Physikalische, Therapie

Physikalische Therapie: Wartezeiten auf 67 Tage gestiegen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Österreich verlängern sich Therapiezeiten deutlich. Physician Assistants und verbindliche Terminregeln sollen Engpässe in der Versorgung abfedern.

Physiotherapie unter Druck: Wartezeiten steigen, neue Modelle gefragt
Ein heller, minimalistischer Flur in einer modernen medizinischen Einrichtung mit leeren Sitzbänken und natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Gesundheitsversorgung im Bereich der physikalischen Medizin steht vor signifikanten strukturellen Herausforderungen. Aktuelle Daten und Berichte verdeutlichen eine zunehmende Schere zwischen dem Bedarf an therapeutischen Leistungen und den verfügbaren Kapazitäten.

Während die Wartezeiten für Patienten deutlich steigen, rücken alternative Versorgungsmodelle wie der Einsatz von Physician Assistants sowie die Forderung nach effizienteren Terminvergaben in den Fokus der gesundheitspolitischen Debatte.

Drastischer Anstieg der Wartezeiten in der physikalischen Medizin

Analysen der Österreichischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) zeigen eine besorgniserregende Entwicklung bei der Verfügbarkeit von Therapieplätzen. In Wiener Kassen-Instituten und Ordinationen belief sich die durchschnittliche Wartezeit auf eine physikalische Therapie Ende 2025 beziehungsweise Anfang 2026 auf 9,6 Wochen, was einem Zeitraum von 67,2 Tagen entspricht.

Diese Zahlen verdeutlichen eine massive Verschlechterung der Versorgungssituation über die vergangenen Jahre. Laut den Erhebungen der ÖGPMR lag die Wartezeit im Jahr 2024 noch bei durchschnittlich 39 Tagen. Ein Blick weiter zurück zeigt das Ausmaß der Dynamik: Im Jahr 2012 mussten Patienten lediglich 8 Tage auf den Beginn ihrer Behandlung warten.

Die Verzögerungen haben dabei nicht nur individuelle gesundheitliche Folgen, sondern auch ökonomische Auswirkungen. Ein Hypothesenmodell der ÖGPMR legt nahe, dass eine konsequentere Verkürzung der Arbeitsunfähigkeit durch zeitnahe therapeutische Interventionen Einsparungen in Höhe von 862 Mio. € pro Jahr realisieren könnte.

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Facharzttermine und politische Zielvorgaben in Deutschland

Die Problematik langer Wartezeiten ist kein rein regionales Phänomen. Daten der Bundesregierung für das Jahr 2024 belegen, dass gesetzlich Versicherte in Deutschland im Durchschnitt 42 Tage auf einen Termin in einer Facharztpraxis warten mussten. Vor diesem Hintergrund fordert die SPD die Einführung einer verbindlichen Drei-Wochen-Frist für Facharzttermine.

Dieser Forderung stehen jedoch Bedenken hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit gegenüber. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), lehnt eine allgemeine gesetzliche Termingarantie ab. Er begründet dies mit fehlenden Kapazitäten im System.

Dennoch betonte er, dass objektiv medizinisch dringende Facharzttermine bei einer entsprechenden Vergütung bereits jetzt meist innerhalb einer Woche vermittelt werden könnten. Die Einstufung der Dringlichkeit erfolge dabei über hausärztliche Überweisungen oder die Servicestelle 116 117. Um dies zu gewährleisten, könnten Praxen in begrenztem Umfang kurzfristige Termine freihalten.

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Physician Assistants als neue Säule in der Patientenversorgung

Ein Ansatz zur Entlastung des medizinischen Personals und zur Optimierung der Abläufe ist die verstärkte Einbindung von Physician Assistants (PA). In Thüringer Kliniken und Praxen gehören diese medizinischen Fachkräfte laut Berichten bereits zum Alltag. Es besteht das Bestreben, ihren Einsatz weiter auszuweiten, um die ärztliche Seite bei delegierbaren Aufgaben zu unterstützen.

Damit dieses Modell nachhaltig zum Erfolg führt, werden jedoch klare Rahmenbedingungen gefordert. Für eine erfolgreiche Ausweitung müssen sowohl die Ausbildungsinhalte als auch die Kompetenzen und die Finanzierung dieser Stellen verbindlich und einheitlich geregelt werden.

Die präventive Bedeutung der Physiotherapie

Die Relevanz physikalischer Therapien für die allgemeine Volksgesundheit unterstrich auch der zyprische Gesundheitsminister Charalambidis im Rahmen eines Seminars in Limassol. Er bezeichnete die Physiotherapie als eine wesentliche Säule für gesundes Altern.

Insbesondere bei der Wiederherstellung von Mobilität und Autonomie nach Herz-Kreislauf-Ereignissen spiele die Therapie eine entscheidende Rolle. In diesem Zusammenhang verwies er zudem auf die Notwendigkeit einer kontinuierlichen wissenschaftlichen Weiterbildung des medizinischen Fachpersonals, um die Qualität der Versorgung dauerhaft zu sichern.

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