Phishing-Explosion: 170 Fälle pro Woche, 1,4 Mio. Euro Schaden
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 19:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Betrugsdelikte über Mobiltelefone und digitale Kanäle explodiert. Allein in einer Woche im Juli 2026 registrierte die Polizei über 170 Phishing-Vorfälle – der Schaden: rund 1,4 Millionen Euro.
Neben technisch ausgefeilten Methoden setzen Kriminelle zunehmend auf psychologische Druckmittel. Besonders perfide: Schockanrufe, bei denen sich Täter als Angehörige ausgeben.
Internationaler Schlag gegen „Kratos“
Dem Bundeskriminalamt und dem FBI ist gemeinsam mit indonesischen Behörden ein wichtiger Erfolg gelungen. Sie zerschlugen den Phishing-Dienst „Kratos“ und beschlagnahmten rund 200 Server. Über die Plattform sollen etwa 1.800 Kunden monatlich bis zu 15.000 Betrugskampagnen gesteuert haben. Insgesamt stellten die Ermittler 96.000 Phishing-Apps sicher.
Die aktuellen Zahlen zeigen, wie dringend nötig dieser Schlag war. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Betrugsfälle per SMS um 146 Prozent. Support-Betrug legte um 134 Prozent zu, Fernzugriffstrojaner um 69 Prozent. Auch Fake-Shops boomen: 114 Millionen Angriffe verzeichnete Deutschland allein in den ersten sechs Monaten – ein Plus von 134 Prozent.
Sechsstellige Verluste durch Schockanrufe
Die Masche ist immer ähnlich – und immer erfolgreich. In Leer verlor eine Seniorin einen sechsstelligen Betrag. Die Täter gaben sich am Telefon als ihre Tochter aus, täuschten einen tödlichen Unfall vor und forderten Kaution. Im Kreis Birkenfeld erbeuteten Kriminelle innerhalb von zwei Wochen Bargeld und Wertsachen im Wert von 310.000 Euro.
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Im Landkreis Hildburghausen tricksten Betrüger einen 39-Jährigen aus. Eine angebliche Bankmitarbeiterin überredete ihn, unter dem Vorwand eines App-Updates Fernzugriff auf sein Smartphone zu gewähren. Die Folge: unautorisierte Überweisungen in Höhe von fast 35.000 Euro.
Die Sicherheitsbehörden warnen vor „Social Engineering“ – einer Methode, bei der Täter gezielt Vertrauen aufbauen oder Druck ausüben, um an sensible Daten zu gelangen.
Neue Bedrohungen: KI-Stimmen und Trojaner
Die technischen Möglichkeiten der Kriminellen werden immer ausgefeilter. Der neu entdeckte Fernzugriffstrojaner „Dolphin X“ verfügt über mehr als 320 Funktionen. Er kann Daten aus über 300 verschiedenen Anwendungen extrahieren – darunter auch Krypto-Wallets. Zudem imitieren Betrüger mithilfe künstlicher Intelligenz täuschend echt die Stimmen von Angehörigen.
Eine aktuelle Betrugswelle trifft zudem Reisende. Kriminelle nutzen gestohlene Hotel-Buchungsdaten, kontakten Kunden kurz vor Reiseantritt und fordern unter dem Vorwand einer notwendigen Zahlungsbestätigung Kreditkartendaten. Auch AOK-Versicherte und Sparkassen-Kunden stehen im Fokus von Phishing-Kampagnen mit gefälschten E-Mails über angebliche Kontosperrungen.
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Was tun bei Verdacht?
Die Botschaft der Sicherheitsbehörden ist klar: Bei verdächtigen Anrufen sofort auflegen und die echte Polizei über den Notruf kontaktieren. Banken fordern niemals telefonisch Passwörter oder Fernzugriff auf Geräte. In Familien empfiehlt sich die Vereinbarung von Kennwörtern, um Anrufer in Notsituationen identifizieren zu können.
Dass Gegenwehr möglich ist, zeigt ein Fall aus Pullach. Ein 79-Jähriger hielt die Betrüger so lange hin, bis die Polizei einen Abholer festnehmen konnte. Dennoch bleibt die Lage ernst: Schätzungen zufolge basieren mittlerweile rund 90 Prozent aller Cyberangriffe auf Phishing.
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