Phishing-Welle, Internetbetrug

Phishing-Welle: Internetbetrug in Deutschland um 18% auf 115 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gefälschte PayPal-Mails führen zu manipulierten Seiten, die Passwörter und Sicherheitscodes abfragen. Die Aktie blieb dennoch stabil.

PayPal-Nutzer im Visier: Phishing-Angriff umgeht Sicherheitscodes
Ein minimalistisch eingerichteter, dunkler Arbeitsraum bei Nacht mit Blick auf eine ferne, verschwommene Stadtkulisse. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle Akteure zielen mit einer neuen, raffinierten Betrugsmasche auf die Zugangsdaten von PayPal-Nutzern ab. Experten warnen vor gefälschten E-Mails, die eine unbefugte Anmeldung in Buenos Aires vortäuschen, um Verbraucher zur Preisgabe sensibler Informationen zu bewegen. Dieser Vorfall reiht sich in eine Serie zunehmender Cyberangriffe ein, die verstärkt auf soziale Manipulation setzen.

Manipulation durch vorgetäuschte Sicherheitswarnungen

Die aktuelle Betrugswelle nutzt gezielt die Verunsicherung der Nutzer aus. In den betrügerischen Nachrichten wird behauptet, es habe am 6. September einen Zugriff auf das Benutzerkonto von einem Gerät des Typs Dell XPS 13 unter Verwendung des Browsers Opera gegeben. Als Standort des angeblichen Logins wird Buenos Aires mit der IP-Adresse 190.210.44.89 angegeben.

Empfänger der E-Mail werden aufgefordert, einem Link zu folgen, um ihr Konto zu sichern. Dieser führt jedoch auf eine manipulierte Internetseite, die der offiziellen PayPal-Präsenz nachempfunden ist.

Dort werden nicht nur das Passwort, sondern auch ein sechsstelliger Sicherheitscode abgefragt. Ziel der Angreifer ist es, die Multi-Faktor-Authentisierung (MFA) in Echtzeit zu umgehen, um vollen Zugriff auf die Konten und die hinterlegten Zahlungsmittel zu erhalten.

Technologische Aufrüstung bei Phishing-Kampagnen

Die Methoden der Angreifer werden technisch immer anspruchsvoller. Marktbeobachter von Microsoft wiesen kürzlich eine großangelegte Operation nach, die bereits seit Februar 2026 Millionen von Nachrichten versendet. Dabei kommt sogenannter ASCII-Schmuggel zum Einsatz: Unsichtbare Unicode-Zeichen werden genutzt, um Sicherheitsfilter zu umgehen.

Diese Kampagnen verzeichnen laut den Analysen Versandspitzen an Montagen, während es am Wochenende weitgehend ruhig bleibe. Für den Versand würden dabei auch legitime Plattformen wie ActiveCampaign missbraucht.

Anzeige

Rekord-Schäden durch Phishing zeigen, warum Unternehmen und Privatpersonen jetzt verstärkt auf Prävention setzen müssen. Dieser kostenlose Leitfaden erklärt in vier Schritten, wie Sie aktuelle Angriffsmethoden und psychologische Manipulationstaktiken rechtzeitig entlarven. Kostenloses Anti-Phishing-Paket jetzt sichern

Parallel dazu warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor sogenannten „Fake-Captchas“. Bei diesem als „Terminalfix“ oder „Clickfix“ bekannten Verfahren werden Nutzer nach dem Anklicken eines Bestätigungsfeldes angewiesen, Tastenkombinationen für das Windows-Terminal oder die PowerShell auszuführen.

Diese Methode wurde unter anderem bei einem schwerwiegenden Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung identifiziert, bei dem mehrere Terabyte an Daten – darunter Zugangsdaten von Behördenmitarbeitern, Verträge und E-Mails – entwendet und im Darknet veröffentlicht wurden.

Hohe Schadenssummen durch Social Engineering

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Angriffe sind erheblich. Laut Erhebungen von Biocatch verlieren Opfer von Social-Engineering-Angriffen weltweit durchschnittlich 10.000 US-Dollar.

Für das Jahr 2025 meldete die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) eine Steigerung der Schadenssumme durch Internetbetrug um 18 Prozent auf insgesamt 115,4 Millionen Euro. Dabei entfielen 83 Prozent der Verluste auf soziale Manipulation. Während der durchschnittliche Schaden bei Überweisungsbetrug bei rund 3.000 Euro liege, gebe es Einzelfälle mit Verlusten von über einer Million Euro.

Anzeige

Wer sich vor derartigen Betrugsmaschen schützen möchte, sollte auch die Sicherheit der genutzten Endgeräte im Blick behalten. Ein gratis PDF-Ratgeber zeigt fünf einfache Maßnahmen, mit denen Sie Ihr System in wenigen Minuten gegen Hacker und Datenmissbrauch absichern können. 5 Schutzmaßnahmen sofort kostenlos entdecken

Auch Plattformen wie Kleinanzeigen gerieten zuletzt in den Fokus. Durch vermehrte Zugriffe auf eine Schnittstelle (API) konnten Angreifer E-Mail-Adressen mit öffentlichen Profildaten wie Nutzer-IDs und dem Registrierungsdatum verknüpfen. Passwörter seien in diesem Fall zwar nicht offengelegt worden, doch solche Datensätze dienen oft als Grundlage für spätere, gezielte Phishing-Attacken.

Sicherheitslage und Marktreaktion

Das BSI schätzt, dass mittlerweile jede dritte unerwünschte E-Mail einen Phishing-Hintergrund hat. Rund 62 Prozent der Deutschen haben bereits solche betrügerischen Nachrichten erhalten.

PayPal selbst verweist auf Sicherheitsmaßnahmen wie SSL-Verschlüsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie den Käufer- und Verkäuferschutz, räumt jedoch ein, dass Phishing und Betrug durch vermeintliche Käufer die häufigsten Risiken bleiben. Ein Softwarefehler im Jahr 2021 hatte zudem zeitweise Transaktionsverläufe offengelegt.

Trotz der aktuellen Sicherheitswarnungen zeigte sich die PayPal-Aktie im heutigen Handelsverlauf stabil. Das Papier notierte am Vormittag mit einem Plus von 0,54 Prozent bei 46,93 Euro.

Polizeibehörden raten dringend dazu, Zahlungen ausschließlich über die offiziellen Systeme der jeweiligen Portale abzuwickeln. Ein aktueller Fall aus Altena, bei dem ein 31-jähriger Mann trotz einer PayPal-Zahlung vor Ort in einem Hotel abgewiesen wurde, verdeutlicht die Gefahr.

Hier war die Buchung über ein manipuliertes Reiseportal erfolgt, nachdem der Nutzer einem externen Link gefolgt war. Experten betonen, dass niemals Links oder QR-Codes aus unaufgeforderten E-Mails für Zahlungen genutzt werden sollten.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70071714 |