Pilzvergiftung: Grüner Knollenblätterpilz verursacht 80% der Todesfälle
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 00:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Identifikation von essbaren Wildpflanzen und Pilzen erfordert eine hohe fachliche Sorgfalt, um gesundheitliche Risiken durch Verwechslungen zu minimieren. Angesichts der aktuellen Pilzsaison, die ihre Hochphase zwischen September und Anfang Oktober erreicht, weisen Experten und Naturschutzorganisationen auf die Notwendigkeit fundierter Kenntnisse hin.
Verschiedene Exkursionen und Beratungsangebote sollen Interessierten das notwendige Wissen vermitteln, um Fehlbestimmungen und potenziell lebensgefährliche Vergiftungen zu vermeiden.
Regionale Bildungs- und Beratungsangebote
In verschiedenen Regionen werden im Herbst 2026 spezialisierte Veranstaltungen angeboten. Der NABU Wedemark führt drei Pilzexkursionen am 26. September, 24. Oktober und 07. November 2026 durch. Die Teilnahmegebühr beträgt 8 Euro, wobei Kinder unter 14 Jahren kostenfrei teilnehmen können. Eine Anmeldung per E-Mail ist für diese Veranstaltungen erforderlich.
Parallel dazu organisiert TERRA.vita am 26. September 2026 einen Pilzspaziergang in Bad Holzhausen bei Preußisch Oldendorf. Unter der Leitung von Tourguide Astrid Schmidtendorf liegt der Schwerpunkt auf dem Beobachten statt dem Sammeln. Die Kosten belaufen sich auf 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder zwischen 7 und 16 Jahren.
In Schwerin bietet die Naturschutzstation am 26. und 27. September 2026 eine Pilzausstellung an, bei der auch mitgebrachte Funde kostenlos bestimmt werden können. Zusätzliche Beratungstermine sind dort für den 21. und 25. September sowie den 10. Oktober vorgesehen.
Im Sonneberger Land plant der Kreissportbund Sonneberg zusammen mit einem Pilzexperten eine kostenlose Pilzwanderung für den 24. September 2026. Eine vorherige Anmeldung ist bis zum Vortag notwendig.
Risikofaktoren und die Gefahr von Fehlbestimmungen
Fachorganisationen warnen vor den erheblichen Gefahren durch Giftpilze. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt fest, dass der Grüne Knollenblätterpilz für mindestens 80 % der tödlichen Pilzvergiftungen in Deutschland verantwortlich ist. Er kann leicht mit Champignons oder Täublingen verwechselt werden.
Der Grüne Knollenblätterpilz wird immer wieder mit Champignons oder Täublingen verwechselt — und laut Bundesinstitut für Risikobewertung geht mindestens jede fünfte tödliche Pilzvergiftung in Deutschland auf ihn zurück. Wer sicher sammeln will, braucht eine verlässliche Bestimmungsmethode statt einer App. Kostenlosen Pilz-Guide jetzt anfordern
Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) präzisiert, dass bereits eine Menge von 50 Gramm dieses Pilzes tödlich wirken kann. Der Grüne Knollenblätterpilz wächst in der Regel von August bis zum ersten Frost.
Sowohl das BfR als auch die DGfM raten dringend davon ab, sich ausschließlich auf Pilz-Erkennungs-Apps zu verlassen, da diese oft ungenau seien. Bei einem Verdacht auf eine Vergiftung sollte umgehend ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden. Experten betonen zudem, dass Pilzgerichte grundsätzlich mindestens 15 Minuten gegart werden sollten, da viele Arten im rohen Zustand unverträglich oder giftig sind.
Rahmenbedingungen für das Sammeln in der Natur
Neben den gesundheitlichen Aspekten spielen auch rechtliche und ökologische Faktoren eine Rolle. Im Müritz-Nationalpark ist das Sammeln für den Eigenbedarf entlang der Wege gestattet, sofern das geltende Wegegebot beachtet wird. Eike Lucas vom Nationalparkamt Hohenzieritz weist darauf hin, dass über zwei Drittel der heimischen Pilzarten im Nationalpark vorkommen.
Der Pilzsachverständige Hans Manhart von der DGfM berichtet jedoch, dass die aktuelle Saison 2026 durch Dürresommer und Waldschäden beeinträchtigt wird. Speisepilze wie Steinpilze, Pfifferlinge oder Maronen seien im Harz derzeit oft nur Zufallsfunde. Als allgemeiner Richtwert für die Sammelmenge gilt etwa 1 kg pro Person und Tag, wobei regionale Unterschiede sowie Sammelverbote in Naturschutzgebieten und Nationalparks zu beachten sind.
Erweiterter Erntekalender im Herbst
Pilz-Erkennungs-Apps liefern laut Fachleuten oft ungenaue Ergebnisse — und schon 50 Gramm des Grünen Knollenblätterpilzes können tödlich wirken. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie ohne App sicher bestimmen und was im Verdachtsfall sofort zu tun ist. Notfallplan & Bestimmungs-Anleitung sichern
Die Prävention umfasst nicht nur Pilze, sondern auch Wildfrüchte und Nüsse. Ab Oktober bietet der Erntekalender Möglichkeiten für das Sammeln von Haselnüssen, Walnüssen, Esskastanien sowie Wildobst wie Hagebutten oder Sanddorn.
Hierbei gelten ebenfalls strikte Sicherheitsregeln: Bucheckern und Eicheln sind roh ungenießbar, während Holunderbeeren aufgrund des enthaltenen Sambunigrins im Rohzustand giftig wirken. Diese müssen zur sicheren Verwendung auf über 80 °C erhitzt werden. Die Grundregel für Sammler lautet, ausschließlich Pflanzen zu verwerten, die zu 100 % sicher erkannt wurden.
