Phishing-Welle: 1.000 Hotels in Belgien ins Visier genommen
11.06.2026 - 23:28:44 | boerse-global.de
Von Indien bis Belgien: Kriminelle nutzen Insider-Wissen, psychologischen Druck und technische Tricks, um Milliarden zu erbeuten.
Insider-Taten: Wenn Banker zur Gefahr werden
Die jüngsten Fälle zeigen ein beunruhigendes Muster: Immer wieder sind es Mitarbeiter von Finanzinstituten selbst, die das System von innen heraus angreifen. In Neu-Delhi nahm die Polizei einen stellvertretenden Bankmanager namens Pabitra Kumar Biswal fest. Er soll ein Konto unter falscher Identität eröffnet haben, das mit 159 Cyberbetrugsfällen in Verbindung steht. Der Schaden: umgerechnet rund 7,6 Millionen Euro.
Anzeige: Die jüngste Phishing-Welle in Belgien zeigt: Kriminelle greifen auf echte Buchungsdaten zu und fordern Gäste zur Zahlung auf. Dieser kostenlose Leitfaden hilft Ihnen, Angriffe zu erkennen und sofort zu reagieren – bevor Ihr Ruf leidet. Jetzt Schutzleitfaden anfordern
Auch in Kenia schlugen die Ermittler zu. Drei Verdächtige, darunter ein IT-Angestellter einer Spargenossenschaft, sollen ein digitales Betrugssystem manipuliert haben. Die Beute beläuft sich auf umgerechnet etwa 160.000 Euro.
In den USA wurde eine ehemalige Army-Sergeantin namens Jane Crosby verurteilt. Sie hatte die Identität von sieben Rekruten genutzt, um Konten zu eröffnen und Kredite in Höhe von umgerechnet rund 240.000 Euro zu beantragen. In Kalifornien wiederum ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Mahender Makhijani. Ihm wird vorgeworfen, mit gefälschten Dokumenten einen Betrugsschaden von rund 90 Millionen Euro verursacht zu haben.
Der „digitale Arrest": Psychoterror als Masche
Besonders perfide sind die sogenannten „Digital Arrest"-Betrugsmaschen. In Bengaluru verlor eine 60-jährige Frau zwischen März und Anfang Juni umgerechnet rund 110.000 Euro. Die Täter gaben sich als Polizisten aus und drohten ihr mit Verhaftung wegen angeblicher Geldwäsche. Aus Angst überwies die Frau nicht nur ihre Ersparnisse, sondern versetzte sogar ihren Schmuck.
In Saharanpur, Indien, tappte ein 74-Jähriger in eine ähnliche Falle. Er verlor umgerechnet rund 14.000 Euro, nachdem angebliche Regierungsbeamte ihn überredet hatten, eine Fernwartungssoftware zu installieren.
Phishing-Welle rollt durch Europa
Auch in Europa sind die Betrüger aktiv. In Belgien wurden mindestens 1.000 Hotels in Flandern ins Visier genommen. Die Kriminellen nutzen offenbar echte Buchungsdaten, um Kunden zur Zahlung von Hunderten Euro zu bewegen.
In den Niederlanden kursiert derzeit eine besonders raffinierte Phishing-Welle. Die Betrugsmails sehen aus wie echte Nachrichten der Steuerbehörde (Belastingdienst). Sie werden über Server in Kroatien versendet und enthalten die echten Namen der Empfänger. Die geforderten Beträge liegen zwischen 50 und 2.750 Euro. Die Täter nutzen aus, dass die Behörde kürzlich ihre Bankverbindung gewechselt hat.
In Deutschland wurde ein 84-jähriger Mann aus Trippstadt Opfer von Kriminellen. Falsche Bankmitarbeiter überzeugten ihn, dass ein Sicherheitsproblem bestehe. Der Rentner überwies daraufhin 30.000 Euro.
Neue Gesetze sollen Verbraucher schützen
Die Politik reagiert. In Maryland (USA) tritt im Oktober ein neues Gesetz in Kraft: Banken dürfen dann verdächtige Transaktionen von Kunden ab 65 Jahren für bis zu 25 Geschäftstage verzögern.
In Belgien wächst der Druck auf die Geldhäuser. Ein Gerichtsurteil vom Mai zwingt eine Bank zur sofortigen Rückzahlung nicht autorisierter Überweisungen. Nun wird darüber gestritten, wer die Beweislast tragen soll. Experten fordern, dass die Bank nachweisen muss, dass der Kunde grob fahrlässig gehandelt hat – nicht umgekehrt.
Ein Fall aus Indien zeigt, wie langwierig solche Streitigkeiten sein können. Ein Kunde der Union Bank of India hatte bereits 2015 einen Fehler am Geldautomaten gemeldet. Erst im Juni 2026 entschied die Verbraucherschutzkommission: Die Bank muss das Geld erstatten.
