Phishing-Angriffe: KI treibt Betrug um 14-fach in die Höhe
16.06.2026 - 07:56:26 | boerse-global.de
Phishing-Aktivitäten sind um das 14-fache gestiegen. Haupttreiber: Künstliche Intelligenz, die für 82 Prozent aller Angriffe verantwortlich ist. Der Schaden in Deutschland: rund 1,8 Milliarden Euro durch Phishing und Kreditkartenbetrug.
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KI als Massenproduktionswerkzeug für Betrug
Die Professionalisierung der Cyberkriminalität zeigt sich in der Skalierbarkeit der Angriffe. Google hat Mitte Juni Zivilklage gegen ein chinesisches Netzwerk eingereicht. Die Täter sollen die KI Gemini zweckentfremdet haben, um Phishing-Kampagnen gegen Android-Nutzer in den USA zu führen. In nur zwei Wochen im Mai generierten sie 2,5 Millionen betrügerische SMS und 9.000 gefälschte Webseiten.
Die Täter setzen zunehmend auf ein „Phishing-as-a-Service“-Modell. Software-Kits werden für geringe Wochenbeträge über Messenger wie Telegram vertrieben. Das FBI schätzt den Gesamtschaden solcher Netzwerke seit Mitte 2023 auf rund 1,75 Milliarden Euro. Millionen von Kreditkartendaten wurden weltweit kompromittiert.
Messenger im Visier der Betrüger
Besonders Messenger-Apps stehen im Fokus. Laut dem „Global Scam Intelligence Report 2026“ von Bitdefender gehen 60 Prozent der riskanten Konversationen auf WhatsApp von Business-Konten aus. Die Kriminellen nutzen den „blauen Haken“ als Vertrauenssiegel. Sie geben sich als Mitarbeiter von Paketdiensten, Banken oder Kundensupport aus – Ziel: Zugangsdaten und TANs.
Die BaFin warnt vor WhatsApp-Gruppen wie „IK Kern-Austauschkreis N77“. Dort werden unerlaubte Aktienempfehlungen verbreitet. Auch der Enkeltrick verlagert sich auf Messenger. In Hessen meldeten Betroffene Mitte Juni Fälle, bei denen Täter unter dem Vorwand einer neuen Handynummer dringende Überweisungen forderten. Schaden: vierstellig.
Neue technische Angriffsmethoden
Neben sozialer Manipulation nehmen technische Angriffe zu. NFC-basierte Attacken auf Android-Smartphones stiegen um 188 Prozent. Sicherheitsexperten identifizierten in den ersten vier Monaten über 35.000 solcher Angriffe. Malware-Familien wie SuperCard X oder NGate kamen zum Einsatz.
Auch „EvilTokens“ verbreiten sich – Angreifer versuchen damit, die Zwei-Faktor-Authentisierung zu umgehen. Branchenanalysten prognostizieren für dieses Jahr rund 66.000 neue Sicherheitslücken (CVEs). Eine deutliche Steigerung gegenüber früheren Schätzungen.
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Behörden schlagen Alarm
Verbraucherzentralen und Polizei warnen vor falschen SMS. In Österreich wurden Nachrichten über eine angebliche Frist für den Klimabonus verbreitet – obwohl dieser seit Anfang 2025 nicht mehr existiert. In Deutschland kursieren gefälschte PayPal-E-Mails, die Nutzer unter Zeitdruck setzen und zur Authentifizierung über WhatsApp auffordern.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg berichtet von einer perfiden Masche: Betrüger geben sich am Telefon als Verbraucherschützer aus. Sie locken Opfer auf gefälschte Webseiten, um Bankdaten abzugreifen. Echte Verbraucherschützer bieten niemals unaufgeforderten Hilfe am Telefon an oder fragen nach Passwörtern.
Erfolge im Kampf gegen Betrugsnetzwerke
International konnten Ermittler zuletzt Erfolge verzeichnen. Im Rahmen der „Operation Atlantic“ identifizierten sie 20.000 betrügerische Krypto-Wallets und beschlagnahmten Kryptowerte im Wert von rund 15 Milliarden Dollar. Bei einer Razzia in Dubai gab es 275 Festnahmen im Zusammenhang mit globalen Betrugsnetzwerken.
Experten raten zu höchster Skepsis bei unaufgeforderten Nachrichten, dem Einsatz von Sicherheits-Apps und der kritischen Prüfung von Absenderadressen.
