Pilzvergiftung: Symptome des Knollenblätterpilzes oft erst nach 6 bis 24 Stunden
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Pilzsaison hat begonnen, doch Trockenheit dämpft in weiten Teilen Deutschlands die Erwartungen der Sammler. Gleichzeitig mahnen Fachleute zu erhöhter Vorsicht bei der Bestimmung, da Verwechslungen mit giftigen Doppelgängern schwere gesundheitliche Folgen haben können.
Keine Allgemeinregeln beim Bestimmen
Die Biologin Rita Lüder betont, dass es beim Pilzesammeln keine verlässlichen Faustregeln gebe – tödlich giftige Arten könnten durchaus mild schmecken. Anfängern rät sie daher grundsätzlich davon ab, Pilze mit weißen Lamellen zu sammeln, da darunter tödlich giftige Doppelgänger des Champignons zu finden sind.
Als vergleichsweise sicher gelten dagegen Maronen, Steinpilze sowie Röhren- und Schwammpilze. In Deutschland existieren rund zehn tödlich giftige Pilzarten; allein der Grüne Knollenblätterpilz fordert im Schnitt etwa zehn Todesfälle pro Jahr. Kontaktgiftige Pilze gibt es hingegen nicht.
Zu den empfohlenen Speisepilzen zählen neben Maronen und Steinpilzen auch Pfifferlinge, Parasolpilze, Krause Glucke und Riesenbovist. Wichtig ist dabei stets: Nur Pilze verzehren, die zu 100 Prozent sicher bestimmt wurden.
Die Pilzberaterin Ria Bütow warnt zudem ausdrücklich vor Bestimmungs-Apps als alleiniger Grundlage – diese hätten bereits wiederholt zu Vergiftungen geführt. Auch die Nutzung von KI könne die eigene Verantwortung nicht ersetzen.
Ein praktisches Beispiel für Verwechslungsgefahr liefert der Gallenröhrling, der dem Steinpilz ähnelt, sich aber am Stielnetz unterscheiden lässt: schwarz auf hellem Grund statt hell auf bräunlichem Grund. Er ist zwar nicht giftig, schmeckt aber bitter. Der Karbol-Champignon dagegen ist giftig und verrät sich, indem sich sein Hut beim Anritzen sofort gelblich verfärbt.
Vergiftungssymptome und richtiges Verhalten
Besonders tückisch ist der Grüne Knollenblätterpilz, weil erste Vergiftungssymptome oft erst sechs bis 24 Stunden nach dem Verzehr auftreten. Im Vergiftungsfall gilt der Giftnotruf beziehungsweise die Notrufnummer 112 als erste Anlaufstelle. Wildpilze sollten grundsätzlich mindestens 15 Minuten, nach anderen Angaben 15 bis 20 Minuten, durchgegart werden.
Als Obergrenze für den Verzehr wird ein Richtwert von etwa 250 Gramm pro Woche empfohlen. Vor der Zubereitung sollten Pilze gründlich, aber vorsichtig gereinigt werden: Stark verschmutzte Exemplare kurz abspülen und gut abtrocknen, längeres Einweichen vermeiden und das untere Stielende abschneiden.
Radioaktive Belastung: Entwarnung nach Jahrzehnten
Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz untersuchte 49 Wildpilzproben auf Cäsium-137. Keine Probe überschritt den gesetzlichen Höchstwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse. Der höchste gemessene Wert lag bei 218 Becquerel pro Kilogramm bei Semmelstoppelpilzen aus dem Raum Börfink im Hunsrück, im Pfälzerwald bei 77,9 Becquerel pro Kilogramm bei Maronen aus dem Raum Ramstein-Miesenbach.
In den Jahren 2022 bis 2024 lagen die höchsten gemessenen Werte zwischen 111 und 211 Becquerel pro Kilogramm – Cäsium-137 aus der Zeit nach Tschernobyl bleibt demnach auch Jahrzehnte später in einzelnen Waldgebieten nachweisbar.
Dennoch besteht laut den Behörden keine gesundheitliche Gefährdung, weshalb das Untersuchungsprogramm eingestellt wird. Eine der 49 untersuchten Proben stammte zudem von einem giftigen Pilz; die Analysen führte das Institut für Lebensmittelchemie Speyer durch.
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Schwache Saison durch Trockenheit
Wegen anhaltender Trockenheit erwarten Fachleute in Rheinland-Pfalz eine eher schwache Pilzsaison. Nach wochenlanger Sommerdürre sind vielerorts die Waldböden ausgetrocknet, besonders im Süden Deutschlands – in Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz.
Der Pilzsachverständige Thomas Lehr aus Hofheim im Taunus beschrieb das Rhein-Main-Gebiet bei sommerlichen Temperaturen um 25 Grad als knochentrocken. Auch der Landesbund für Vogel- und Naturschutz, das Bayerische Landesamt für Umwelt und die Universität Bayreuth melden ungewöhnlich wenige Pilze in Bayern.
Der Pilzsachverständige Alex Maier aus Fulda geht davon aus, dass Steinpilze in dieser Saison selten sein könnten. Für eine spürbare Verbesserung wären nach Einschätzung von Fachleuten zwei bis drei Wochen anhaltender Regen nötig.
Auch die Pilzsaison in Hessen startete schwach; die Hauptsaison für Speisepilze liegt üblicherweise im Oktober und endet etwa Anfang November. Maier berichtet inzwischen von einer leichten Verbesserung, vor allem in höheren Lagen der Rhön.
Die Pilzberaterin Irmtraut Lampert aus Darmstadt weist darauf hin, dass es im Odenwald durchaus ergiebige Ecken gebe, und empfiehlt als Alternative Material abbauende Pilze an Bäumen wie Krause Glucke, Austernseitlinge und Schwefelporlinge.
Zur Einschätzung der Bodenfeuchtigkeit dienen unter anderem die Messstationen des Deutschen Wetterdienstes am Kleinen Feldberg, in Darmstadt und in Bad Nauheim. Trockenjahre wie das aktuelle treten laut Fachleuten infolge der Klimakrise häufiger auf; als Tipps für Sammler gelten dauerhaft feuchte oder moorige Stellen sowie die Nordseite des Waldes.
Führungen, Ausstellungen und weitere Empfehlungen
Wer sich unsicher fühlt, kann auf geführte Angebote zurückgreifen. Die AOK Hessen bietet eine kostenlose Pilzlehrwanderung im Naturpark Taunus bei Kelkheim an, Ende Oktober folgt der Pilztag von Hessen Forst im Wildpark „Alte Fasanerie“ in Hanau mit Frischpilzausstellung.
In Rostock findet die 48. Landespilzausstellung im Botanischen Garten statt, mit über 250 heimischen Pilzsorten und einer Pilzberatung am Wochenende von 14 bis 18 Uhr.
Die Stadt Wetzlar lädt zu einer naturkundlichen Pilzexkursion unter Leitung des Pilzsachverständigen Harald Zühlsdorf ein, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum als Pilzberater der Stadt begeht; gesammelt wird bei dieser Führung nicht, sondern nur beobachtet.
In der Dübener Heide zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt bietet die Pilzexpertin Christina Kiesewetter geführte Touren an, die teils bereits ausgebucht sind; Zielarten sind dort Steinpilz, Pfifferling und Krause Glucke.
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Übergreifend gilt die Empfehlung, überalterte oder sehr große Pilze zu meiden und ausschließlich Exemplare zu verzehren, die zweifelsfrei bestimmt wurden. Ergänzend weisen Ernährungsfachleute darauf hin, dass Speisepilze wie Champignons, Shiitake oder Austernpilze kalorienarm sind und B-Vitamine, Kalium sowie Beta-Glucane liefern, die über den Dectin-1-Rezeptor wirken sollen.
Der Aufenthalt im Wald selbst wird laut Studien mit gesenktem Cortisolspiegel, niedrigerem Puls und Blutdruck sowie einer gesteigerten Aktivität des Parasympathikus in Verbindung gebracht.
