für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellten Untersuchung belegt Baden-Württemberg gemeinsam mit Hamburg einen Platz in der Spitzengruppe, hinter Sachsen auf Rang eins und Bayern auf Rang zwei.
Dennoch sank das Leistungsniveau laut der auf 98 Indikatoren basierenden Untersuchung über alle Bundesländer hinweg. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben bezeichnete die Situation als Armutszeugnis für den Bildungsstandort Deutschland.
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Strukturfragen und Rahmenbedingungen
Neben technologischen Ansätzen wie dem Stuttgarter Projekt bleibt die Ausgestaltung der Lernumgebung ein zentraler Diskussionspunkt. In Baden-Württemberg zeigt sich bei den schulischen Rahmenbedingungen eine stagnierende Entwicklung: Zwischen den Schuljahren 2020/21 und 2024/25 verfügten lediglich knapp 30 Prozent der Grundschulen über ein Ganztagsangebot.
Ein verbindlicher Ganztag bestand dabei nur an gut 3 Prozent der Schulen. Zuletzt wurden im Bundesland 102 neue Ganztagsstandorte genehmigt, von denen lediglich 21 verbindlich geführt werden, während Kultusminister Jung (CDU) mehr Bildungsangebote am Nachmittag anstrebt.
Das Stuttgarter Pilotprojekt mit der Universität Tübingen setzt in diesem Spannungsfeld an der kognitiven Unterrichtsgestaltung selbst an. Über die dreijährige Laufzeit soll sich zeigen, inwieweit softwaregestützte adaptive Systeme kognitive Überlastungen mindern, Wissenslücken schließen und praxistaugliche Impulse für den Schulalltag liefern können.
