Phishing-Rekord, Milliarden

Phishing-Rekord: 7,6 Milliarden Angriffe trotz Tycoon2FA-Zerschlagung

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 20:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz erfolgreicher Zerschlagung der Plattform Tycoon2FA bleibt die Bedrohung durch Phishing auf Rekordniveau. KI-gesteuerte Attacken und neue Ziele wie Microsoft Teams und ChatGPT prägen die aktuelle Lage.

Phishing-Welle: Microsoft meldet 7,6 Milliarden Angriffe im Q2 2026
Cybersecurity-Betriebszentrum mit holografischen Datenvisualisierungen und leuchtenden Netzwerkknoten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die globale Bedrohungslage durch Phishing-Angriffe hat sich im zweiten Quartal 2026 dramatisch verändert. Microsoft registrierte allein 7,6 Milliarden E-Mail-Phishing-Versuche – und das, obwohl die Zerschlagung einer wichtigen Cybercrime-Plattform für einen deutlichen Rückgang bestimmter Angriffsmethoden sorgte.

Takedown von Tycoon2FA zeigt Wirkung

Die Abschaltung der Phishing-as-a-Service-Plattform Tycoon2FA Anfang des Jahres hat messbare Erfolge gebracht. Bis Juni 2026 sank das Angriffsvolumen dieser spezifischen Infrastruktur um 92 Prozent. Besonders betroffen waren QR-Code-Phishing-Attacken: Von 18,7 Millionen Angriffen im März fiel die Zahl auf 8,3 Millionen im Juni. Noch deutlicher war der Rückgang bei CAPTCHA-geschützten Phishing-Seiten – von 12 Millionen auf 2,2 Millionen, ein Minus von 81 Prozent.

Doch die Gesamtlage bleibt angespannt. Credential Phishing machte 94 bis 96 Prozent aller Schadcode-Lieferungen aus. Die Geschwindigkeit automatisierter Attacken erreichte neue Rekorde: Eine einzige Business-E-Mail-Compromise-Kampagne (BEC) erreichte innerhalb von weniger als drei Stunden 67.000 Nutzer in 42.000 Organisationen.

Microsoft Teams wird zum neuen Angriffsziel

Während klassische E-Mail-Phishing-Methoden durch die Tycoon2FA-Zerschlagung geschwächt wurden, verlagerten Angreifer ihre Aktivitäten auf andere Plattformen. Die wöchentliche Zahl von Voice-Phishing-Anrufen (Vishing) über Microsoft Teams verzehnfachte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein zwischen März und April stiegen die Phishing-Erkennungen in Teams um 19 Prozent, im Juni folgte ein weiteres Plus von zehn Prozent.

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Markenimitation bleibt die bevorzugte Taktik. Laut einer Analyse von Check Point war Microsoft mit rund 23 Prozent aller Marken-Phishing-Versuche erneut die am häufigsten nachgeahmte Marke. Auf den Plätzen folgen LinkedIn (11,6 Prozent), Google (6,7 Prozent) und Apple (5,8 Prozent).

Eine bemerkenswerte Neueinsteigerin: ChatGPT schaffte es erstmals in die Top Ten der meistgefälschten Marken – mit 1,1 Prozent aller Angriffe. Die Täter nutzten gefälschte Zahlungsaufforderungen für ChatGPT Plus, um Nutzer zur Preisgabe sensibler Daten zu bewegen. Der Technologiesektor bleibt das mit Abstand am stärksten betroffene Feld, gefolgt von sozialen Netzwerken und Banken.

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KI-gesteuerte Angriffe: Die neue Gefahr

Phishing-Simulationen des Sicherheitsanbieters Fortra mit 13,9 Millionen Testnachrichten zeigen deutliche Unterschiede in der Wachsamkeit der Branchen. Finanzinstitute schnitten am besten ab: Ihre Mitarbeiter meldeten rund 31 Prozent der simulierten Bedrohungen. Schlusslicht ist die Versicherungsbranche, wo Angestellte in 12,65 Prozent der Fälle schadhafte Anhänge öffneten.

Auch sprachliche Faktoren spielen eine Rolle: Französischsprachige Empfänger meldeten Bedrohungen mit 19,55 Prozent fast doppelt so häufig wie englischsprachige Nutzer.

Die Integration Künstlicher Intelligenz in Cyberangriffe verschärft die Lage zusätzlich. Bereits 2025 zeigten Studien, dass KI-generierte Phishing-Inhalte eine Klickrate von 54 Prozent erreichte – traditionelle Methoden kamen nur auf zwölf Prozent. Aktuelle Umfragen belegen: 91 Prozent der Organisationen sind besorgt über KI-gestützte Attacken, 32 Prozent der Unternehmen berichten von einer Dauerbelastung durch Phishing und BEC. Allein im Juni registrierten Sicherheitsforscher einen Anstieg von 277 Prozent bei bösartigen ICS-Dateien – ein Zeichen für die zunehmende technische Raffinesse der Angreifer.

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