Pilzvergiftungen: Bis zu 680 Klinikfälle pro Jahr
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 07:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPilzvergiftungen und ihre Folgen
- Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt jährlich etwa 280 bis 680 stationäre Behandlungen.
- Das Giftinformationszentrum Nord erfasste von 2022 bis 2025 jeweils 10 bis 24 schwere Fälle.
- Das BfR baut ein zentrales Vergiftungsregister für einen besseren bundesweiten Überblick auf.
Deutschland verzeichnet jährlich Hunderte Pilzvergiftungen
In Deutschland werden pro Jahr etwa 280 bis 680 Menschen stationär behandelt, weil sie sich an Pilzen vergiftet haben. Todesfälle sind deutlich seltener, doch besonders der Grüne Knollenblätterpilz kann bei Verwechslungen lebensgefährliche Leberschäden verursachen.
Behörden erfassen unterschiedliche Fallgruppen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist auf die Gesundheits-Berichterstattung des Bundes, die für die vergangenen zehn Jahre jährlich 280 bis 680 stationäre Behandlungen ausweist. Todesfälle mit der Diagnose Pilzvergiftung lagen demnach pro Jahr zwischen null und sieben.
Giftzentren melden schwere Verläufe
Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen zählte von 2022 bis 2025 jährlich 10 bis 24 schwere Pilzvergiftungen sowie bis zu zwei Todesfälle. In Deutschland gibt es sieben Giftinformationszentren.
Nach Angaben des BfR gehen beim GIZ Nord etwa ein Siebtel aller Anfragen aus den deutschen Zentren ein. Hochgerechnet ergeben sich daraus 70 bis knapp 170 schwere Vergiftungsfälle pro Jahr, die als Anfragen in den Zentren beraten werden, sowie bis zu 14 Todesfälle.
Pilzjahre lassen Zahlen schwanken
Die Fallzahlen unterscheiden sich von Jahr zu Jahr und können regional stark variieren. Nach Einschätzung des BfR spielen die Standortbedingungen verschiedener Giftpilze und die Wetterbedingungen eine Rolle.
In sogenannten Pilzjahren wachsen besonders viele Pilze, wodurch auch die Wahrscheinlichkeit von Verwechslungen und Vergiftungen steigen kann. Zudem dürfte es eine Dunkelziffer geben, weil nicht jeder Betroffene ein Krankenhaus aufsucht oder ein Giftinformationszentrum kontaktiert.
Register soll bundesweite Übersicht schaffen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung baut ein zentrales Vergiftungsregister auf. Es soll helfen, die Daten zu Pilzvergiftungen künftig bundesweit besser zusammenzuführen.
Experten warnen vor ähnlichen Arten
Yuri Bruinen de Bruin, Leiter des Nationalen Vergiftungsregisters am BfR, warnt vor giftigen Pilzen, die essbaren Arten ähnlich sehen. Als beliebte Speisepilze nennt die Behörde unter anderem Wiesenchampignon und Frauentäubling, die mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz verwechselt werden können.
Die Giftstoffe des Grünen Knollenblätterpilzes können zu Leberversagen führen; schon geringe Mengen können tödlich sein. Kinder und ältere Menschen gelten als besonders gefährdet. Mögliche Symptome sind Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen.
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Pilzvergiftungen sind in Deutschland gemessen an der Bevölkerungszahl selten, können aber besonders bei Verwechslungen schwer verlaufen. Die Spannweite der Krankenhausbehandlungen zeigt zugleich, dass einzelne Jahre deutlich unterschiedlich ausfallen. Wetter, regionale Pilzvorkommen und die Zahl der Menschen, die sammeln, beeinflussen das Risiko.
Eine besondere Gefahr geht von Pilzen aus, die essbaren Arten ähneln. Der Grüne Knollenblätterpilz kann mit beliebten Speisepilzen verwechselt werden; seine Giftstoffe können schwere Leberschäden verursachen. Kinder und ältere Menschen reagieren häufig empfindlicher, weshalb bei ihnen bereits geringe Mengen problematisch sein können.
Register soll Datenlage verbessern
Die genannten Zahlen bilden nicht alle Vergiftungen ab. Fälle ohne Krankenhausaufnahme oder ohne Kontakt zu einem Giftinformationszentrum bleiben in der Statistik unberücksichtigt. Das geplante zentrale Vergiftungsregister soll künftig ein genaueres bundesweites Bild ermöglichen.
Für Pilzsammler bedeutet das: Nur eindeutig bestimmte Exemplare gehören in den Korb. Bei Beschwerden nach dem Verzehr sind Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen ernst zu nehmen; medizinische Hilfe und die Beratung durch ein Giftinformationszentrum können entscheidend sein. Kindern und älteren Menschen sollte grundsätzlich kein selbst gesammelter Pilz angeboten werden, wenn die Art nicht zweifelsfrei bestimmt ist.
