Pilz, Maisreste

Pilz verwertet Maisreste: 90 Prozent Cellulose in zehn Tagen abgebaut

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsprojekte entwickeln Fleisch- und Milchersatz, nutzen landwirtschaftliche Nebenprodukte und untersuchen die Skalierung biotechnologischer Verfahren.

Pflanzliche Proteine: Forschung setzt auf Fermentation und Reststoffe
Moderne Laboreinrichtung mit Edelstahltanks und Bioreaktoren zur Erforschung pflanzlicher Lebensmittelalternativen. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen arbeiten verstärkt an pflanzlichen Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten, die herkömmlichen Lebensmitteln in Aussehen, Geschmack und Nährwerten möglichst nahekommen. Verschiedene Initiativen setzen dabei auf neuartige Rohstoffe, biotechnologische Fermentationsverfahren und angepasste Verarbeitungsprozesse.

Fermentation für Milch- und Fleischersatz

Ein Beispiel für diese Forschung ist das internationale Projekt Flavourferm unter Beteiligung der Universität für Umwelt- und Lebenswissenschaften Wroc?aw. Das Projekt läuft vom 1. November 2024 bis zum 30. April 2028 und befasst sich mit pflanzlichen Alternativen zu Fleisch, Milch und Käse.

Ein Schwerpunkt liegt auf gereiftem Käse, der unter anderem auf Basis von Lupinen hergestellt wird. Ziel der eingesetzten Fermentation ist es, Textur, Geschmack sowie den Nährwert der Produkte zu verbessern.

Flavourferm kombiniert drei biotechnologische Ansätze: die präzise Fermentation mittels rekombiniertem veganem Casein, die Biomassefermentation mit Pilzen sowie den Einsatz von Milchsäurebakterien. Erste Verbrauchertests mit Prototypen waren für das Frühjahr 2026 angekündigt.

Auf mikrobiologische Verfahren setzt auch das dänische Spin-out React Foods. Das Unternehmen plant, Kohlendioxid und mittels erneuerbarem Strom hergestellten Wasserstoff über Mikroorganismen zu Acetat umzuwandeln. Im Anschluss soll Hefe diesen Zwischenstoff zu proteinreicher Biomasse verarbeiten.

Laut Angaben der Aarhus University erhielt React Foods für das Vorhaben 4,2 Millionen dänische Kronen vom BioInnovation Institute. Als nächster Schritt ist vorgesehen, die einzelnen Prozessschritte am Forschungscampus AU Viborg im Pilotmaßstab als Gesamtsystem zu erproben. Marktreife Lebensmittelzutaten hat das Vorhaben bislang nicht erreicht.

Alternative Proteinquellen und Nebenströme

Neben Fermentationsverfahren stehen agrarische Rohstoffe und Reststoffe im Fokus der Forschung. Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) untersucht in Müncheberg, welche Trockenbohnensorten sich für die sandigen Böden und trockenen Sommerbedingungen in Brandenburg eignen, wo die Pflanze bislang eine Nischenkultur darstellt.

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Ein angepasster Pilz hat in einem zehntägigen Test in einem 3-Liter-Bioreaktor 90 Prozent der Cellulose und 70 Prozent der Hemicellulose aus gemahlenen Maiskolbenspindeln abgebaut. Wie Sie solche Fermentationsprozesse selbst aufsetzen und welche Schritte vor dem Scale-up nötig sind, zeigt unser kostenloser Praxis-Guide. Praxis-Guide zur Pilzfermentation anfordern

Verwertungswege für Nebenprodukte erforscht das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP. Das dort entwickelte EthaNa-Verfahren dient der Gewinnung alternativer Proteine aus Rapspresskuchen; derzeit laufen Gespräche mit potenziellen Anwendern zur Kommerzialisierung.

Zudem pilotiert das Fraunhofer CBP gemeinsam mit der Mibelle Group eine Biotechnologie, mit der palmölfreie Fette aus Kohlendioxid für industrielle Zwecke hergestellt werden sollen. Das Fraunhofer CBP stuft Pilot- und Demonstrationsanlagen als wesentliche Brücke zur industriellen Skalierung chemischer Prozesse ein.

Einen anderen Reststoffpfad untersuchte die Jiangxi Academy of Sciences. Forschende passten den Pilz Talaromyces pinophilus so an, dass dieser aus gemahlenen Maiskolbenspindeln ?-Amylase erzeugt und die pflanzlichen Reste verwertet. In einem zehntägigen Test in einem 3-Liter-Bioreaktor baute der Pilz 90 Prozent der Cellulose und 70 Prozent der Hemicellulose ab. Die Übertragbarkeit und Zuverlässigkeit in größeren Anlagen ist bislang offen.

Skalierung von Bioprozessen und Lieferketten

Für die Kultivierung tierischer Zellen zur Lebensmittelproduktion sowie für medizinische Anwendungen entwickelt das Projekt INDUZELL ein hybrides Prozessmodell. Es verknüpft Reaktionstechnik, Datenerfassung, Mikroskopie und KI-Bildanalyse, um Stammzellen im Bioreaktor zu überwachen. Die Hochskalierung ist für Systeme mit einem Volumen von bis zu 10 Litern geplant.

Das Land Niedersachsen und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung fördern das Vorhaben mit rund 220.000 Euro. Beteiligt sind Hochschulen in Emden/Leer und Hannover, die Medizinische Hochschule Hannover, die Leibniz Universität Hannover sowie die Unternehmen Cultimate Foods, Sartorius Stedim Biotech und Histomography.

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Die Übertragbarkeit von Reststoff-Fermentationen auf größere Anlagen ist bislang offen — genau hier scheitern viele Bioprozesse. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie Substrat, Reaktorparameter und Abbauleistung prüfen, bevor Sie investieren. Skalierungs-Checkliste jetzt herunterladen

Auf der Ebene der Distribution befasst sich das vom Bundeministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Bundesprogramm Ökologischer Landbau geförderte Projekt „WissensWert regional“ mit der Wertschöpfungskette.

Unter Trägerschaft der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) analysiert das Vorhaben Akteure und Lieferverträge, um Bio-Lieferketten für Kantinen, Schulen, Kitas, Restaurants und den Fachhandel aufzubauen. Bis 2027 sollen unter anderem Vorschläge für faire Abnahmegarantien und rechtssichere Bio-Kriterien in Ausschreibungen in Form von Leitfäden und Fachformaten vorliegen.

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