Physikalische, Therapie

Physikalische Therapie: Wartezeiten in Wien auf 67 Tage gestiegen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 09:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Physiotherapie-Wartezeiten steigen deutlich, während Arzneien knapp bleiben und neue Vergütungen die GKV-Ausgaben weiter erhöhen.

Gesundheitsversorgung unter Druck: Lange Wartezeiten und neue Therapien
Ein leerer, steriler Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit einer Untersuchungsliege bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Situation in der ambulanten Patientenversorgung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Eine Analyse der Österreichischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) verdeutlicht diesen Trend am Beispiel der Wiener Kassen-Institute und -Ordinationen.

Ende 2025 und Anfang 2026 erreichte die durchschnittliche Wartezeit auf eine physikalische Therapie dort einen Wert von 9,6 Wochen beziehungsweise 67,2 Tagen. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 betrug die Wartezeit noch 39 Tage, während Patienten im Jahr 2012 lediglich 8 Tage auf eine Behandlung warten mussten.

Ökonomische Folgen verzögerter Behandlungen

Die ÖGPMR weist in diesem Zusammenhang auf die weitreichenden finanziellen Folgen für das Gesundheitssystem hin. Ein entsprechendes Hypothesenmodell der Fachgesellschaft legt nahe, dass eine Verkürzung der Arbeitsunfähigkeit durch einen schnelleren Therapiezugang Einsparungen in Höhe von 862 Mio. € pro Jahr ermöglichen könnte.

Während die Wartezeiten für physikalische Maßnahmen in Österreich steigen, zeigt sich auch in Deutschland eine angespannte Lage bei der Facharztversorgung. Daten der Bundesregierung zufolge lag die durchschnittliche Wartezeit für gesetzlich Versicherte in Facharztpraxen im Jahr 2024 bei 42 Tagen.

In der politischen Debatte fordert die SPD-Fraktion eine Begrenzung dieser Frist auf drei Wochen. KBV-Chef Andreas Gassen lehnt eine pauschale gesetzliche Termingarantie jedoch aufgrund fehlender Kapazitäten ab. Eine schnelle Vermittlung innerhalb einer Woche sei laut Gassen lediglich für objektiv medizinisch dringende Fälle bei entsprechender Vergütung darstellbar.

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Engpässe bei Arzneimitteln und regulatorische Hürden

Neben dem Zugang zu therapeutischen Leistungen bleibt die Versorgung mit Medikamenten kritisch. In Deutschland wurden im Januar 2026 Engpässe bei einer Vielzahl von Präparaten verzeichnet, darunter Antibiotika für Kinder, Blutdrucksenker, Krebsmedikamente sowie Schmerzmittel und Asthma-Sprays. Als Ursache gelten fragile Lieferketten und die Verlagerung der Produktion nach Asien.

Auch in der Ukraine kommt es punktuell zu Engpässen, die primär auf die Zerstörung von Lagern seit dem Kriegsbeginn 2022 zurückzuführen sind. Der ukrainische Rat zum Schutz der Rechte und Sicherheit von Patienten betont jedoch, dass kein landesweiter Mangel bestehe, obwohl 70-80 % der Arzneimittel Generika seien.

Zusätzliche Hürden zeigen sich bei der Erstattung neuer oder spezieller Therapien. In Österreich fordern die Adipositas Gesellschaft und die NÖ-Ärztekammer die Aufnahme moderner Adipositas-Medikamente in den Leistungskatalog der Sozialversicherung. Diese Wirkstoffe ermöglichen einen Gewichtsverlust von 15 bis 25 Prozent, kosten derzeit jedoch mehrere Hundert Euro pro Monat.

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In Deutschland lehnt der GKV-Spitzenverband die Kostenübernahme für hochdosierte Cannabisextrakte mit einem THC-Gehalt von über 25 % ab, da diese nicht durch die DAB-21-Monographie gedeckt seien. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat diesbezüglich Beratungen zur Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen.

Finanzielle Entwicklung und medizinische Innovationen

Die Einführung neuer Vergütungsstrukturen beeinflusst die Ausgabendynamik erheblich. Laut Analysen des WIdO führten die Hybrid-DRGs im Jahr 2025 zu einem Anstieg der Behandlungsfälle um 17 % und einer inflationsbereinigten Steigerung der GKV-Ausgaben um 360 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr 2026 wird eine weitere Zunahme der Mehrausgaben auf rund 640 Mio. Euro prognostiziert.

Trotz der ökonomischen und infrastrukturellen Herausforderungen gibt es Fortschritte in der klinischen Anwendung. Die Klinik Floridsdorf setzt in Österreich erstmals eine Stoßwellentherapie am offenen Herzen ein.

Diese Methode, die in Kombination mit Bypass-Operationen angewendet wird, könne die Pumpleistung des Herzens um 12 Prozentpunkte verbessern. Dies ist besonders relevant für die weltweit rund 1,4 Mio. Menschen mit Herzmuskelschwäche, deren Durchschnittsalter bei 68 Jahren liegt.

Gleichzeitig warnen Fachleute wie die Apothekerkammer Nordrhein vor Risiken durch digitale Verschreibungswege ohne direkten Arztkontakt, insbesondere im Bereich von Medizinalcannabis.

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