Phishing-Plattform Kratos zerschlagen: 200 Server beschlagnahmt
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 03:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Behörden aus Deutschland und den USA haben die größte Phishing-as-a-Service-Plattform zerschlagen. Der Schlag trifft eine Industrie, die jährlich Schäden in Milliardenhöhe verursacht.
In einer koordinierten Aktion mit dem Decknamen „Olympus Blade" gelang deutschen und US-amerikanischen Ermittlern ein schwerer Schlag gegen die organisierte Cyberkriminalität. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) und das Bundeskriminalamt (BKA) schalteten gemeinsam mit US-Behörden mehr als 200 Server der Plattform „Kratos" aus. Der mutmaßliche Entwickler wurde in Indonesien festgenommen.
So funktionierte das kriminelle Geschäftsmodell
Die Plattform „Kratos" war als Phishing-as-a-Service (PhaaS) organisiert – quasi ein Abo-Modell für Kriminelle. Rund 1.800 „Franchise-Nehmer" konnten damit monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen starten. Die Besonderheit: Die Infrastruktur war darauf ausgelegt, selbst Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen, indem sie Sitzungscookies und Passwörter über täuschend echte Microsoft-Loginseiten abgriff.
Seit 2024 sollen die Betreiber mindestens 300.000 Euro mit der Plattform verdient haben. Die Opfer verteilen sich auf 35 Länder – die Ermittler gehen jedoch von einer noch höheren Dunkelziffer aus. Die Domain von „Kratos" wurde beschlagnahmt und an das FBI übergeben.
Cyberrisiken steigen strukturell an
Der Erfolg der Ermittler kommt zu einem Zeitpunkt, an dem neue Daten das Ausmaß der Bedrohung verdeutlichen. Der ThreatBook Mid-Year Report für den asiatisch-pazifischen Raum dokumentierte zwischen Juni 2025 und Juni 2026 insgesamt 15.205 Sicherheitsvorfälle. Datenlecks machten mit 39,9 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von Ransomware und Phishing mit jeweils 18,3 Prozent.
Besonders alarmierend: Künstliche Intelligenz treibt die Entwicklung an. Schätzungen zufolge werden inzwischen 80 Prozent aller Phishing-Angriffe mit KI generiert. Eine Kampagne namens „FakeGit" nutzte im April 2026 allein 7.600 schadhafte Code-Repositories, um KI-Agenten anzugreifen.
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Deutschland im Visier der Betrüger
Auch hierzulande schlagen die Behörden Alarm. Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) sowie die Finanzministerien von Schleswig-Holstein und Thüringen warnten am Mittwoch vor einer neuen Welle von Phishing-Mails. Die Täter fordern darin IBAN-Bestätigungen für angebliche SEPA-Mandate oder geben sich als Benachrichtigungen über offizielle Steuerprüfungen aus.
Die FINRA Foundation veröffentlichte am selben Tag eine Studie, wonach die jährlichen Verluste durch Finanzbetrug weltweit auf 200 Milliarden US-Dollar zusteuern. Nur jeder zweite Befragte konnte Identitätsbetrug ohne Hilfestellung erkennen. Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen finanzieller Allgemeinbildung und Betrugserkennung.
Internationale Gegenstrategien
Die Regierungen reagieren mit einer Mischung aus Strafverfolgung und Aufklärung. Indiens Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie meldete über 6.650 Cyber-Awareness-Workshops mit mehr als 1,1 Millionen Teilnehmern. Zudem wurden in den letzten zwei Jahren 50 OTT-Plattformen gesperrt.
In Australien warnte die Sicherheitsfirma PhishByte, dass das staatliche „Essential Eight"-Framework nicht ausreiche, weil es menschliche Risikofaktoren bei Social-Engineering-Angriffen vernachlässige. Die Strafen für Datenschutzverstöße können dort inzwischen bis zu 50 Millionen Australische Dollar betragen – rund 90 Millionen Dollar sind allein für Phishing-Präventionsschulungen eingeplant.
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Was Verbraucher jetzt tun sollten
Die US-Handelsbehörde FTC empfiehlt Verbrauchern drei zentrale Schutzmaßnahmen: die Nutzung von Multi-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige Datensicherungen und spezialisierte Sicherheitssoftware, die Bedrohungen erkennt, bevor finanzieller Schaden entsteht. Angesichts der zunehmend professionellen und KI-gestützten Angriffsmethoden dürfte dieser Rat auch für deutsche Nutzer wichtiger denn je sein.
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