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PISA 2025: Deutsche Schüler erreichen historischen Tiefstand

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die PISA-Ergebnisse 2025 zeigen sinkende Leistungen in Deutschland, starke Herkunftseffekte und einen wachsenden Einfluss digitaler Technologien.

PISA 2025: Deutschlands Schüler erreichen neue Tiefstwerte
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit leeren Holztischen und Stühlen vor einer leeren Schultafel. Illustration mit AI erstellt.

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 (Band I) verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung der globalen und nationalen Bildungsstandards. Laut dem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom 8. September 2026 wurden rund 760.000 Schüler aus 91 Ländern getestet.

Während die Leistungen in den Naturwissenschaften weitgehend stabil blieben, verzeichnete der OECD-Durchschnitt in Mathematik zwischen 2015 und 2025 einen Rückgang um 22 Punkte, im Bereich Lesen sogar um 28 Punkte. Der Anteil der in allen Bereichen leistungsschwachen Schüler stieg von 16 % im Jahr 2022 auf nunmehr 20 %.

Historischer Tiefstand für das deutsche Bildungssystem

Für Deutschland markiert die Untersuchung einen neuen Tiefpunkt. Wie aus dem Bericht vom 8. September 2026 hervorgeht, erreichten deutsche 15-Jährige mit 486 Punkten in den Naturwissenschaften, 465 Punkten im Lesen und 464 Punkten in der Mathematik die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA-Erhebungen. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lagen diese Werte noch bei 492, 480 und 475 Punkten.

Besonders kritisch wird die Situation bei den Basiskompetenzen bewertet. Jeweils ein Drittel der deutschen Schüler erreicht in den Bereichen Lesen und Mathematik nicht das erforderliche Grundniveau.

In den Naturwissenschaften verfehlt ein Viertel die Basiskompetenzen, während über 20 % der Schüler in allen drei Testbereichen unter den Mindestanforderungen bleiben. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich nur noch im Mittelfeld; allein in den Naturwissenschaften schneiden 14 OECD-Staaten besser ab als die Bundesrepublik.

Die Rolle der sozialen Herkunft und internationale Vorbilder

Ein zentraler Befund des Berichts ist der starke Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg in Deutschland. Nur zwei von 100 Schülern aus benachteiligten Verhältnissen gelten als leistungsstark, während es bei privilegierten Familien 25 % sind. Dieser Zusammenhang zwischen Herkunft und Leistung ist in Deutschland dreimal stärker ausgeprägt als beispielsweise in Kanada.

International konnten sich Estland, Japan, Korea und Singapur als Spitzenreiter behaupten. PISA-Koordinator Andreas Schleicher hob hervor, dass allein vier Regionen in China (Peking, Shanghai, Jiangsu, Zhejiang) 27 % der weltweit leistungsfähigsten Naturwissenschaftler stellen.

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Positiv hervorgehoben wurden zudem die Türkei, die durch gezielte Förderung armer Regionen Fortschritte erzielen konnte, sowie Kanada, dem eine bessere Integration von Migranten gelinge.

Digitalisierung und der Einfluss Künstlicher Intelligenz

Die Studie beleuchtete zudem den Einfluss digitaler Technologien. Zwischen 2018 und 2025 hat sich das Phänomen des flüchtigen Lesens global verdoppelt.

In Deutschland nutzen bereits 50 % der Schüler wöchentlich KI-Chatbots, während der OECD-Schnitt bei 46 % liegt. Dabei wurde beobachtet, dass eine intensivere Nutzung von Künstlicher Intelligenz mit geringeren Kompetenzen korreliert. Ein Drittel der Schüler gab an, durch digitale Werkzeuge im Unterricht abgelenkt zu werden.

Der Virologe Hendrik Streeck forderte angesichts dieser Entwicklungen Beschränkungen für soziale Medien. Kinder, die bereits im Alter von 11 oder 12 Jahren soziale Medien intensiv nutzen, würden in ihrer späteren Entwicklung bis zu einem halben Schuljahr zurückliegen.

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Wirtschaftliche Konsequenzen und Reformforderungen

Bildungsökonom Ludger Wößmann vom ifo-Institut warnte vor den ökonomischen Folgen des Bildungsrückgangs. Die Verluste seit 2022 entsprächen einem künftigen Einkommensverlust von 3 bis 4 %, bezogen auf 2018 sogar von 9 bis 10 %.

Eine Verbesserung des Bildungssystems könnte laut Wößmann über einen Zeitraum von 80 Jahren ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt von 21 Billionen Euro generieren.

Bildungsministerin Karin Prien bezeichnete die Resultate als dramatisch und betonte, dass das gesellschaftliche Aufstiegsversprechen derzeit nicht funktioniere. Bildungsforscher wie Samuel Greiff sehen die Ursachen unter anderem in mangelnder Sprachförderung und fehlender Reformkontinuität.

Experten fordern daher ein Sofortprogramm, das tägliche Lesezeiten, eine Stärkung des Deutsch- und Mathematikunterrichts sowie eine gezielte Unterstützung von Brennpunktschulen umfasst. Geld allein, so die Einschätzung der Forscher, werde ohne strukturelle Veränderungen und frühkindliche Förderung nicht ausreichen, um den Negativtrend umzukehren.

Mehr zum Thema bei FAZ: „PISA-Studie 2025: Deutsche Schüler schneiden so schlecht ab wie nie zuvor“

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