Physical AI: FANUC und Google steuern 1.000 Roboter per Sprache
04.06.2026 - 22:07:07 | boerse-global.de
Führende Technologiekonzerne und Forschungseinrichtungen haben diese Woche eine Reihe von Initiativen rund um „Physical AI“ vorgestellt. Die Technologie soll die Lücke zwischen digitaler Simulation und realer Anwendung schließen. Durch die Integration von 3D-Modellen mit physikalischen Eigenschaften wie Gewicht, Reibung und Trägheit wollen Entwickler Fehlerquoten senken und den Einsatz autonomer Systeme in der Fertigung, Logistik und Gesundheitsbranche beschleunigen.
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FANUC und Google: Meilenstein für die Industrieautomation
Einen bedeutenden Schritt für die industrielle Automation markiert die strategische Partnerschaft zwischen FANUC und Google. Seit dem 4. Juni 2026 integriert der japanische Roboterhersteller Google Cloud Gemini Enterprise in seine Systeme. Mehr als 1.000 Roboter können dadurch über natürliche Sprachverarbeitung und autonome Objekterkennung gesteuert werden.
Parallel dazu hat NVIDIA auf der GTC Taipei sein Modell Cosmos 3 vorgestellt. Die Architektur verarbeitet Text, Bilder, Video und Audio, um Roboteraktionen zu steuern. Die Modellfamilie umfasst Cosmos 3 Super für industrielle Autopiloten sowie Nano- und Edge-Versionen für Echtzeit- und lokale Verarbeitung. Der Launch folgt auf die Einführung der Isaac GR00T-Plattform für humanoide Robotik, die ein Framework für das Training komplexer Bewegungsabläufe bietet.
Humanoider Roboter H2 Plus: Forscher erhalten neue Plattform
Hardwarehersteller setzen die neuen Plattformen bereits um. Am 3. Juni 2026 präsentierte Unitree den H2 Plus, einen humanoiden Roboter-Referenzentwurf auf Basis von NVIDIA Isaac GR00T. Mit einer Größe von 1,80 Metern und einem Gewicht von 68 Kilogramm verfügt der H2 Plus über taktile Fünf-Finger-Hände und Onboard-Computing via NVIDIA Jetson Thor. Das Gerät soll gegen Ende 2026 für Forschungszwecke verfügbar sein.
Forschungshubs entstehen: HKUST und Seoul National University bündeln Kräfte
Universitäten richten eigene Zentren für Physical AI ein. Die Hong Kong University of Science and Technology (HKUST) und CalmCar gründeten am 3. Juni 2026 das Physical AI Innovation Center. Der Fokus liegt auf Full-Stack-Technologien für autonomes Fahren und intelligente Fertigung. Einen Tag später unterzeichneten SKAI Intelligence und das Seoul National University AI Institute (AIIS) eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Forschung an digitalen Zwillingen und Roboterwahrnehmung – mit Schwerpunkt auf Sim-to-Real-Methoden.
Synthetische Daten schlagen menschliche Vorführungen
Aktuelle Forschung unterstreicht die Bedeutung von Datenkonsistenz beim Robotertraining. Eine Studie der NYU Tandon und des Robotics and AI Institute, die Ende April 2026 veröffentlicht wurde, zeigt: Konsistente synthetische Daten aus Planungsalgorithmen können menschliche Vorführungen übertreffen. In physischen Tests erreichten Zweiarm-Roboter eine Erfolgsquote von 90 Prozent bei komplexen Aufgaben – deutlich mehr als Systeme, die auf variablen menschlichen Eingaben trainiert wurden.
Gig-Worker trainieren Roboter in Indien
Die Nachfrage nach physischen Interaktionsdaten schafft neue Arbeitsmärkte. Berichten zufolge setzen Tesla und Figure AI Gig-Worker in Indien ein, um humanoide Roboter zu trainieren. Die Arbeiter tragen kopfmontierte Kameras und zeichnen alltägliche Aufgaben wie Kochen und Putzen auf. Pro Auftrag erhalten sie zwischen 250 und 300 Rupien.
Mecka AI: 60 Millionen Dollar für Bewegungssensorik
Das Unternehmen Mecka AI sicherte sich am 3. Juni 2026 in einer Serie-B-Finanzierungsrunde 60 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 55 Millionen Euro). Die Firma entwickelt tragbare Sensortechnologie, die mit Drucksensoren und Elektromyographie (EMG) menschliche Bewegungsdaten bei 1 kHz erfasst. Ziel ist es, die Anzahl der benötigten Trainingseinheiten für Roboter um bis zu 70 Prozent zu reduzieren.
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SoftBank-CEO: Robotik wird zur Billionen-Dollar-Industrie
Das wirtschaftliche Potenzial ist enorm. SoftBank-CEO Masayoshi Son sagte in einem Interview am 1. Juni 2026 voraus, dass Robotik und Physical AI zu Billionen-Dollar-Industrien heranwachsen würden. SoftBank hat bereits 87 Milliarden US-Dollar (rund 80 Milliarden Euro) für KI-Rechenzentren in Frankreich zugesagt und erwägt einen Börsengang im Volumen von 100 Milliarden US-Dollar (rund 92 Milliarden Euro) für sein Joint Venture Roze AI.
Lieferketten-Problem: China dominiert Komponentenmarkt
Trotz des rasanten Fortschritts bleibt die physische Datenverfügbarkeit ein Engpass. Analysten wiesen am 3. Juni 2026 darauf hin, dass Sensor- und Aktuatordaten nicht einfach aus dem Internet abrufbar sind. Hinzu kommt: Die Lieferkette für Komponenten humanoider Roboter ist stark zentralisiert. China kontrolliert derzeit rund 63 Prozent des globalen Marktes. Internationale Robotikfirmen verstärken daher ihre technischen Austausche und Besuche in chinesischen Fertigungszentren, um sich essentielle Hardwarekomponenten zu sichern.
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