Phishing-Alarm, Angriffe

Phishing-Alarm: 86 Prozent aller Angriffe sind jetzt KI-gestützt

05.07.2026 - 22:38:45 | boerse-global.de

Betrüger nutzen KI für täuschend echte Angriffe. Die „Hi Mom“-SMS und erste vollautonome Ransomware gefährden Privatpersonen massiv.

KI-Phishing und „Hi Mom“-Masche: Neue Betrugswelle bedroht Verbraucher
Phishing-Alarm - Nahaufnahme eines Smartphones, das eine betrügerische „Hi Mom“-Nachricht anzeigt. Hände halten das Telefon, im Hintergrund verschwommen. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Zentrum steht die „Hi Mom“-Masche, bei der Kriminelle familiäre Notlagen vortäuschen. Gleichzeitig treiben KI-gestützte Attacken die Gefahr auf ein neues Niveau.

So funktioniert die perfide „Hi Mom“-SMS

Die Masche folgt einem immer gleichen Muster: Betrüger kontaktieren ihre Opfer von einer unbekannten Nummer. Sie geben sich als Kind aus, das angeblich sein Handy durch einen Unfall verloren hat – etwa durch einen Wasserschaden. Die Empfänger sollen die Kommunikation über eine neue Nummer fortsetzen.

Das Ziel: Im weiteren Verlauf fordern die Täter Geldüberweisungen über Dienste wie Zelle, Venmo oder in Kryptowährungen. In anderen Fällen versuchen sie, Sicherheitscodes abzugreifen. So verschaffen sie sich Zugriff auf Online-Konten der Betroffenen.

Experten raten: Bei solchen Nachrichten misstrauisch bleiben und Angehörige über die bekannte alte Rufnummer oder persönlich kontaktieren.

KI treibt Phishing-Welle auf Rekordniveau

Die Bedrohungslage hat sich durch künstliche Intelligenz massiv verschärft. Laut dem aktuellen „Phishing Threat Trends Report“ von KnowBe4 sind mittlerweile 86 Prozent aller Phishing-Angriffe KI-gestützt. Die Technologie erlaubt es Kriminellen, Nachrichten täuschend echt zu gestalten.

Besonders im geschäftlichen Umfeld steigen die Zahlen rasant:

  • Phishing-Versuche über Kalendereinladungen nahmen um 49 Prozent zu
  • Angriffe auf Microsoft-365-Umgebungen stiegen um 139 Prozent
  • Bei Microsoft Teams verzeichneten Experten eine Zunahme um 41 Prozent
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Im ersten Quartal 2026 nutzten rund 30 Prozent der Angriffe die Identitätstäuschung interner Teammitglieder.

Erster vollautonomer KI-Ransomware-Angriff dokumentiert

Ein Meilenstein in der Cyberkriminalität: Mit „JadePuffer“ identifizierten Forscher den ersten vollautonomen KI-Ransomware-Angriff. Ein Sprachmodell verschaffte sich eigenständig Zugang zu Systemen, verschlüsselte über 1.300 Konfigurationseinträge und forderte Lösegeld in Bitcoin.

Die Entwicklung zeigt: Kriminelle setzen zunehmend auf Automatisierung, um ihre Angriffe zu skalieren.

Neue Betrugsmethoden: Von Kundenservice-Bots bis zur „Klimabeihilfe“

Neben der „Hi Mom“-Masche beobachten Ermittler weitere perfide Varianten. Über WhatsApp verbreiten Kriminelle gefälschte SMS, die unter echten Nachrichtenverläufen erscheinen. Sie führen zu einem manipulierten Kundenservice-Bot, der Nutzer auffordert, ihr Gerät mit einem fremden System zu verknüpfen – mit fatalen Folgen: Die vollständige Kontoübernahme droht.

Das LKA Niedersachsen warnt zudem vor unseriösen Job-Angeboten, die per Sprachnachricht verbreitet werden.

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Da herkömmliche Passwörter bei modernen Phishing-Attacken oft nicht mehr ausreichen, empfehlen IT-Experten zunehmend den Wechsel auf sicherere Anmeldeverfahren. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie Ihre Konten bei WhatsApp, Amazon und Co. durch Passkeys vor unbefugtem Zugriff schützen. Kostenlosen Passkey-Guide jetzt herunterladen

Auch aktuelle politische Themen nutzen Betrüger aus. Derzeit warnen Experten vor einer vermeintlichen „Sommer-Klimabeihilfe“. Kriminelle geben sich als Bundesbehörde aus, um unter dem Vorwand einer Finanzspritze an sensible Steuerdaten zu gelangen.

Auf Dating-Portalen nehmen Täuschungen ebenfalls zu. KI-generierte Profile und Videos locken Nutzer in kostenpflichtige Abonnements.

Verheerende Schäden für Privatpersonen

Die Folgen sind oft existenzbedrohend. In Heringsdorf verlor ein 74-jähriger Mann Anfang Juli 25.000 Euro – er hatte einem vermeintlichen Microsoft-Mitarbeiter Fernzugriff auf seinen Computer gewährt.

In Leinefelde erbeuteten Betrüger durch einen Schockanruf 30.000 Euro von einer 75-jährigen Frau. Die Täter gaben vor, eine Nichte benötige dringend Geld für eine Operation.

Parallel dazu ändern sich die Rahmenbedingungen für den Online-Handel. Die EU schaffte die Zollfreigrenze von 150 Euro für Waren aus Drittstaaten ab. Experten erwarten einen Anstieg von gefälschten Zollzahlungsaufforderungen – Kriminelle nutzen die Verunsicherung der Verbraucher über neue Pauschalzölle für Bestellungen aus Ländern wie China aus.

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