Phishing-Schaden, Hongkong

Phishing-Schaden: Hongkong verbietet SMS-Passwörter für Kryptos

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 17:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hongkong verbietet SMS-Passwörter, Australien warnt vor KI-Betrug. Die Zahl der Angriffe steigt, die Schadenssummen sinken jedoch deutlich.

Krypto-Sicherheit: Neue Regeln und steigende KI-Betrugsgefahr
Leuchtendes digitales Vorhängeschloss-Symbol und Hardware-Sicherheitsschlüssel auf einem Schreibtisch, Symbol für Online-Handelssicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der Cyberangriffe auf Kryptowährungen steigt rasant – doch die gestohlenen Summen sinken. Ein Paradoxon mit ernstem Hintergrund.

Neue Regeln gegen Phishing in Hongkong

Die Hongkonger Wertpapieraufsicht (SFC) verschärft die Sicherheitsanforderungen für Krypto-Dienstleister drastisch. Ab sofort sind Einmal-Passwörter per SMS, E-Mail oder App für virtuelle Vermögensdienstleister und Online-Broker verboten. Stattdessen müssen die Unternehmen auf phishing-resistente Authentifizierungsverfahren und Gerätebindung setzen.

Die Behörde begründet den Schritt mit alarmierenden Zahlen: Allein im ersten Quartal 2026 entstand durch Phishing-Angriffe ein Schaden von umgerechnet rund 280 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte aller gemeldeten Sicherheitsvorfälle in der Region im vergangenen Jahr betrafen Fälschungen oder Betrug. Die Unternehmen haben zwölf Monate Zeit, die neuen Standards umzusetzen.

Thailand zieht gegen Bitkub vor Gericht

In Südostasien eskaliert ein Fall aus der Vergangenheit: Die thailändische Börsenaufsicht (SEC) hat Strafanzeige gegen die Krypto-Börse Bitkub Online und zwei ehemalige Direktoren erstattet. Der Vorwurf: Falsche Berichterstattung im Zusammenhang mit einem Hackerangriff im Mai 2021. Damals erbeuteten Angreifer Kryptowährungen im Wert von rund 46 Millionen Euro. Die Börse soll in den folgenden Tagesmeldungen die gestohlenen Vermögenswerte nicht korrekt ausgewiesen haben.

Bitkub rechtfertigte die verzögerte Offenlegung damals mit der Sorge vor einem Bank-Run. Das Unternehmen ersetzte später die fehlenden Werte aus eigenen Mitteln.

KI treibt Betrugswelle an – Australien warnt

Die australische Bundespolizei schlägt Alarm: Internationale kriminelle Netzwerke nutzen zunehmend Künstliche Intelligenz, um komplette Fake-Ökosysteme für Krypto-Investments aufzubauen. Die Betrüger generieren mit KI nicht nur Handelsplattformen, sondern auch Nachrichtenartikel und Chatbots, die potenzielle Opfer in die Falle locken.

Die Zahlen sind erschreckend: Laut der australischen Verbraucherschutzstelle Scamwatch haben Anleger in diesem Jahr bereits umgerechnet 29 Millionen Euro durch Investmentbetrug verloren. Ein Einzelfall zeigt die Dramatik: Eine Frau verlor über einen Zeitraum von zwölf Monaten mehr als 68.000 Euro.

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Die australische Finanzaufsicht (ASIC) meldet einen Teilerfolg: Im vergangenen Kalenderjahr schaltete sie 12.000 betrügerische Webseiten ab.

Prominentes Opfer: Robinhood-Chef gehackt

Selbst Top-Manager sind nicht sicher. Der X-Account von Robinhood-CEO Vlad Tenev wurde gekapert – die Angreifer bewarben einen gefälschten Memecoin. Obwohl Robinhood den Beitrag schnell als Betrug identifizierte, erbeuteten die Hacker umgerechnet zwischen 1,1 und 1,2 Millionen Euro in Ethereum.

Halbjahresbilanz: Weniger Verluste, mehr Angriffe

Ein aktueller Report der Börse OKX zeichnet ein differenziertes Bild der Bedrohungslage. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Branche 182 Sicherheitsvorfälle mit einem Gesamtschaden von rund 880 Millionen Euro. Das klingt dramatisch – ist aber ein Rückgang um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (2,18 Milliarden Euro).

Die Kehrseite: Die Zahl der Einzelangriffe stieg um 50 Prozent. Experten sehen die Hauptursachen in Lieferketten-Schwachstellen, Fehlern im Vertragscode und undichten privaten Schlüsseln.

Besonders spektakulär: Anfang der Woche wurden innerhalb weniger Stunden zwei Ethereum-Brücken – AFX und Verus – angegriffen. Der Schaden: knapp 29 Millionen Euro. Während AFX durch Social Engineering kompromittiert wurde, kam es bei Verus zu unbefugten Abhebungen.

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Weltweite Warnungen und juristische Offensive

Auch in Kenia und den Niederlanden schlagen Aufsichtsbehörden Alarm. Die kenianische Kapitalmarktbehörde warnt vor Betrügern, die sich als Mitarbeiter lizenzierter Investmentfirmen ausgeben. Die niederländische Finanzmarktaufsicht (AFM) rät dringend von Angeboten der Plattformen PO Trade und Luctra ab.

In den USA nimmt der juristische Druck auf große Plattformen zu. Vor einem Bundesgericht in New York wurde eine Sammelklage gegen BitMEX und dessen Gründer eingereicht. Die Kläger fordern die Rückgabe von 622,66 Bitcoin – umgerechnet rund 37,5 Millionen Euro. Der Vorwurf: Unregelmäßigkeiten am internen Handelstisch und erzwungene Liquidationen. BitMEX hat bereits angekündigt, den Betrieb zum 23. September 2026 einzustellen.

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