Phthalate, Weichmacher

Phthalate: Weichmacher verändern zirkadiane Gene bei Jugendlichen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 15:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie mit 488 mexikanischen Jugendlichen findet Zusammenhänge zwischen Phthalatbelastung und veränderter DNA-Methylierung an zirkadianen Genen.

Phthalate bei Jugendlichen mit Veränderungen an Schlaf-Genen verknüpft
Nahaufnahme einer molekularen DNA-Struktur in einem Laborumfeld als Symbol für epigenetische Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Eine Analyse der sogenannten ELEMENT-Kohorte, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Environmental Research (Band 306) und laut einem Bericht von ibero.mx vom 15.09.2026, liefert neue Hinweise darauf, dass Weichmacher aus Kunststoffen mit epigenetischen Veränderungen an zirkadianen Genen bei Jugendlichen in Verbindung stehen könnten.

Im Fokus stehen sogenannte Phthalate – Chemikalien, die unter anderem in Kunststoffverpackungen und Konsumgütern vorkommen und über Urin- und Blutwerte im Körper nachweisbar sind.

Datengrundlage und Methodik

Für die Untersuchung wurden Daten von 488 mexikanischen Jugendlichen im Durchschnittsalter von 15,4 Jahren herangezogen, von denen 53,1 Prozent weiblich waren.

Die zugrundeliegenden Urin- und Blutproben stammen aus dem Jahr 2015. Die Forschenden analysierten 334 CpG-Stellen in insgesamt neun zirkadianen Genen – jenen Genabschnitten, die an der Steuerung des inneren biologischen Rhythmus beteiligt sind.

CpG-Stellen gelten als klassische Ansatzpunkte für die Untersuchung von DNA-Methylierung, einem epigenetischen Mechanismus, über den Umwelteinflüsse die Aktivität von Genen verändern können, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern.

Zentrale Befunde

Unter Kontrolle der sogenannten False Discovery Rate (FDR) ergaben sich in der Gesamtauswertung drei statistisch auffällige Assoziationen mit einem q-Wert unter 0,10. So zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Summe der DEHP-Metabolite beziehungsweise der Summe der Plastik-Phthalate und einer verringerten DNA-Methylierung am Gen BMAL1, konkret an der Stelle cg09404790 (q=0,0419 beziehungsweise q=0,0650).

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Die ELEMENT-Kohorte liefert neue Hinweise: Phthalate aus Kunststoffverpackungen könnten epigenetische Spuren an Genen hinterlassen, die den Schlaf-Wach-Rhythmus von Jugendlichen steuern. Wer sein Zuhause schadstoffärmer aufstellen will, findet in diesem kostenlosen Ratgeber eine Checkliste der häufigsten Phthalat-Quellen und zehn alltagstaugliche Alternativen. Kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern

Zudem fand sich eine Verbindung zwischen der Summe der sogenannten AA-Verbindungen und einer erhöhten Methylierung an einer weiteren BMAL1-Stelle, cg14666553 (q=0,0667). BMAL1 gilt als eines der zentralen Steuergene der zirkadianen Rhythmik und reguliert unter anderem den Schlaf-Wach-Zyklus auf molekularer Ebene.

Deutliche Geschlechterunterschiede

Auffällig ist laut der Auswertung ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Bei männlichen Studienteilnehmern zeigten sich sieben Assoziationen zwischen Phthalat-Belastung und veränderter DNA-Methylierung an zirkadianen Genen, bei weiblichen Teilnehmerinnen dagegen lediglich eine.

Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass biologische Reaktionen auf die untersuchten Umweltchemikalien nicht geschlechtsunabhängig verlaufen dürften – ein Aspekt, der in der Umweltepidemiologie zunehmend Beachtung findet.

Einordnung

Die Ergebnisse der ELEMENT-Kohorte reihen sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die sich mit den molekularen Spuren von Alltagschemikalien im menschlichen Körper befassen. Phthalate stehen bereits seit längerem im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und verschiedene Stoffwechsel- und Entwicklungsprozesse zu beeinflussen.

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Die neuen Befunde zur DNA-Methylierung an zirkadianen Genen liefern einen möglichen molekularen Mechanismus, über den Umweltbelastungen mit Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und damit verbundenen gesundheitlichen Folgen in Verbindung stehen könnten.

Angesichts der begrenzten Zahl signifikanter Assoziationen und der ausgeprägten Geschlechterunterschiede dürften weitere Untersuchungen nötig sein, um die Befunde zu bestätigen und ihre klinische Bedeutung genauer einzuordnen.

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de | wissenschaft | 70105589 |