Phishing-Welle: Betrüger geben sich als Behörden aus – 735 Mio. Euro Schaden
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 16:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Kriminelle geben sich als Regierungsbeamte aus und erbeuten so Millionenbeträge.
Bauämter im Visier: So täuschen die Betrüger
Die Täter nutzen öffentlich zugängliche Daten, um gezielt Bauantragsteller ins Visier zu nehmen. In Humboldt County, Kalifornien, verschickten Betrüger E-Mails im Namen des Planungsdirektors John Ford. Sie forderten eine angebliche „Antragsprüfungsgebühr" per Überweisung. Die Behörde betont: Die eigenen Systeme wurden nicht gehackt – die Kriminellen nutzen lediglich öffentliche Register.
Ein fast identischer Fall wurde am 15. Juli aus Washington County, Maryland, gemeldet. Auch dort gaben sich Betrüger als Mitarbeiter der Bauaufsicht aus und verlangten Überweisungen. Einen Tag zuvor warnte die Stadt Mountain View in Kalifornien vor einer Phishing-Mail mit der Absenderadresse „@usa.com".
Die Behörden stellen klar: Keine staatliche Stelle verlangt Zahlungen per Überweisung, Geschenkkarte oder Kreditkarte am Telefon. Bürger sollen verdächtige Zahlungsaufforderungen immer über die offiziellen Telefonnummern der Behörden überprüfen.
Deutsche Finanzämter warnen vor gefälschten Prüfungsbescheiden
Auch in Deutschland schlagen die Behörden Alarm. Das Finanzministerium des Saarlandes warnte am 14. Juli vor E-Mails mit dem Betreff „Prüfungsanordnung gemäß § 193 AO". Die angehängten PDF-Dateien sollen nicht geöffnet werden – sie enthalten Schadsoftware oder stehlen Zugangsdaten.
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Das Finanzministerium von Schleswig-Holstein meldete einen ähnlichen Vorfall. In diesen Mails kündigen die Betrüger eine angebliche Außenprüfung an. Der PDF-Anhang entpuppt sich als HTML-Datei, die nach einem Passwort fragt. Die Behörden bestätigen: Die IT-Systeme sind sicher, die Mails stammen von externen Absendern.
Die Drahtzieher: Organisierte Kriminalität mit KI-Unterstützung
Die aktuellen Angriffe reihen sich in ein größeres Muster ein. Das FBI hatte bereits im März 2026 vor genau solchen Betrugsmaschen gewarnt. Die Sicherheitsfirma CYBERA identifizierte eine Gruppe namens „Diligent Planner" , die für mindestens 23 E-Mail-Kampagnen verantwortlich sein soll. Die Gruppe nutzt IP-Adressen aus Nigeria und unterhält ein Netzwerk von 53 „Geldmäulern" in US-Banken.
Die Schäden durch behördliche Identitätstäuschung beliefen sich 2025 auf umgerechnet rund 735 Millionen Euro. Der Trend setzt sich 2026 fort – die „Diligent Planner"-Gruppe hat ihre Aktivitäten im ersten Halbjahr deutlich gesteigert.
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Wenn KI den Betrug perfekt macht
Das Landeskriminalamt und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnten am 15. Juli vor einer neuen Gefahr: Künstliche Intelligenz macht den Betrug noch perfider. Stimmklonen für sogenannte „Schockanrufe" und Deepfake-gestützte Anlageangebote nehmen zu.
Wie weit die Täter gehen, zeigt ein Fall aus Ohio. Dort wird eine Frau beschuldigt, eine Schule um 67.000 Dollar betrogen zu haben. Sie gab sich per Phishing-Mail als Schulleiterin aus und ließ das Geld auf private Konten umleiten – anschließend in Kryptowährung umgewandelt. Ihr drohen bei einer verurteilung bis zu 20 Jahre Haft.
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