Phishing-Netzwerk: Google verklagt Gruppe mit 1,8 Milliarden Euro Schaden
23.06.2026 - 19:15:46 | boerse-global.de
Der Internetkonzern geht juristisch gegen eine als „Outsider Enterprise" bekannte Gruppe vor, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz millionenfach SMS-Betrug betrieben haben soll. Die Schadenssumme geht in die Milliarden.
Die Dimension des Betrugsnetzwerks
Die Vorwürfe sind gewaltig: Seit 2023 soll die Organisation Daten von rund 3,87 Millionen Kreditkarten gestohlen haben. Der finanzielle Schaden wird auf umgerechnet knapp 1,8 Milliarden Euro geschätzt. Die Gruppe betrieb nach Erkenntnissen der Ermittler ein hochprofessionelles Netzwerk, das über den Messenger-Dienst Telegram sogenannte Phishing-Kits verteilte.
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Insgesamt sollen etwa 9.000 betrügerische Websites und über eine Million schädliche Internetadressen erstellt worden sein. Die Masche zielte vor allem auf Nutzer von Android-Geräten ab. In nur zwei Wochen im Mai dieses Jahres gingen bei Google 55.000 Spam-Nachrichten ein – das Netzwerk soll insgesamt rund 2,5 Millionen SMS mit schädlichen Links versendet haben. Wer darauf klickte, landete auf gefälschten Seiten, die persönliche Daten abgriffen.
KI als Brandbeschleuniger für Cyberkriminalität
Im Zentrum der Klage steht der Vorwurf, dass die Täter künstliche Intelligenz für ihre Zwecke missbrauchten – darunter auch Googles eigene Plattform Gemini. Mit KI konnten die Kriminellen täuschend echte Phishing-Inhalte automatisieren und ihre Operationen kostengünstig skalieren.
Das Geschäftsmodell funktionierte nach dem Prinzip „Phishing-as-a-Service": Gegen Gebühr verkaufte die Gruppe Zugang zu ihrer Infrastruktur. Selbst technisch weniger versierte Kriminelle konnten so professionelle Angriffe starten.
Die Ermittlungen laufen unter den Codenamen „Ghost Hook" und „Riptide". Beteiligt waren das FBI, die Sicherheitsfirma Black Lotus Labs sowie die Telekommunikationsriesen AT&T, T-Mobile und Verizon. Die Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmten Server, Domains und einen Shopify-Shop der Gruppe sowie 100.000 US-Dollar (rund 93.000 Euro) an Vermögenswerten.
Internationale Warnungen vor KI-Kriminalität
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Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Warnungen internationaler Geheimdienste. Das Five-Eyes-Bündnis – bestehend aus den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland – warnte kürzlich, dass neue KI-Modelle die Angriffsfähigkeiten von Hackern innerhalb weniger Monate grundlegend verändern könnten.
Auch Interpol schlägt Alarm: Ein aktueller Bericht zeigt einen dramatischen Anstieg der Cyberkriminalität im asiatisch-pazifischen Raum. Besonders Phishing breitet sich rasant aus – die Klickrate liegt dort bei 5,5 pro 1.000 Nutzern, fast doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt von 2,9. Die Verfügbarkeit von KI-Tools mache diese Betrugsmaschen profitabler und schwerer erkennbar.
Sicherheitsforscher äußern zudem Bedenken hinsichtlich der Sicherheit großer Sprachmodelle chinesischer Firmen wie Baidu, Alibaba und Tencent. Diese könnten für Desinformationskampagnen genutzt werden oder staatlich verordnete Hintertüren enthalten – eine zusätzliche Herausforderung für die globale Cybersicherheit.
