PISA 2025: Deutsche Schüler erreichen Tiefststand in Lesen und Mathe
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 15:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts sinkender Leistungen in internationalen Vergleichsstudien rücken neue Lernkonzepte zur gezielten Förderung kognitiver Basiskompetenzen verstärkt in den Fokus von Schulen und Volkshochschulen. Aktuelle Ansätze setzen dabei auf diagnostikgestützte Gruppen sowie tägliche Leseübungen, um strukturelle Defizite in der Grundbildung frühzeitig zu adressieren.
Programme zur Kompensation von Lernrückständen
Ein zentrales Element dieser Entwicklung ist das Programm „Lesen mit dem Turbo-Team“. Berichten vom September 2026 zufolge nehmen derzeit rund 6.000 Kinder an 120 Schulen – primär in den Klassenstufen eins bis vier – an diesem Vorhaben teil. Das Konzept umfasst 80 Level mit einer jeweiligen Dauer von 30 bis 60 Minuten.
Ziel ist es, bestehende Lernrückstände von etwa einem halben Jahr innerhalb eines Zeitraums von sechs bis zwölf Wochen aufzuholen. Nach Angaben der Stiftung Lesen verlässt aktuell jedes vierte Kind die Grundschule, ohne über ausreichende Lesekompetenzen zu verfügen.
In Kommunen wie Augsburg werden bereits spezifische Infrastrukturen genutzt. Dort verfügen 13 von 30 städtischen Grundschulen über sogenannte Lese-Inseln. Die Grundschule Kriegshaber belegte in diesem Kontext mit 7.407 Ausleihen bundesweit den ersten Platz, gefolgt von weiteren lokalen Schulen wie der Fröbel-Grundschule auf Rang vier.
Regionale Förderstrategien und personelle Rahmenbedingungen
In Baden-Württemberg wird das Sprachförderprogramm „SprachFit“ massiv ausgebaut. Die Anzahl der Fördergruppen soll von 981 auf bis zu 2.000 steigen, um bis zu 18.000 Kinder zu erreichen. Zudem ist die Erweiterung der Juniorklassen von derzeit 280 auf 832 bis zum Schuljahr 2028/2029 geplant.
Zum Stichtag am 28. August 2026 waren im Bundesland 5.050 Lehrerstellen besetzt, was eine leichte Steigerung zum Vorjahr darstellt, während die Schülerzahlen an Grundschulen auf rund 400.000 anstiegen.
Hessen verfolgt ein Bildungspaket im Umfang von 50 Millionen Euro, das für das Jahr 2026 Bildungsausgaben von insgesamt 6,2 Milliarden Euro vorsieht. Damit sollen unter anderem 680 neue Lehrerstellen sowie 200 Stellen für Brennpunktschulen finanziert werden.
Ab 2027 soll zudem das Fach „KI und digitale Welt“ als einstündiges Pflichtfach an allen 600 weiterführenden Schulen eingeführt werden. In Rheinland-Pfalz wurden indes verbindliche Sprachtests für Kinder im Alter von viereinhalb Jahren angekündigt.
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Bundespolitische Weichenstellungen und finanzielle Ressourcen
Das Bundeskabinett hat das „KiTa-Startchancen- und -Qualitätsentwicklungsgesetz“ beschlossen. Dieses sieht bundesweit einheitliche Tests für Vierjährige in den Bereichen Sprache, Bewegung und Entwicklung vor, wobei erste Regelungen ab 2027 greifen sollen. Der Bund stellt den Ländern hierfür bis zum Jahr 2034 rund 9,25 Milliarden Euro zur Verfügung.
Gleichzeitig verweisen Verbände auf erhebliche Herausforderungen. Der Paritätische Gesamtverband beziffert den Mangel an pädagogischen Beschäftigten auf rund 107.000 Personen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert zudem den geplanten Bundeshaushalt 2027, der für das Bildungsministerium 15,48 Milliarden Euro vorsieht, nachdem es 2026 noch 16,66 Milliarden Euro waren.
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Ergebnisse der PISA-Studie 2025 als Referenzrahmen
Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen wird durch die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 unterstrichen, die im September 2026 veröffentlicht wurden. 15-Jährige in Deutschland erreichten mit 465 Punkten im Lesen, 464 Punkten in Mathematik und 486 Punkten in den Naturwissenschaften die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebungen. Rund ein Drittel der Jugendlichen verfehlt demnach die Mindeststandards in Lesen und Mathematik.
Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des VBE, verwies darauf, dass nur 18 Prozent der Schüler an Schulen ohne Lehrkräftemangel lernten. Er nannte die digitale Umgebung, den Personalmangel und eine abnehmende Unterstützung im Elternhaus als Hauptursachen für die Zunahme eines flüchtigen Lesens ohne tieferes Verständnis.
Zudem belegen die PISA-Daten, dass der soziale Hintergrund den Bildungserfolg in Deutschland weiterhin stark beeinflusst; der Leistungsabstand zwischen begünstigten und benachteiligten Jugendlichen liegt bei 125 Punkten, während der OECD-Durchschnitt 85 Punkte beträgt.
